# taz.de -- Russland schließt Goethe-Institute: Keine Deutschprüfungen mehr in Moskau
> Als Reaktion auf den versuchten Drohnenanschlag von Leipzig will
> Deutschland das Russische Haus in Berlin schließen. Nun reagiert Moskau
> mit Gegenmaßnahmen.
(IMG) Bild: Das Goethe-Institut in Moskau – oder in seinen eigenen Worten: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“
Seine Tage sind gezählt. Noch hält das deutsche Goethe-Institut in Russland
die Stellung, aber nach der Entscheidung der Bundesregierung, dem
Russischen Haus in Berlin den Vertrag aufzukündigen, ergreift die russische
Regierung Gegenmaßnahmen. Selbstverständlich würden die Standorte des
Goethe-Instituts in Russland geschlossen, [1][verkündete der russische
Außenminister Sergei Lawrow beim Östlichen Wirtschaftsforum], das noch bis
Freitag in Wladiwostok tagt. Schon deshalb, um den Respekt vor sich selbst
zu wahren, so Lawrow.
Es liegen handfeste Gründe vor, weshalb die deutsch-russischen Verhältnisse
an einem neuen Tiefpunkt angelangt sind. [2][Das Russische Haus steht schon
lange im Verdacht], nicht allein die Funktion einer kulturellen Einrichtung
auszuüben, sondern den russischen Geheimdiensten auch als Tarnung für
subversive Umtriebe zu dienen. Ausschlaggebend für die jüngsten
Verschlechterungen ist ein misslungener Anschlag auf dem Flughafen
Leipzig/Halle, [3][für den die Bundesregierung Russland in der
Verantwortung sieht].
Als schnell und einfach umzusetzende Sanktionsmaßnahme soll zunächst das
russische Generalkonsulat in Bonn zum 18. September geschlossen werden. Die
Tätigkeiten des Goethe-Instituts in Russland und des von der staatlichen
Agentur Rossotrudnitschestwo betriebenen Russischen Hauses beruhen auf
einem zwischenstaatlichen Abkommen von 2011, das eine Kündigung erst zum
Juni 2027 vorsieht.
## Schon länger kaum noch kulturelle Präsenz in Russland
Was Deutschland durch die Beendigung der Arbeitsgrundlage für das seit über
40 Jahren existierende Russische Haus gewonnen hat, lässt sich nicht exakt
benennen, die Verluste hingegen liegen auf der Hand. Das seit 1993 in
Russland präsente Goethe-Institut, das Dependancen in Moskau, Sankt
Petersburg und Nowosibirsk unterhält, sah sich aufgrund erheblicher
Einschränkungen durch die russischen Behörden, [4][allen voran
Personalbeschränkungen], schon die vergangenen drei bis vier Jahre nicht
mehr in der Lage, als breit aufgestellte kulturelle Institution Präsenz zu
zeigen.
Festivals und Großausstellungen gehören zwar längst der Vergangenheit an,
doch seine Rolle als Anlaufstelle für an deutscher Sprache und Kultur
Interessierte sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Gegenüber der FAZ
nannte das Goethe-Institut die Zahl von jährlich 22.000 Sprachexamen, die
in den Prüfungszentren abgelegt werden. Um diese Arbeit stemmen zu können,
kooperiert das Institut mit Partnerorganisationen und stellt gleichzeitig
sicher, dass vorgegebene Sprachstandards eingehalten werden.
## Kein Sprachzertifikat mehr für Leonid?
Ende August fand Leonid in seinem Postfach eine E-Mail vom Goethe-Institut
vor mit der Ankündigung, er könne seinen Deutschunterricht im September
fortsetzen. Zwei Onlinekurse hatte der Moskauer in diesem Jahr bereits
absolviert mit dem Ziel, ein in Deutschland anerkanntes Sprachzertifikat zu
erwerben. Seine Sprachlehrerin war per Zoom aus Nowosibirsk zugeschaltet,
die Kursteilnehmer:innen, überwiegend weiblich, aus ganz Russland.
Perspektivisch wird er sich nach einer Alternative umsehen müssen. An
Sprachschulen mangelt es zwar nicht, doch sobald das Goethe-Institut
gezwungen ist seine Tätigkeit einzustellen, stellt sich die Frage, ob es in
Zukunft in Russland überhaupt noch eine Option geben wird, ein von
deutschen Behörden und Bildungseinrichtungen anerkanntes Sprachexamen
abzulegen.
Der British Council beispielsweise – das britische Pendant zum
Goethe-Institut –, über den Sprachzertifikate für ein Studium oder den
Beruf erworben werden können, ist in Russland seit 2025 sogar als
[5][sogenannte unerwünschte ausländische Organisation] gelistet. Das
bedeutet, dass selbst im Ausland die Teilnahme an einem der weltweit
beliebtesten Sprachtests im Ausland eine potenzielle Straftat darstellt.
3 Sep 2026
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(DIR) Vera Bessonova
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