# taz.de -- Russisches Haus in Berlin: Mitarbeiter sollen das Land verlassen
       
       > Die Bundesregierung will das Russische Haus in der Friedrichstraße
       > schließen. Doch wie realistisch ist das? Und was soll aus dem Haus
       > werden?
       
 (IMG) Bild: Die Demo zum Tag der ukrainischen Unabhängigkeit führte am 24. August auch am Russischen Haus vorbei
       
       Am Mittwochmorgen ist nicht viel los in der Friedrichstraße 176-179. Ein
       Fotograf hat sein Stativ aufgebaut, ein paar Schaulustige schlendern die
       gläserne Fassade entlang. Fast gespenstisch wirkt die Szenerie vor dem
       Hintergrund, dass die Bundesregierung am Tag davor eine weitreichende
       Entscheidung getroffen hat.
       
       Als Reaktion auf den Fund mehrerer Sprengstoffdrohnen am Flughafen
       Leipzig/Halle soll [1][das Russische Haus in der Friedrichstraße]
       geschlossen werden. Auch das russische Generalkonsulat in Bonn soll
       schließen. Die Bundesregierung macht Russland für den hybriden Angriff
       verantwortlich und hat Russlands Botschafter einbestellt. Anfang August
       hatte das französische Innenministerium die Bundesregierung zudem gewarnt,
       das Russische Haus werde als Tarnung von russischen Geheimdiensten genutzt.
       
       Das mit der Schließung könnte allerdings noch eine Weile dauern. Auf der
       [2][Pressekonferenz am Dienstag hatte Außenminister Johann Wadephul] (CDU)
       lediglich angekündigt: „Der Vertrag über das Russische Haus in Berlin wird
       gekündigt.“ Damit meint er das deutsch-russische Abkommen von 2011. Das
       regelt die „Tätigkeit von Kultur- und Informationszentren“ – also des
       Russischen Hauses und der drei Goethe-Institute in Russland – und kann
       [3][laut Spiegel frühestens am 7. Juni 2027 gekündigt werden].
       
       Ein weiteres Abkommen aus dem Jahr 2013 betrifft die Immobilie. Das 1984
       eröffnete Russische Haus selbst gehört mit seinen 29.000 Quadratmetern
       Nutzfläche der Russischen Föderation. Der Grund und Boden – ein ganzer
       Block zwischen Friedrichstraße, Jäger- und Taubenstraße, auf der das einst
       größte Auslandsinstitut der Sowjetunion stand – gehört der Bundesrepublik
       Deutschland.
       
       Für den Zeitraum von 99 Jahren ist in diesem weiteren Abkommen die Nutzung
       festgeschrieben. Demgegenüber steht allerdings geltendes EU-Recht. Denn der
       Betreiber des Russischen Hauses, die zum russischen Außenministerium
       gehörende Agentur Rossotrudnitschestwo, ist seit Beginn des russischen
       Überfalls auf die Ukraine mit EU-Sanktionen belegt. Unklar war bislang, ob
       eine Schließung auch mit Hinweis auf diese Sanktionen erfolgen könnte.
       
       Nun aber hat sich die [4][Russische Botschaft auf X zu Wort gemeldet].
       „Sämtliche Mitarbeiter des Generalkonsulats und des Russischen Hauses sowie
       ihre Familienangehörigen wurden aufgefordert, das Hoheitsgebiet der
       Bundesrepublik Deutschland in kürzester Zeit zu verlassen“, heißt es in der
       Stellungnahme. Dabei blieb allerdings offen, ob das Auswärtige Amt die
       Mitarbeiter dazu aufgefordert hat oder die Russische Botschaft selbst.
       
       ## Neue Vorschläge liegen bereits vor
       
       Der SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhaus-Wahl Steffen Krach hatte
       am Mittwoch die Ankündigung von Außenminister Wadephul begrüßt. „Das
       Kulturhaus zu schließen, ist überfällig, weil es seinen ursprünglichen
       Zweck schon lange nicht mehr erfüllt, sondern für Propaganda und mutmaßlich
       Spionage missbraucht wird“, sagte Krach der taz.
       
       Krach, der bereits Anfang August die Enteignung des Russischen Hauses
       gefordert hatte, erwartet von der Bundesregierung, „dass dieser Schritt
       jetzt schnell umgesetzt wird, und am besten so, dass der Ort nicht einfach
       leer steht“. So könnte das Gebäude auch für einen anderen Zweck genutzt
       werden. „Ich bin ein Fan der Idee, es für die ukrainische Kultur zu nutzen,
       gerne auch in Verbindung mit anderen Ländern Mittel- und Osteuropas.“
       
       Auch der grüne Spitzenkandidat Werner Graf nennt die geplante Schließung
       des Russischen Hauses eine „gute Nachricht für Berlin als Stadt der
       Freiheit“. Die Bundesregierung und der Senat hätten sich lange genug auf
       der Nase herumtanzen lassen.
       
