# taz.de -- Anschläge in NRW und Brandenburg: Angriff auf das Stromnetz vor den Wahlen
> Die Angriffe auf zwei Kraftwerke in Deutschland liefen wohl nach dem
> gleichen Muster ab. Das spricht gegen die „Vulkangruppe“ und für
> staatliche Auftraggeber.
(IMG) Bild: Gleiche Muster, unterschiedliche Orte: Vulkangruppe oder staatliche Akteure?
Während die Bundesregierung noch mit einer Reaktion auf den Drohnenangriff
am Leipziger Flughafen beschäftigt war, kam es am Dienstag zu zwei weiteren
Angriffen auf deutsche Infrastruktur. Die Anschläge trafen zwei Kraftwerke:
eines im brandenburgischen Jänschwalde, eines Bergheim-Rheidt nahe Köln.
Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um gezielte Terrortaten handelt,
[1][anders als in Leipzig gibt es bislang aber keine klaren
Schuldzuweisungen gen Russland.]
In Jänschwalde im Südosten Brandenburgs setzten die unbekannten Angreifer
am Dienstag früh offenbar rund 20 selbstgebaute Raketen ein. Nur eine davon
hob wohl tatsächlich ab und flog in ein Umspannwerk, das zum Kraftwerk
Jänschwalde gehört. Ein Block des Kraftwerks fiel aus, größere Schäden gab
es aber nicht, die Stromversorgung der Region blieb stabil. Brandenburgs
Innenminister Jan Redmann (CDU) sagte, man habe „verdammtes Glück gehabt“.
Fotos im Netz sollen eine der Raketen zeigen, sie erinnert an einen
Feuerwerkskörper. Zu sehen ist auch ein langes Kabel, das die Rakete
offenbar in die Stromleitung tragen sollte, um so einen Kurzschluss zu
verursachen. Laut den Behörden seien für den Anschlagsversuch erhebliches
technisches Know-how sowie mehrtägige Vorbereitungen am Tatort nötig
gewesen.
## Weiterer Angriff in NRW
Der Anschlag auf das Kraftwerk im nordrhein-westfälischen Bergheim-Rheidt
nahe Köln wurde in der Nacht auf Mittwoch bekannt und lief offenbar ganz
ähnlich ab wie in Brandenburg. Hier versuchten Unbekannte ebenfalls einen
Kurzschluss in einem Umspannwerk herzustellen und hatten dabei wenig
Erfolg. Erneut wurden Raketen verwendet, die auch zum Ausfall mehrerer
Kraftwerkblöcke führten. Die Stromversorgung blieb aber unbeeinträchtigt.
Wie in Brandenburg gehen die Behörden auch in NRW von einer gezielten
Aktion aus, ohne dass es bislang konkrete Hinweise darauf gebe, wer die
Täter sind und welche Motive sie hatten. Landesinnenminister Herbert Reul
(CDU) sagte: „Wer da rangeht, greift unser Land an.“ Für mögliche Täter
hält er linksradikale Gruppen oder ausländische Geheimdienste.
Für einen linksradikalen Hintergrund spricht bislang aber wenig. Zwar soll
die sogenannte „Vulkangruppe“ in der Vergangenheit mehrmals Anschläge auf
Infrastruktur wie Bahnstrecken und oder das Stromnetz begangen haben. Dabei
veröffentlichten die mutmaßlichen Linksradikalen anschließend allerdings
stets ein Bekennerschreiben – dies gibt es bisher weder zu Jänschwalde noch
zu Bergheim-Rheidt. Außerdem waren die Aktionen der Vulkangruppe auf den
Raum Berlin-Brandenburg beschränkt. Dass die Splittergruppe jetzt plötzlich
hochkomplexe und mutmaßlich aufeinander abgestimmte Anschläge in mehreren
Bundesländern ausführen kann, scheint eher unwahrscheinlich.
## Wer dahinterstecken könnte
Stichhaltiger scheint die These, dass ein ausländischer Geheimdienst hinter
den Attacken steckt und so versucht, das deutsche politische System und die
Gesellschaft zu verunsichern. Der CDU-Innenexperte Alexander Throm zog am
Mittwoch eine direkte Verbindung zwischen den Anschlägen und den
anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und
Berlin. „Es ist extrem auffällig, dass jetzt wieder eine Häufung dieser
Anschläge und Vorkommnisse unmittelbar im Vorfeld von Wahlen stattfindet“,
sagte Throm. Er sei überzeugt: „Es ist ganz klar das Ziel, die Bevölkerung
zu verunsichern.“
Obwohl weder Throm noch andere Politiker*innen oder Sprecher der
Sicherheitsbehörden bislang das Wort „Russland“ ausgesprochen haben, liegt
der Verdacht doch nahe. Für Auftraggeber im Kreml spricht etwa die
zeitliche Nähe zur Pressekonferenz, in der Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) und Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Russland
offiziell beschuldigten, hinter der Drohnenattacke von Leipzig Anfang
August zu stecken. Erste Berichte, nach denen die Bundesregierung
öffentlich Russland der Tat bezichtige, hatte es am Wochenende gegeben.
Unabhängig von der Täterschaft verdeutlichen die Angriffe von Dienstag
einmal mehr, wie verwundbar die deutsche Infrastruktur ist. Der Verband
kommunaler Unternehmen (VKU) forderte die Politik am Mittwoch zum Handeln
auf: „Es kann uns jederzeit an jedem Ort treffen, weil es trotz aller
Vorkehrungen, die wir in den Unternehmen bereits leisten und intensivieren
müssen, keine hundert Prozent Sicherheit gibt“, sagte
[2][VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing]. „Sicherheit ist originäre
Aufgabe des Staates, und die aktive Abwehr von Anschlägen damit Aufgabe der
Polizei und Geheimdienste, nicht der Unternehmen.“
2 Sep 2026
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