# taz.de -- Gender Pay Gap: Deutschland bricht bei Entgelttransparenz EU-Recht
       
       > Alle sollen für gleiche Arbeit das gleiche Gehalt bekommen. Dabei sollen
       > neue EU-Regeln helfen, aber Deutschland setzt sie noch nicht um.
       
 (IMG) Bild: Von Equal Pay ist Deutschland noch ziemlich weit weg
       
       dpa | Deutschland hat neue Regeln zur Lohntransparenz nicht umgesetzt und
       verstößt damit von diesem Montag an gegen EU-Recht. An diesem Sonntag läuft
       eine Frist ab, bis zu der die EU-Staaten Zeit hatten, ihr nationales Recht
       anzupassen. Das Bundesfamilienministerium hatte jüngst mitgeteilt, das
       deutsche Recht solle erst in den kommenden Monaten bis Anfang 2027
       angepasst werden.
       
       Die EU-Kommission muss nun entscheiden, ob sie ein Strafverfahren gegen
       Deutschland einleitet. Sollte das Recht in den nächsten Monaten wirklich
       angepasst werden, könnte sie auch davon absehen.
       
       ## Das soll sich ändern
       
       Frauen verdienen bisher im Durchschnitt weniger als Männer. In Deutschland
       ist ihr Bruttostundenlohn laut Eurostat-Zahlen von 2024 (jüngste verfügbare
       Daten) im Durchschnitt 15,6 Prozent niedriger. EU-weit liegt der
       Unterschied bei 11,1 Prozent.
       
       Damit sich das ändert, sollen Beschäftigte unter anderem Auskunft darüber
       verlangen können, [1][wie hoch das durchschnittliche Entgelt für
       vergleichbare Tätigkeiten ist, aufgeschlüsselt nach Geschlecht.] Auch
       müssen Arbeitgeber ab 100 Beschäftigten künftig regelmäßig zur Entgeltlücke
       zwischen Frauen und Männern Bericht erstatten. Arbeitgeber müssen zudem
       Bewerberinnen und Bewerber frühzeitig über Einstiegsentgelte informieren
       und dürfen nicht nach dem bisherigen Gehalt fragen.
       
       Die Richtlinie zur Entgelttransparenz war 2023 von den EU-Staaten und dem
       Europaparlament beschlossen worden. Die damalige deutsche Bundesregierung
       aus SPD, Grünen und FDP hatte sich bei der Abstimmung im Rat der EU-Staaten
       enthalten. Seitdem stand der 7. Juni 2026 als Frist für die Umsetzung fest.
       
       ## Deutschland will Veränderungen
       
       Familienministerin Karin Prien (CDU) sagte in einem am Freitag
       veröffentlichten „Politico“-Podcast, Deutschland sei „auch mit anderen
       europäischen Partnerländern“ im Gespräch, um noch Veränderungen bei
       Umsetzungsfristen und Inhalten zu erreichen. „Aber am Ende des Tages werden
       wir wahrscheinlich um eine bürokratiearme Umsetzung jedenfalls nicht
       umhinkommen.“ Entgeltgleichheit müsse aber weiter politisches Ziel sein,
       sagte Prien.
       
       Eine Sprecherin des Ministeriums hatte vor Kurzem mitgeteilt, die
       Richtlinie solle „aufs Notwendige beschränkt, möglichst bürokratiearm und
       wirksam“ umgesetzt werden. Als Grund für die Verzögerung nannte sie die
       wirtschaftliche Lage. Berichtspflicht und Auskunftsanspruch sollen demnach
       erstmals zum Juni 2028 fällig werden. Zuvor hatte die Zeit über die
       Verzögerung berichtet.
       
       ## Viele Frauen verdienen weniger
       
       Hintergrund für die Lohnunterschiede sind nach Angaben der EU-Kommission
       [2][systematische Ungleichgewichte] – etwa, dass die Angebote für
       Kinderbetreuung nicht ausreichend seien und Frauen unverhältnismäßig viel
       Verantwortung für die unbezahlte Kinderbetreuung tragen. Frauen legten
       deshalb längere Karrierepausen ein. Ein weiterer Grund seien Stereotype,
       die sich auf Bildung, Einstellung und Beförderung auswirken.
       
       Deutschland hat seit 2017 ein eigenes Entgelttransparenzgesetz, das nun
       angepasst wird. Es erlaubt etwa Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern,
       Auskunft darüber zu verlangen, was andere Beschäftigte mit ähnlicher Arbeit
       in ihrer Firma verdienen. Ein Regierungsgutachten ergab 2023 aber, dass die
       Regelung kaum genutzt werde, unter anderem, weil Betroffene befürchteten,
       so ein Auskunftsersuchen könne von ihren Vorgesetzten negativ bewertet
       werden.
       
       7 Jun 2026
       
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