       Der taz sagte Graf: „Solange Russland Teile der Ukraine besetzt, sollte
       Berlin das Russische Haus besetzen.“ Der Grüne plädiert für ein „Haus der
       Demokratie“, das mit Räumen für demokratische Initiativen zeigen könne,
       „wie eine offene Gesellschaft aussieht“.
       
       ## Haus für Opfer russischer Aggression
       
       Einen deutlich weitergehenden Vorschlag hat vor einiger Zeit der [5][in
       Berlin aktive ukrainische Verein Vitsche] unterbreitet. Auf einer
       Pressekonferenz zum 9. Mai vergangenen Jahres hatte der Verein für die
       Gründung eines „Dekolonialen Hauses“ plädiert. Es sollte all jenen einen
       Platz bieten, „die von der russischen Aggression betroffen sind“. Neben der
       Ukraine waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus Georgien, der Republik
       Moldau und Syrien dabei.
       
       Die Aktivistinnen und Aktivisten von Vitsche machen bereits seit dem
       russischen Überfall auf die Ukraine 2022 gegen das Russische Haus mobil.
       Bei einer Demo im Juni vergangenen Jahres hatte Vitsche die Bundesregierung
       und den Senat aufgefordert, Schritte zur Schließung des Hauses einzuleiten.
       „Wir brauchen einen rechtlichen Präzedenzfall“, [6][hieß es damals in einer
       Erklärung].
       
       „Die Durchsetzung von Sanktionen umfasst das Verbot der Einnahmenerzielung
       und der kommerziellen Nutzung eingefrorener Vermögenswerte.“ Das Gebäude
       sei kein neutraler Ort. „Es ist der Berliner Hauptsitz einer sanktionierten
       staatlichen Agentur unter direkter Kontrolle des russischen
       Außenministeriums.“ Damit erfülle es die Voraussetzungen für eine
       Vermögenssperre und Betriebsschließung nach geltendem EU-Recht.
       
       Allerdings sind bisherige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des
       Verstoßes gegen die Sanktionen eingestellt worden, [7][berichtet das
       Recherchenetzwerk Correktiv]. Ein juristischer Weg zur Schließung sei damit
       bislang nicht umsetzbar gewesen. Das könnte nur eine politische
       Entscheidung – also die nun getroffene Kündigung des Vertrags von 2011.
       Neben der Schließung der Goethe-Institute als Gegenreaktion könnte das auch
       bedeuten, dass das Russische Haus bis 2027 offen bleibt.
       
       Vitsche hat nun eine Anwaltskanzlei mit einem weiteren Gutachten
       beauftragt. [8][Eine rechtliche Stellungnahme kommt auch von der Legal
       Tribune Online]. „Eine Kündigung des Rahmenabkommens von 2011 hätte zur
       Folge, dass die Zustimmung der Bundesrepublik entfällt, dass
       Rossotrudnitschestwo als russisch-hoheitlicher Betreiber auf deutschem
       Hoheitsgebiet tätig werden darf“, heißt es dort. „Die Moskauer
       Regierungsagentur wäre also zumindest völkerrechtlich wohl verpflichtet,
       den Betrieb des Russischen Hauses einzustellen.“ Einen vollstreckbaren
       Verwaltungsakt hätte die Kündigung gleichwohl noch nicht zur Folge.
       
       Schon vor der Ankündigung der Bundesregierung und dem Post der Russischen
       Botschaft hatte das Berliner BSW für Freitag um 18 Uhr eine Kundgebung für
       das Russische Haus geplant. Diese werde nun „erst recht“ stattfinden, sagte
       BSW-Spitzenkandidat Alexander King der taz. „Wahrscheinlich wird sie auch
       etwas größer ausfallen.“
       
       Gleichzeitig ruft Vitsche zum Gegenprotest auf. „Das wird ein performativer
       Protest“, kündigt Vitsche-Sprecherin Vladyslava Vorobiova an. „Wir haben
       Lautsprecherboxen dabei, um das Russische Haus dabei zu unterstützen,
       auszuziehen.“
       
       2 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.russisches-haus.de/
 (DIR) [2] https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2800598-2800598
 (DIR) [3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/berlin-bundesregierung-prueft-strafmassnahmen-gegen-russisches-haus-a-ec8e6a55-9ea2-490d-9822-c7ed12dc7ff7
 (DIR) [4] https://x.com/RusBotschaft/status/2094871055135285533?s=20
 (DIR) [5] https://vitsche.org/de/
 (DIR) [6] https://vitsche.org/de/news/stellungnahme-gegen-den-betrieb-des-russischen-hauses-in-berlin/
 (DIR) [7] https://correctiv.org/hybride-kriegsfuehrung/2026/09/01/das-russische-haus-putins-enklave-in-berlin/
 (DIR) [8] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/russland-bundesregierung-deutschland-hybride-angriffe-leipzig-russisches-haus-konsulat-schliessen
       
       ## AUTOREN
       
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