# taz.de -- Anschlag auf Münchner Firmen: Drei Anschläge, zwei Verdächtige, viele Fragen
> Rüstungsunternehmen stehen verstärkt im Visier russischer und linker
> Attentäter. Im Münchner Osten flogen jetzt Brandsätze.
(IMG) Bild: In der Nacht zum Donnerstag wurden mehrere Brandsätze auf die Baustelle in München geworfen
Der Schaden ist gering, wie groß die Gefahr einer Brandkatastrophe
allerdings war, ist unklar. In der Nacht auf Donnerstag waren nach Angaben
des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) mehrere Brandsätze auf eine
Baustelle zwischen Ostbahnhof und Mittlerem Ring geworfen worden. Das LKA
vermutet einen politisch motivierten Anschlag auf ein Rüstungsunternehmen
und hat sich deshalb in die Ermittlungen eingeschaltet.
Die Baustelle soll zum Firmengelände von Rohde & Schwarz gehören, einem
Technologiekonzern, der etwa mit einer ukrainischen Rüstungsfirma
zusammenarbeitet. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Zentrale des
Helsing-Konzerns, der nicht zuletzt durch seine KI-gestützte
Kamikaze-Drohne von sich reden macht. Einem Bericht des Bayerischen
Rundfunks zufolge ist das LKA der Ansicht, dass der Anschlag „nicht oder
nicht nur dem Unternehmen Rohde & Schwarz gegolten hat“.
Gegen Mitternacht hatte sich ein Zeuge bei der Polizei gemeldet. Er habe
beobachtet, wie aus einem vorbeifahrenden Auto mehrere Brandsätze auf das
Gelände geworfen worden seien. Mindestens einer davon verursachte den
Ermittlern zufolge ein Feuer. Der Brand konnte allerdings schon von den
Polizeibeamten gelöscht werden, bevor größerer Schaden entstand. Ein
weiterer Brandsatz zündete nicht und wurde später von Spezialkräften
entschärft. Dafür wurde die Gegend weiträumig abgesperrt.
Noch in der Nacht wurden an einer Tankstelle am nahen Innsbrucker Ring eine
28-Jährige und ein 38-Jähriger festgenommen. Beide sind bulgarische
Staatsangehörige. Ob sie unmittelbar verdächtigt werden, den Brandanschlag
begangen zu haben, ist jedoch unklar. Auch um was für Brandsätze es sich
genau gehandelt hat, wurde bislang nicht bekannt. Nach Informationen der
Süddeutschen Zeitung (SZ) waren es jedenfalls nicht nur vergleichsweise
simple Molotow-Cocktails.
Im Jahr 2021 hatte es schon einmal einen Anschlag in der Nähe von Rohde &
Schwarz gegeben. Bis heute unbekannte Täter hatten damals eine
Stromanleitung in Brand gesetzt, die in einer Baugrube lag. Damals waren
die Auswirkungen um einiges gravierender: Rund 20.000 Haushalte waren in
der Folge ohne Strom. Später war auf der linksradikalen Plattform Indymedia
ein Bekennerschreiben veröffentlicht worden, das laut SZ Bezug auf Rohde
und Schwarz nahm: Es sei „erfreulicherweise“ gelungen, der Firma für 24
Stunden „den Saft abzudrehen“.
Deutsche Rüstungsunternehmen sind freilich nicht nur im Visier von
Linksextremisten. Seit Beginn des Ukrainekrieges gelten sie auch als Ziel
russischer Angriffe. Schließlich ist Deutschland der wichtigste
Unterstützer der Ukraine. „Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass
entsprechende Unternehmen das Ziel von Ausspähungs- und Sabotagehandlungen
durch russische staatliche Stellen oder in deren Auftrag werden“, warnte
das Bundesamt für Verfassungsschutz zuletzt. „Das gilt mit Blick auf die
strategische Aufklärung, die verdeckte Beschaffung von militärischen
Technologien und einschlägigem Know-how, aber auch gezielte Einflussnahme
und Sabotagehandlungen.“
## Aiwanger will sich der Realität stellen
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler)
verurteilte den Anschlag indes scharf. „Wir müssen uns der Realität
stellen, dass feige Angriffe auf deutsche Unternehmen und Infrastruktur
zunehmen“, so Aiwanger, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist.
Leider sei dies nicht der erste Fall, in dem ein Technologieunternehmen mit
Nähe zur Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ins Visier gerate. Von der
Bundesregierung erwartet der Politiker mehr Rechtssicherheit für
ausgewählte Unternehmen, etwa im Bereich der Drohnenabwehr im Falle von
Angriffen auf ihre Einrichtungen.
Auch für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) handelt es sich um einen
Anschlag mit „politischem Hintergrund“. Der Vorfall zeige für ihn, dass
nicht nur die Infrastruktur, sondern auch Rüstungsunternehmen einem
verstärkten Anschlagsrisiko ausgesetzt seien.
„Diese Risiken müssen wir sehr ernst nehmen und darauf gefasst sein, dass
sich so etwas jeden Tag an irgendeinem anderen Ort in Deutschland ebenso
ereignen kann“, sagte Herrmann in Nürnberg. Das alles sei aber nichts
völlig Neues, sondern entspreche auch Befürchtungen und Erwartungen der
jüngeren Vergangenheit.
3 Sep 2026
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(DIR) Dominik Baur
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