# taz.de -- Wohnungspolitik von Bauexperten: Offene Gesellschaft und bezahlbare Mieten
> Der Verband der Baustoffhändler fordert aktivere Baupolitik der
> Bundesregierung. Und erklärt ihr nebenbei, warum Migration und günstige
> Mieten wichtig sind.
(IMG) Bild: Sicherer und bezahlbarer Wohnraum ist die Grundlage einer offenen Gesellschaft
Wenn Friedrich Merz eins kann, dann der Wirtschaft Vorrang geben. Und auf
Platz 2 seiner Jetzt-aber-mal-to-do-Liste dann noch das Wachstum setzen.
Weil ohne läufts nicht. Glaubt der Kanzler. Wie gut, dass nun parallel zur
[1][Selbstbeweihräucherung der Koalition in Neuhardenberg] mal jemand dem
Kanzler erklärt, was er denn machen könnte, um die Wirtschaft in Schwung
bringen. Zwei Dinge: Mehr bezahlbare Wohnungen bauen! Und: Mehr
Migrant:innen ins Land holen!
Das Überraschende dabei ist nicht mal, dass das eine mit dem anderen
zusammenhängt – sondern von wem es kommt. Denn [2][die passende Studie hat
der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel vorgelegt]. Und der ist
nicht gerade verdächtig für linke Spinnereien in Wohnungs- und
Migrationspolitik. Ganz im Gegenteil kann man der Branchenlobby eine
gewisse Wirtschaftskompetenz zusprechen. Somit besteht die Hoffnung, dass
vielleicht sogar ein Kanzler mal zuhört.
Denn bei dem vom Verband [3][vorgelegten „Baumonitor 2026“] handelt es sich
nicht um die erwartbare Selbstdarstellung einer wichtigen Branche.
Stattdessen liefert er in einem schlüssigen Dreisatz die scharfe Analyse,
warum Wohnungsbau quasi die Grundlage allen Seins ist. Wirtschaft, heißt es
da, kann nur dann boomen, wenn die Menschen genug arbeiten. Das predigt ja
auch Merz immer wieder gern.
Anders als der Kanzler kommt die Studie aber zu dem Schluss, dass die
Erwerbsfähigen – gerade im höheren Alter – nicht nur längst viel mehr
schuften als früher, sondern dass diese Zitrone nahezu ausgepresst ist.
Mehrarbeit kann also nur durch mehr Arbeiter:innen erledigt werden. Und
da Deutsche kaum noch nachwachsen, bleibt nur mehr Migration ins Land. Da
die neuen Mitbürger:innen aber auch ein Dach überm Kopf brauchen,
müssen neue und vor allem günstige Wohnungen her.
Anders gesagt: Eine offene Gesellschaft mit bezahlbaren Mieten müsste nicht
nur das Ziel, sondern sogar der Ausgangspunkt für alle Wirtschaftsfans
sein. Fragt sich nur, ob der Kanzler das auch versteht.
26 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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