# taz.de -- Nach Drohnenangriff in Leipzig: Ein Draht nach Moskau
       
       > Gibt es belastbare Kontakte nach Russland? Um eine ungewollte
       > militärische Eskalation zu vermeiden, reicht es nicht, nur auf
       > Abschreckung zu setzen.
       
 (IMG) Bild: Alle Wege führen nach Rom, alle Drähte wohl nach Moskau, und manchmal auch und die diplomatische Adresse im Außenministerium
       
       Die Bundesregierung reagiert durchaus maßvoll auf die Geschehnisse am
       [1][Leipziger Flughafen], für die sie nun Russland verantwortlich macht. Es
       ist richtig, dass die Beratungen im Nato-Rat am Mittwoch nicht als
       Konsultationen nach Artikel 4 des Militärbündnisses bezeichnet wurden –
       obwohl die Gespräche praktisch auf dasselbe hinausliefen. Man mag dies für
       reine Symbolik halten, doch genau darauf kommt es an, wenn man das Risiko
       weiterer militärischer Eskalation so gut es geht minimieren möchte.
       
       Wenn wirklich [2][Russland hinter dem versuchten Angriff] in Deutschland
       steckt, steht deshalb noch eine größere Frage im Raum: Gibt es belastbare
       informelle Gesprächskontakte der deutschen Sicherheitsbehörden nach
       Russland? Wie begegnet die Regierung der nicht zu unterschätzenden Gefahr
       einer ungewollten militärischen Eskalation des [3][Ukrainekriegs] auf ganz
       Europa?
       
       Eine Sicherheitspolitik, die ausschließlich auf Abschreckung zielt, wird
       keine Sicherheit bieten. Denn wenn man eine Sache aus dem Kalten Krieg
       gelernt hat, dann ist es doch die, dass allem Zündeln zum Trotz der Griff
       zum Telefon schreckliche Tragödien verhindern kann. Steht so ein Telefon
       auch in Deutschland irgendwo?
       
       Einem Irren wie [4][Wladimir Putin], der von einem Atomschutzbunker aus
       einen blutrünstigen Krieg gegen die Ukraine führt und sich darin längst
       verrannt hat, ist mit Abschreckung nicht beizukommen – er ist schon
       paranoid. Doch nicht alle im russischen Sicherheitsapparat werden so
       suizidal unterwegs sein wie der Präsident. Kontakt zu denen, die anders
       denken, muss der Westen suchen – für die Ukraine und für die eigene
       Sicherheit.
       
       Wir leben erstmals wieder in einer Zeit ohne irgendeine Form der
       gegenseitigen Rüstungskontrolle zwischen Russland und der Nato. Aus einem
       Drohnen-Überflug, einem gescheiterten Angriff wie in Leipzig, aber auch aus
       einem Missverständnis heraus könnte eine Kaskade entstehen, die nicht mehr
       einzufangen ist. Um das zu verhindern, tragen auch Deutschland und der
       Westen eine Verantwortung.
       
       2 Sep 2026
       
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