# taz.de -- Berliner Demo für die Ukraine: Drohnennetz vor dem Brandenburger Tor
> In Berlin ist der Himmel frei, in der Ukraine kommt von dort die
> Todesgefahr. „Wir teilen einen Himmel“ war das Motto der Demo zu ihrem
> Unabhängigkeitstag.
(IMG) Bild: So sieht ein Anti-Drohnen-Netz aus – was in der Ost-Ukraine jeder weiß
Vor einiger Zeit schockierte ein [1][Video aus Cherson] die Öffentlichkeit.
Zu sehen war eine russische Drohne, die einen ukrainischen Gemüsehändler
jagte. Mehrfach umkreiste sie den Mann, dann explodierte sie. Wie durch ein
Wunder überlebte das Opfer.
Um sich vor Drohnen zu schützen, sind in Cherson viele Straßen durch Netze
geschützt. Sie sollen verhindern, dass sogenannte
First-Person-View-Drohnen, die von russischen Piloten ferngesteuert werden,
Fahrzeuge und Menschen angreifen. Nun wurde zum 35. Jahrestag der
Unabhängigkeit der Ukraine ein solches Schutznetz über den Pariser Platz
vor dem Brandenburger Tor gespannt.
„Während der Himmel in Deutschland meist mit Wetter und Alltag verbunden
ist, steht er für die Menschen in der Ukraine für Gefahr“, erklärt der
Verein [2][Vitsche], der die Installation zusammen mit mehreren Partnern
errichtet hat. Das temporäre Schutznetz über dem Pariser Platz
verdeutliche, dass provisorische Schutzmaßnahmen in der Ukraine notwendig
geworden sind, um Menschen vor Angriffen zu schützen.
„Beklemmend“ war wohl das Wort, das am Montag häufigsten zu hören war. Ab
12 Uhr war das Netz gespannt. Immer wieder schauten Touristinnen und
Touristen irritiert auf die Installation. Am Abend traf dann ein
Protestmarsch am Brandenburger Tor ein. Mehrere Tausend Personen waren zum
Unabhängigkeitstag am Potsdamer Platz losgezogen, viele von ihnen
Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Berlin leben.
„Wir teilen einen Himmel“ lautete das Motto des Marsches wie auch der
Installation am Brandenburger Tor. Unter den Teilnehmern des
Protestmarsches war auch Wieland Giebel. Der Leiter des Berlin Story
Verlags hatte im Februar 2023 mit einer Installation vor der russischen
Botschaft Unter den Linden für Aufregung gesorgt. Zusammen mit Enno Lenze
vom Berlin Story Bunker hatte er einen ausgebrannten russischen Panzer aus
Kyjiw nach Berlin gebracht und am Mittelstreifen des Boulevards aufstellen
lassen.
Die Installation von Vitsche am Montag war subtiler. Unterhalb des 3,50
Meter hohen und 45 Meter langen Schutznetzes wurden Geschichten von
Menschen erzählt, die in der Ukraine Drohnenangriffe erlebt haben. Vor dem
Hintergrund des täglichen Terrors und von Szenen einer „Menschensafari“,
wie es in der Ukraine genannt wird, wundert es nicht, dass der Marsch am
35. Jahrestag der Unabhängigkeit kein Feiermarsch war. „Wir feiern erst,
wenn der Krieg vorbei ist“, sagte eine Rednerin bei der Auftaktkundgebung
am Potsdamer Platz.
## Protest am Russischen Haus
Der Protestmarsch führte auch am Russischen Haus in der Friedrichstraße
vorbei. Vitsche forderte erneut die Schließung der Einrichtung, vor der
zuletzt das französische Innenminsterium gewarnt hatte. Unter dem
Deckmantel eines Kulturinstituts werde das Haus als „Tarnung für russische
Geheimdienste“ genutzt. Dass das Russische Haus, dessen Betreiber
Rossotrudnitschestwo von der EU mit Sanktionen belegt wird, noch nicht
geschlossen ist, liegt an zwei Abkommen, die die Bundesrepublik mit
Russland geschlossen hat. Bei einer Schließung, heißt es, drohe auch die
Schließung der drei Goethe-Institute in Russland.
Das wollen die Aktivistinnen von Vitsche nicht gelten lassen. „Angst vor
russischer Vergeltung darf nicht zu deutscher Politik werden“, [3][heißt es
in einer Stellungnahme]. Auch dürfe das Goethe-Institut, das in Russland
ohnehin nur in einem Notbetrieb geöffnet hat, nicht zum „Geiselargument“
werden. Nach einem Bericht des Spiegels prüfe das Auswärtige Amt derzeit,
inwieweit die Verträge mit Russland gekündigt werden können.
Auch die Leiterin des [4][Ukrainischen Instituts] in Berlin, Kateryna
Rietz-Rakul, fordert die Schließung der Einrichtung. „Wir wissen, dass dort
regelmäßig russische Propaganda betrieben wird“, [5][sagte sie dem RBB].
Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter erinnerte daran, dass die neue
Leiterin des Russischen Hauses Xenia Fedorova wegen Desinformation aus
Frankreich ausgewiesen worden ist. Einer der beiden Staatsverträge zu dem
Haus, sagt er, könne im Dezember gekündigt und die Einrichtung geschlossen
werden.
Am Brandenburger Tor war das Schutznetz am Abend ein begehrtes Fotomotiv.
Und es erinnerte daran, wie verschieden die Himmel in Kriegszeiten sein
können. Zumindest einen Tag lang war der Himmel über der Ukraine auch in
Berlin präsent. „Jede abgefangene Rakete oder Drohne bedeutet ein
gerettetes Leben“, sagte Kateryna Mykhalko, die Initiatorin des Projekts.
25 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/video/morgenmagazin/cherson-menschenjagd-mit-drohnen/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtMGI4NzQ4ZWEtODRkZC00YTZkLWJjYTYtYTI4YWQ2MzczMjNh
(DIR) [2] https://vitsche.org/de/
(DIR) [3] https://www.instagram.com/close_russian_house/p/DcavK4CiDs4/?img_index=9
(DIR) [4] https://de.ui.org.ua/
(DIR) [5] https://www.radioeins.de/programm/sendungen/der_schoene_morgen/_/roderich-kiesewetter-russisches-haus-berlin.html
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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