# taz.de -- Russlands Außenminister Lawrow: Das Goethe-Institut schließt
       
       > Russland weist die Reaktionen Deutschlands nach dem Drohnenangriff auf
       > den Flughafen Leipzig/Halle als unbegründet zurück. Jetzt reagiert
       > Moskau.
       
 (IMG) Bild: Sagt, sein Land habe mit Drohnenangriffen auf Deutschland nichts zu tun: Sergei Lawrow
       
       dpa | Die Regierung in Moskau wird nach Angaben von Außenminister Sergej
       Lawrow die Goethe-Institute in Russland schließen. Es handle sich um eine
       Reaktion auf die angekündigte Schließung des Russischen Hauses in Berlin,
       sagte der Minister der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in Wladiwostok.
       Die Bundesregierung hatte angekündigt, den Vertrag für [1][den Betrieb des
       Russischen Hauses] infolge des Fundes einer Sprengstoff-Drohne auf dem
       Flughafen Leipzig/Halle zu kündigen. Eine Schließung des Goethe-Instituts
       im Gegenzug war erwartet worden.
       
       [2][Berlin macht Moskau für den versuchten Angriff verantwortlich].
       Russland weist das entschieden zurück. Lawrow kritisierte auf dem Östlichen
       Wirtschaftsforum in Wladiwostok, dass die deutschen Behörden keine Beweise
       vorgelegt hätten. Sie hätten eine Drohne gesehen und entschieden, dass sie
       so aussehe wie eine russische, sagte er.
       
       Russland bestreitet, etwas mit der Drohne auf dem Flughafen zu tun zu
       haben. Moskau sieht den Fall um das nicht detonierte Flugobjekt als eine
       billige „Provokation“, die allein den Interessen von militaristischen
       Kreisen in Europa und in der Ukraine diene.
       
       ## Stellen in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg betroffen
       
       Nach Angaben des Goethe-Instituts gibt es neben der Hauptstelle in Moskau
       auch noch Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Jekaterinburg.
       „Natürlich werden sie geschlossen, nachdem unser Kulturzentrum von dort
       (Berlin) vertrieben wurde“, sagte Lawrow beim Östlichen Wirtschaftsforum in
       Wladiwostok. Deutschland nehme bewusst in Kauf, dass der Schritt gegen das
       Russische Haus „eindeutig das Ende seiner kulturellen Präsenz in der
       Russischen Föderation bedeutet“.
       
       Es sei eine Frage der „Selbstachtung“ für Moskau, auf die antirussischen
       Sanktionen der Bundesregierung zu reagieren, erklärte Lawrow. Zugleich warf
       er dem Westen bei seinem Auftritt vor, im Konflikt um die Ukraine weiter
       auf Sanktionen und Druck zu setzen als auf Verhandlungen. Russland führt
       seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits seit mehr als viereinhalb
       Jahren.
       
       Der russische Minister beklagte, dass Deutschland sich bei seiner Hilfe für
       die Ukraine und in Konfrontation mit Russland als Führungsmacht aufspiele.
       Dabei erwähnte er besonders Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dem er eine
       Militarisierung Deutschlands vorwarf. „Ich war einfach fassungslos“, sagte
       Lawrow.
       
       ## Goethe-Institut konnte trotz Spannungen weiter arbeiten in Russland
       
       Trotz aller Spannungen mit dem Westen wegen des russischen Angriffskriegs
       gegen die Ukraine habe das Institut weiter arbeiten können, sagte Lawrow.
       Das Goethe-Institut gehört zu den letzten in Russland noch tätigen
       deutschen Einrichtungen. Die Einrichtung hatte seine Aktivitäten in
       Russland deutlich heruntergefahren wegen des Konflikts um die Ukraine, aber
       dennoch Kulturveranstaltungen organisiert. Das weltweit tätige
       Kulturinstitut bietet vor allem auch weiter Sprachkurse an. Für viele
       europafreundliche und dem Westen gegenüber offene Russen gilt die
       Schließung als Schlag.
       
       Russland hatte wegen der Spannungen mit dem Westen bereits massenhaft
       Stiftungen und Organisationen für unerwünscht erklärt und dadurch mit
       Tätigkeitsverbot belegt. Betroffen waren viele namhafte Organisationen,
       unter anderem auch der Deutsche Akademische Austauschdienst und das
       Deutsche Historische Institut.
       
       Am Vortag hatte das russische Außenministerium den Geschäftsträger der
       Deutschen Botschaft in Moskau einbestellt, um gegen Berlins Sanktionen nach
       dem Fund einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle zu
       protestieren. Die Einbestellung sei wegen der antirussischen Handlungen und
       der Äußerungen der deutschen Führung erfolgt, teilte das Ministerium mit.
       
       ## Russland bestreitet Verbindung zu Drohnen-Vorfall auf Flughafen
       
       Die russische Seite weise die „völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfe
       einer russischen Beteiligung an dem angeblichen Vorfall am Flughafen
       Leipzig entschieden zurück“, hieß es in einer Mitteilung nach dem Gespräch.
       [3][Berlin greife zu „offener Provokation“,] um die russisch-deutschen
       Beziehungen zu untergraben. „Auf die Handlungen der deutschen Regierung
       wird eine harte Antwort folgen“, drohte das Außenministerium in Moskau.
       
       Russland hat weitere Gegenmaßnahmen angekündigt. Als denkbar gilt unter
       anderem noch eine Schließung des Generalkonsulats in St. Petersburg. Schon
       in der Vergangenheit hatten beide Seiten im Zuge von Sanktionen
       wechselseitig Konsulate geschlossen. Damit verbunden waren und sind auch
       Ausweisungen von Diplomaten und ihrer Familien. Dieser Schritt der Russen
       auf die deutschen Ankündigungen steht neben anderen Reaktionen noch aus.
       
       ## Deutschland wirft Russland hybride Kriegsführung vor
       
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann
       Wadephul (CDU) hatten in dieser Woche Russland für den Drohnenvorfall von
       Anfang August verantwortlich gemacht und Strafmaßnahmen angekündigt.
       Wadephul sagte, dass etwa das russische Konsulat in Bonn geschlossen werden
       soll. Deutschland wirft Russland eine hybride Kriegsführung vor.
       
       Unter hybrider Kriegsführung verstehen Behörden eine Kombination aus
       militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen
       Mitteln. Dazu zählen auch Cyberattacken und Desinformationskampagnen, um
       die öffentliche Meinung etwa vor Wahlen zu beeinflussen.
       
       3 Sep 2026
       
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