# taz.de -- Ford-Streik von 1968: Von der Nähmaschine ins Parlament
> 187 Näherinnen legten in ihrem Streik die Produktion von Ford lahm. Damit
> kämpften sie gegen die Diskriminierung aller Frauen in Großbritannien.
(IMG) Bild: Mit ihrem Streik haben die Näherinnen nicht nur ihre eigenen Arbeitsbedingungen verbessert
Statt an die Arbeit zu gehen, stiegen 187 Arbeiterinnen am 7. Juni 1968 aus
dem Ford-Werk im Londoner Vorort Dagenham in den Bus nach Westminster, zum
Londoner Regierungsbezirk. „We want recognition for our skill“ steht auf
einem der Banner, mit dem sie sich in Stellung bringen, in Wollmänteln und
gegen den britischen Wind mit durch Haarspray festgemörtelten
Sixtys-Tollen, Entschlossenheit im Gesicht.
Denn diese Frauen der sogenannten „Petticoat Revolte“ waren empört: Ihr
Arbeitgeber, der Autohersteller Ford, hatte die Lohnstruktur reformiert.
Die Tätigkeit der Frauen, die Sitzbezüge für die am Standort Dagenham
produzierten Autos fertigten, war in die Kategorie „ungelernte Tätigkeit“
herabgestuft worden. Sie verdienten somit 15 Prozent [1][weniger als ihre
gleich qualifizierten männlichen Kollegen], abgesegnet von den
Gewerkschaften.
Der Protest der Näherinnen brachte in Großbritanniens Politik etwas ins
Rollen. Nur zwei Jahre später, im Jahr 1970, wurde im Parlament der Equal
Pay Act verabschiedet. Das Gesetz schrieb in Großbritannien fortan vor, was
schon immer selbstverständlich hätte sein sollen: gleiche Bezahlung für
Männer und Frauen bei gleicher Qualifikation.
Erst einmal ernteten die Frauen Spott. Sie verdienten doch eh nur ein
Taschengeld, mussten sie sich anhören. „We want sex“ ist auch der deutsche
Titel des Films, der die Ereignisse vom Juni 1968 auf die Leinwand brachte,
und der 2011 in deutschen Kinos lief. Ein nicht komplett ausgerolltes
Plakat mit der Aufschrift „We Want Sex Equality“ sorgte für anzügliche
Sprüche. „Männer lehnten sich aus ihren Taxis und riefen: ‚Wir kommen dann
um sechs‘“, erinnert sich Eileen Pullen, eine der streikenden Näherinnen,
rund 45 Jahre später gegenüber dem Guardian.
## Die Frauen stoppten die Fließbänder
Mit dem großspurigen Lachen sollte es bald vorbei sein. Denn ohne
Sitzbezüge keine verkauften Autos. Die Produktion der damals sehr beliebten
Modelle Ford Cortina und Anglia kam zum Stillstand, nach zwei Wochen Streik
waren 9.000 Arbeiter in betriebsbedingte Kurzarbeit geraten, die
Fließbänder wurden gestoppt.
Barbara Castle, die damalige Arbeitsministerin der Labour Partei,
unterstütze die [2][Ford-Frauen in ihrem Arbeitskampf]. Es gelang ihr,
einen Kompromiss auszuhandeln: eine Lohnerhöhung von immerhin 8 Prozent.
Für die Anerkennung ihrer Qualifikation brauchte es noch weitere 16 Jahre –
und einen erneuten Streik.
Trotzdem war der Näherinnenstreik von 1968 ein Wendepunkt für die
feministische Bewegung in Großbritannien – und weltweit. Denn nach den USA,
die ihren Equal Pay Act 1963 verabschiedeten, war das Vereinigte Königreich
das zweite Land mit einer solchen Gesetzgebung.
Deutschland ließ sich mit dem Gesetz zur Gleichbehandlung am Arbeitsplatz
noch bis 1980 Zeit, die [3][EU-Entgelttransparenzrichtlinie] setzt die
Bundesregierung bis heute nicht um. Derzeit liegt der Gender Pay Gap in
Deutschland bei 15,6 Prozent – und das Land damit auf Platz 22 von 28
Mitgliedsstaaten der EU.
9 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dunja Batarilo
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