# taz.de -- Drohender AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Die AfD wird Wahlversprechen brechen müssen
> Zwischen Wunsch und Wirklichkeit der rechtsextremen Partei klafft eine
> große Lücke. Von jedem versprochenen Euro sind weniger als 10 Cent
> gegenfinanziert.
(IMG) Bild: Wenn sich zeigt, dass nicht alles möglich ist, wird Ulrich Siegmund das Grinsen vergehen
Gewinnt die AfD kommenden Sonntag in Sachsen-Anhalt die Wahl und wird ihr
[1][Spitzenkandidat Ulrich Siegmund] Ministerpräsident, dann werden die
rechtsextremen Politiker*innen vor einer ziemlich unangenehmen Aufgabe
stehen. Sie werden dasselbe machen müssen, wovor sich die meisten
Regierungspolitiker*innen vor ihnen auch nicht drücken konnten, nur
wird es bei der AfD vermutlich noch etwas krasser sein. Die rechtsextreme
Partei wird in Falle eines Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt massiv
Wahlversprechen brechen müssen. Denn diese sind schlicht nicht
finanzierbar.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke von mindestens 2,2
Milliarden Euro jährlich oder rund einem Viertel der Steuereinnahmen des
Landes Sachsen-Anhalt. Dies berechneten die Forschenden des
Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) [2][in einer
Studie].
Dabei, so gibt das Institut an, ist seine Schätzung konservativ. Das heißt,
die Lücke könnte noch deutlich größer sein. Denn die meisten
AfD-Versprechen lassen sich nicht beziffern. Zudem haben die
Ökonom*innen nicht die [3][Folgen der AfD-Politik auf die Wirtschaft]
und die damit verbundenen Rückwirkungen auf den Landeshaushalt
berücksichtigt.
„Selbst in Teilen ist das Wahlprogramm der AfD auch mittelfristig nicht
finanzierbar“, sagt IWH-Präsident Reint Gropp. Für den Fall einer
Alleinregierung hält Gropp es für wahrscheinlich, dass sich die AfD auf
symbolische Maßnahmen konzentrieren würde, wie die Partei sie auch in ihrem
100-Tage-Programm beschreibt. „Allerdings hätte eine aggressive Politik
gegen Zuwanderer wahrscheinlich starke negative Folgen für die Wirtschaft
in Sachsen-Anhalt. Diese lassen sich jedoch im Vorfeld nur schwer
beziffern.“
Von 136 kostenwirksamen Maßnahmen des Programms lassen sich laut dem IWH
mit amtlichen Quellen 28 beziffern. Diese kosten rund 1,6 Milliarden Euro
pro Jahr. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr belief sich der Landeshaushalt
auf rund 15,1 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass die AfD in Sachsen-Anhalt
auf neue Schulden verzichten will. Dabei plant das Bundesland von 2027 bis
2029 derzeit mit jährlich rund 877 Millionen an neuen Schulden.
Dem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro jährlich
stehen dem IWH lediglich – großzügig geschätzt – 243 Millionen Euro an
Einsparungen gegenüber. Von jedem Euro, den [4][die AfD] verspricht, sind
damit also weniger als 10 Cent gegenfinanziert.
31 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vor-der-Wahl-in-Sachsen-Anhalt/!6207561
(DIR) [2] https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/studie-belegt-milliardenluecke-im-wahlprogramm-der-afd-sachsen-anhalt
(DIR) [3] /AfD-Politik-fuer-Sachsen-Anhalt/!6198503
(DIR) [4] /Bundeskongress-Generation-Deutschland/!6208596
## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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