# taz.de -- Russlands Machenschaften in der EU: Tanker, Drohnen, Sprengstoffanschläge
       
       > Der Kreml gibt offen zu, dass er Länder, die die Ukraine unterstützen, im
       > Visier hat. Nun will Deutschland bislang nicht genutzte Maßnahmen
       > anwenden.
       
 (IMG) Bild: Sergej Lawrow (Mitte) sagte kürzlich: „Wir werden alles zerstören, was die Kriegsmaschinerie Kiews vom Westen aus antreibt“
       
       Der [1][Drohnenvorfall in Leipzig] reiht sich ein in eine Kette russischer
       Angriffe auf Rüstungsfirmen: Allein in den letzten sechs Monaten wurden in
       vier EU-Ländern Angriffe auf Rüstungsfabriken bekannt. Russland macht
       keinen Hehl daraus, solche Attacken durchzuführen: „Wir werden alles
       zerstören, was die Kriegsmaschinerie Kiews vom Westen aus antreibt. Das tun
       wir bereits, und sie fangen schon an zu stöhnen“, sagte kürzlich der
       russische Außenminister Sergej Lawrow.
       
       Vorige Woche wurde im slowakischen Prešov ein Brandanschlag auf die Fabrik
       von Skyeton durch die Sondereinheit UBOK vereitelt. Mit Polystyrol
       verdickter Treibstoff, Werkzeug, Action-Cams und Handys sowie eine
       handgemalte Karte des Geländes wurden beschlagnahmt, drei Männer
       festgenommen – einer davon in Deutschland. In der slowakischen Fabrik
       stellt das ukrainische Unternehmen die Aufklärungsdrohne Raybird her.
       
       Ebenfalls im August kam es zu einer Explosion in der Munitionsfabrik Emco
       im bulgarischen Beliza. Eigentümer Emilian Gebrev sollte schon 2015
       vergiftet werden. Sofia erließ auch Haftbefehle gegen sechs russische
       Staatsbürger nach einer Serie von Waffenlager-Explosionen zwischen 2011 und
       2020. Ebenfalls im August kam es zu einem Brand in der Sprengstoffabteilung
       von KNDS Ammo Italy in Collefero bei Rom. In der zum deutsch-französischen
       Rüstungskonzern KNDS gehörenden Fabrik werden 155-Millimeter-Granaten für
       die Ukraine hergestellt.
       
       Zuvor zündeten Brandstifter ein Werk im tschechischen Pardubice an, das dem
       ukrainischen Hersteller von Wärmebildgeräten Archer-LPP gehört. In Lettland
       wurden drei Personen im Zusammenhang mit einem Brandanschlag auf ein
       Gebäude der estnischen Firma Milrem Robotics festgenommen, die unbemannte
       Bodenfahrzeuge an die Ukraine liefert.
       
       ## Mord ist ihr Hobby
       
       Mitte August machte der deutsche Rüstungsunternehmer Stefan Thumann in
       einem Fernsehinterview öffentlich, dass er ermordet werden solle. Der
       Gründer und Chef des bayerischen Rüstungs-Start-ups Donaustahl GmbH, das
       Aufklärungs- und Kamikazedrohnen an die Ukraine liefert, sagte: „Ich
       liefere mir mit dem russischen Militärgeheimdienst ein Duell um mein
       Leben!“ Im März wurden die Rumänin Alla S. und der Ukrainer Sergej N.
       festgenommen, die im Auftrag eines russischen Geheimdienstes Thumanns
       Wohnsitz ausgespäht haben sollen.
       
       Gegen Armin Papperger, den Chef der größten deutschen Rüstungsschmiede
       Rheinmetall, waren bereits 2024 russische Mordpläne aufgedeckt worden. Er
       bewegt sich seither nur noch mit Personenschutz.
       
       Kontrolle der russischen Schattenflotte 
       
       Finnland und Schweden erschweren Russland die Passage von dessen
       Schattenflotte durch die Ostsee bereits – nun soll auch Deutschland folgen.
       Seit Schweden intensiv russische Tanker kontrolliert, meiden Schiffe, die
       für Russland Rohöl oder Ölprodukte produzieren, schwedisches Hoheitsgebiet
       und verlagern ihre Route durch Gewässer der deutschen Wirtschaftszone.
       
       Dort könnte die Bundesmarine künftig die Tanker stoppen und kontrollieren –
       und sie mitsamt ihrer Fracht konfiszieren, wenn die Tanker illegal mit
       Flaggen ausländischer Staaten versehen wurden, nicht versichert sind oder
       schlicht wegen ihres Alters und Zustands eine Gefahr für die maritime
       Sicherheit darstellen. Die USA haben dies im Pazifik bereits gemacht und
       sogar das geladene russische Öl verkauft. In anderen Fällen musste Russland
       Millionen-Sicherheitszahlungen vor einer Weiterfahrt hinterlegen.
       
       Die EU hat 640 Tanker der russischen Schattenflotte auf Sanktionslisten
       verzeichnet, die nicht in europäische Häfen einlaufen dürfen und für die
       europäische Firmen keine Dienstleistungen erbringen dürfen. Insgesamt soll
       die Zahl der Schiffe der russischen Schattenflotte mehr als 1.000 betragen.
       
       Schließung des „Russischen Hauses“ 
       
       Das Kulturabkommen zwischen Deutschland und Russland sieht den Unterhalt
       des „Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur“ in der Berliner
       Friedrichstraße vor. Deutschland zahlt sogar die Grundsteuer dafür.
       Parallel darf die Bundesrepublik dafür Goethe-Institute in Russland
       betreiben. Nun soll der Vertrag mit dem Haus gekündigt werden, wie
       Außenminister Wadepuhl am Dienstagabend angekündigt hat.
       
       Offiziell ist das „Russische Haus“ ein Kulturzentrum unter Leitung von
       Rossotrudnitschestwo, einer Agentur des russischen Außenministeriums, die
       seit 2022 EU-Sanktionen unterliegt und kein Geld einnehmen darf. Allerdings
       ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen Verstoßes
       gegen das Außenwirtschaftsgesetz, da das Haus weiterhin Mieten von rund 115
       dort lebenden Menschen einziehen soll.
       
       Das französische Innenministerium erklärte Anfang August in einer
       Ausweisungsverfügung gegen die ehemalige „RT France“-Chefin Xenija
       Fedorowa, das Russische Haus werde „von den russischen Geheimdiensten als
       Tarnung genutzt“. Der Stromverbrauch im direkt an das deutsche
       Digitalministerium angrenzenden Gebäude ist so hoch, dass der
       CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter davon ausgeht, dass dort in
       großem Umfang Abhör- und Überwachungstechnik eingesetzt werde.
       
       Ausweisung von russischen Diplomaten 
       
       Deutschland könnte weitere russische Diplomatinnen und Diplomaten
       ausweisen, denen vorgeworfen wird, Spionage für Moskau zu betreiben. Der
       russische Botschafter sei, laut Außenminister Wadepuhl, bereits einbestellt
       worden, nun soll sogar das russische Generalkonsulat geschlossen werden.
       Seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine im Februar 2022 sollen nach
       Angaben des Auswärtigen Amts etwa 80 Personen sowie nach einer Anfrage beim
       Bundesinnenministerium weitere 313 russische Staatsbürger aus Deutschland
       ausgewiesen worden sein.
       
       1 Sep 2026
       
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