# taz.de -- Berlin gibt Moskau die Schuld: Eine Antwort und viele offene Fragen
       
       > Reichen die diplomatischen Antworten der Bundesregierung auf Russland
       > aus? Bereits jetzt gibt es Forderungen nach schärferen Maßnahmen.
       
 (IMG) Bild: Bundesaußenminister Wadephul und Bundesinnenminister Dobrindt am Dienstagabend bei der Pressekonferenz zum Drohnenvorfall
       
       Vier Wochen lang nahm die Bundesregierung sich Zeit zum Drohnenvorfall am
       Flughafen Leipzig/Halle zu ermitteln, am Dienstagabend [1][teilten
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul
       dann mit], dass russische Dienste hinter der Attacke stecken. [2][]
       
       [3][Und es bleibt nicht nur bei Worten, sondern auch handfeste Maßnahmen
       sollen die Antwort] auf Russlands Angriff sein. Wie Dobrindt und Wadephul
       verkündeten, soll unter anderem [4][das Russische Haus in Berlin]
       geschlossen werden, ebenso das russische Generalkonsulat in Bonn. Als eine
       der ersten Maßnahmen wurde der russische Botschafter von der
       Bundesregierung einbestellt.
       
       Für den Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter reicht dies nicht aus.
       Eine Reaktion Deutschlands dürfe nicht aus rein diplomatischen und
       symbolischen Maßnahmen bestehen, sagte der CDU-Politiker der taz. „In
       Deutschland wurden Angriffe bislang als eher vereinzelte hybride
       Angriffsszenarien verharmlosend dargestellt, statt die klaren Muster und
       die Systematik zu benennen, die dahinterstehen.“
       
       Kiesewetter plädiert für ein Gesamtlagebild aller Dimensionen hybrider
       Angriffe. Das bedeutet etwa, Drohnensichtungen oder Angriffe, Störungen von
       GPS-Signalen, Wahlmanipulationen oder die Sabotage von kritischer
       Infrastruktur, Cyberangriffe zusammenzudenken und damit auch entsprechende
       Reaktionen vorzubereiten.
       
       Kiesewetter setzt aber vor allem auf mehr Druck auf die Schattenflotte.
       „Deutschland muss unverzüglich, wie andere Länder dies bereits längst tun,
       die russische Schattenflotte stringent überprüfen und die
       Sanktionseinhaltung konsequenter verfolgen.“ Das Aufhalten der
       Schattenflotte sei bereits jetzt rechtssicher möglich. Auf europäischer
       Ebene wird seit geraumer Zeit über weitere Maßnahmen gegen die
       Schattenflotte diskutiert.
       
       ## Solidarität aus den baltischen Ländern
       
       Ohnehin reiht sich für ihn der Anschlag in Leipzig in „eine Zunahme an
       Angriffen Russlands in ganz Europa ein“. Bestätigungen dazu kommen zu
       diesem Aspekt vor allem aus den baltischen Ländern. Dort kommt es seit
       Monaten zu Drohenvorfällen, Cyberangriffe sind an der Tagesordnung. „Der
       Fall bestätigt einmal mehr, dass Russland bereit ist, Attacken mit
       möglichen Opfern auf europäischem Boden und weit jenseits seiner Grenzen
       durchzuführen“, sagte der estnische Außenminister Margus Tshakna.
       
       Der Vorfall sei Teil eines umfassenderen Musters russischer Provokationen,
       die darauf abzielen, den Westen einzuschüchtern und ihn dazu zu zwingen,
       die Unterstützung für die Ukraine zurückzuziehen. [5][Estland werde alle
       Maßnahmen] unterstützen und wäre auch bereit, weitere Schritte zu gehen.
       Litauen und Lettland äußerten sich ähnlich.
       
       ## Soll der Nato-Artikel 4 angerufen werden?
       
       CDU-Sicherheitspolitiker Kiesewetter sieht als einen möglichen nächsten
       Schritt zum Beispiel die Anrufung des Nato-Artikels 4 und damit,
       Konsultationen der Verbündeten einzufordern. „Die Systematik der Angriffe
       richtet sich auch gegen die Nato und soll das Verteidigungsbündnis spalten
       und schwächen.“
       
       Neben Konsultationen und Beratungen könnten damit Abschreckungsmaßnahmen
       besser koordiniert werden und es könnte mehr militärische Übungen an
       strategisch wichtigen Zonen geben. Dazu zählen auch die baltischen Länder
       mit ihren Grenzen zu Russland.
       
       Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, Artikel 4 nicht anzuwenden. An
       diesem Mittwoch werden sich aber der Nato-Rat sowie auch die
       EU-Außenminister mit dem Fall beschäftigen. Wadephul kündigte an, seine
       europäischen Kolleg:innen bei einem Treffen in Irland zu informieren.
       
       Eine mit Sprengstoff und Zündmechanismus präparierte Drohne war am Abend
       des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle zwischen
       ukrainischen Frachtmaschinen [6][entdeckt worden]. Die Bundesanwaltschaft
       nahm schließlich die Ermittlungen auf und sprach von einem „schwerwiegenden
       Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“.
       
       Am Dienstagabend [7][wies die Bundesregierung Russland die Verantwortung
       für den Angriff zu] und berief sich dabei auf Ermittlungserkenntnisse. Der
       russische Präsident Wladimir Putin sprach in einer ersten Reaktion von
       einem „schweren Fehler“ – und kündigte Gegenmaßnahmen an. Es wird davon
       ausgegangen, dass unter anderem Goethe-Institute in Russland geschlossen
       werden könnten oder ebenfalls mit konsularischen Reaktionen geantwortet
       wird. Die Rede ist von sogenannten symmetrischen Maßnahmen.
       
       2 Sep 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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