# taz.de -- Kabinettsklausur zum Wachstum: Falsche Prioritäten
> Die deutsche Wirtschaft ist stabil, auch wenn sie wenig wächst. Mit dem
> Kurs der Bundesregierung wird der erhoffte Aufschwung nicht kommen.
(IMG) Bild: Hier ist alles super: Der Kanzler und sein Kabinett strahlen bei der Klausurtagung im Schloss Neuhardenberg um die Wette
Die deutsche Wirtschaft ist sehr viel widerstandsfähiger, als manche
Lobbyist:innen der Industrie glauben machen wollen. Klar, wird die Lage
systematisch schlecht geredet, dann lassen sich Kürzungen für Beschäftigte
und Geschenke für Unternehmen besser durchsetzen. Aber: Trotz widriger
Umstände wie dem Irankrieg, hoher Energiepreise und der erratischen
US-Zollpolitik ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt das dritte Quartal in
Folge gestiegen, zwischen April und Juni mit 0,3 Prozent etwas mehr als
erwartet.
Manchen mag das als sehr wenig erscheinen. Aber es ist ein Indiz für die
nach wie vor große Resilienz der hiesigen Unternehmen. Die Gewinne in
etlichen Branchen sind weiterhin hoch. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
hat völlig recht, wenn er zu Beginn [1][der Kabinettsklausur] auch auf die
Stärke der deutschen Wirtschaft hinweist.
Das heißt nicht, dass es keine Probleme gibt. Die hat die deutsche
Wirtschaft allerdings nicht exklusiv. Auch andere Länder leiden unter
US-Präsident Donald Trump, China und Überkapazitäten in Branchen wie der
Autoindustrie. Starke Exportzahlen zeigen die internationale
Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. So schlecht wie
Wirtschaftslobbyist:innen sie reden, können die Standortbedingungen
hierzulande nicht sein.
Trotzdem muss die Politik auf die Herausforderungen reagieren, die die
Weltlage, [2][künstliche Intelligenz] und die Umstellung auf
Klimaneutralität darstellen. Nur: Die Bundesregierung setzt die falschen
Prioritäten. Drastische Kürzungen in den Sozialsystemen, rigide
Mittelstreichungen in staatlichen Programmen und Steuergeschenke für
Unternehmen werden den gewünschten Aufschwung nicht bringen.
Es ist bezeichnend, dass zur Kabinettsklausur nur Vertreter:innen von
Unternehmen eingeladen wurden – keine von Gewerkschaften. Merz und Co
wollen gar nicht hören, was deren Rat wäre: Deutliche Entlastung für
Bürger:innen, um die Konjunktur anzukurbeln, und [3][mehr Engagement der
Regierung für den sozial-ökologischen Umbau].
25 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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