# taz.de -- Russisches Haus und Goethe-Institut: Putins Propagandaspiele
> Das Goethe-Institut in Moskau soll schließen. Es war so ziemlich das
> letzte seiner Art. Menschenrechtlerin Irina Scherbakowa über Kultur und
> den Krieg.
(IMG) Bild: Irina Scherbakowa ist Historikerin, Publizistin und Mitbegründerin der in Russland verbotenen Organisation Memorial
Endlich, seufzt Irina Scherbakowa. Sie ist Mitbegründerin der
Menschenrechtsorganisation Memorial. Nach dem Beginn des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sie Moskau und ihre
Heimat verlassen. Heute lebt die Germanistin und Historikerin im Berliner
Exil.
Für sie kommt die von der Bundesregierung nun angekündigte Schließung des
Russischen Hauses in Berlin als Reaktion auf die jüngsten
staatsterroristischen Angriffe Russlands auf Ziele in Deutschland viel zu
spät. „Man kann nicht in einer Situation“, so Scherbakowa, „in der die
Russische Föderation ukrainische Kulturinstitutionen und die ganze Ukraine
als Nation auslöschen will, dies ignorieren und so weitermachen wie
bisher.“
Das Russische Haus in Berlin veranstaltet laut eigener Darstellung Malkurse
und beherbergt in seiner Bibliothek auch rund 25.000 gedruckte Ausgaben
russischsprachiger Literatur, darunter viele Klassiker. So weit, so hamlos.
Doch was will man mit einer dortigen „Puschkin-Bibliothek“ in Zeiten, in
denen die verstorbenen russischen Literaten zur nationalistischen
Rechtfertigung eines Angriffskriegs missbraucht werden, fragt Scherbakowa.
Und die meisten namhaften zeitgenössischen Autorinnen und Wissenschaftler
selbst ins Exil gehen mussten, in russischen Straflagern sitzen, mit
Verbannung oder Berufsverboten belegt sind.
## Putins Zensurstaat
Nachdem Putins Regierung bereits fast sämtliche inländische, demokratisch
orientierte Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und westliche
Kulturinstitute zu feindlichen Agenten erklärt hat, soll laut der
staatlichen Ankündigung jetzt auch das bereits geschrumpfte Goethe-Institut
in Russland schließen.
[1][Das weltweit tätige deutsche Kulturinstitut] war zuletzt noch mit 15
Mitarbeitenden an den Standorten in Moskau und St. Petersburg präsent, die
Außenstelle in Nowosibirsk bereits stillgelegt. Laut dem Goethe-Institut
waren Bibliotheken sowie Sprachkurse zuletzt weiterhin von Tausenden
nachgefragt.
Auch Scherbakowa schmerzt die nun von der russischen Regierung angekündigte
Schließung, für die verbliebenen Menschen im Land. Sie selbst hatte einst
zusammen mit Memorial und dem Goethe-Institut eine große Ausstellung über
die Schaupielerin Carola Neher organisiert, die unter [2][Stalins
Herrschaft in der Sowjetunion] ermordet wurde. Aber sie sieht keine
Alternative.
Angesichts der fortgesetzten russischen Aggression [3][sei ein geöffnetes
Russisches Haus in Berlin] ein Anachronismus. „Auch wenn Parteien wie AfD
und BSW die Logik umkehren wollen“, so Scherbakowa, „die Ukraine braucht in
ihrem Abwehrkampf unsere volle Unterstützung.“
3 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Fanizadeh
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