# taz.de -- Informatik-Pionierin Mary Kenneth Keller: Programmieren im Auftrag des Herrn
       
       > Eine Ordensschwester erkannte bereits in den 1940ern das disruptive
       > Potential von PCs. Und begründete den ersten Informatiklehrstuhl aller
       > Zeiten mit.
       
 (IMG) Bild: Mary Kenneth Keller bei der Verleihung ihres Doktors in Computerwissenschaften am 8. Juni 1965
       
       Wenn Technik weit genug fortgeschritten ist, lässt sie sich nicht mehr von
       Zauberei unterscheiden. Das hat, sinngemäß, der
       [1][Science-Fiction-Schriftsteller Arthur C. Clarke] gesagt. Und es ist so
       ein Satz, an den sich Menschen gerne dann erinnern, wenn gerade wieder eine
       besonders verblüffende Technologie den Alltag verändert: Wie, wenn nicht
       magisch, muss denn etwa drahtloses Hochgeschwindigkeitsinternet auf
       jemanden wirken, der vielleicht noch gar nicht lange elektrischen Strom
       nutzen kann?
       
       Was fasziniert dann aber, ausgerechnet, eine katholische Ordensschwester an
       so einer Innovation? So sehr, dass diese gottesgläubige Frau es dann sogar
       zur ersten Professur bringt für ein noch Formen annehmendes Fach wie
       „Computer Science“, also Informatik?
       
       ## Ordensfrau mit Wissensdurst
       
       Geboren 1913 im US-amerikanischen Mittelwesten, fand Evelyn Marie Keller
       mit 19 Jahren zum Glauben und trat den Sisters of Charity of the Blessed
       Virgin Mary bei, einem ungewöhnlich aufgeschlossenen, bildungsaffinen
       Orden. 1940 legte sie die Gelübde ab und wurde endgültig zu [2][Schwester
       Mary Kenneth Keller] – nach der Gottesmutter Maria hießen sie dort alle.
       
       Anders als seine Eltern hatte das zweite von vier Kindern die High School
       besucht und danach das College. 1943 erwarb Sister Mary Kenneth einen
       Master of Science in Mathematik, nochmal zehn Jahre später einen Abschluss
       in Physik.
       
       Sie sei „einfach losgegangen, um mir einen Computer anzusehen“ – und nie
       wieder zurückgekommen: So hat Sister Mary Kenneth es später beschrieben. In
       Kontakt kam sie mit den damals längst noch nicht in jedem Haushalt, gar
       jeder Hosentasche zu findenden, klobigen Geräten bei einem Sommer-Workshop
       für „Computer Education“ am Dartmouth College; das nahm damals noch gar
       keine Studentinnen auf, eigentlich.
       
       ## Sie erkannte das disruptive Potential
       
       Noch ein Satz ist überliefert: Es habe für sie so ausgesehen, als wäre der
       Computer „das revolutionärste Werkzeug, das mir für die Mathematik zur
       Verfügung stehen“ werde. Und damit meinte die langjährige Schullehrerin
       „revolutionär“ auch für die Vermittlung von Wissen: An der heutigen Clarke
       University gründete sie den Informatik-Lehrstuhl mit und ermutigte Frauen,
       dort zu studieren – und die Geräte programmieren zu lernen, die absehbar so
       vieles verändern würden.
       
       War Sister Mary Kenneth nun an der [3][Entwicklung der Pogrammiersprache
       Basic] beteiligt – was deren „Vater“ Thomas E. Kurtz verneint hat? Oder
       einfach nur sehr wichtig für die Popularisierung?
       
       Unbestritten ist: 1965 wurden in den USA die ersten beiden Doktortitel in
       „Computer Science“ verliehen. Einen erhielt, an der Universität von
       Wisconsin, eben, Sister Mary Kenneth. Ihre Vorreiterinnenrolle muss sie
       sich teilen mit einem Mann, wortwörtlich am selben Tag promoviert in St.
       Louis. Erinnert sich an den auch noch wer?
       
       12 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!852590/
 (DIR) [2] https://www.domradio.de/artikel/erste-promovierte-informatikerin-der-usa-war-eine-katholische-nonne
 (DIR) [3] https://www.heise.de/news/50-Jahre-BASIC-die-Allzweck-Programmiersprache-fuer-Anfaenger-feiert-Jubilaeum-2178897.html
       
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 (DIR) Alexander Diehl
       
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