# taz.de -- Benefizkonzert nach CSD-Anschlag: Baran Kok, Ikkimel und Grönemeyer twerken für Solidarität
       
       > Nach dem Angriff auf den CSD wird die Berliner Columbiahalle zum Ort
       > queerer Wut auf Rechtsextreme, LGBTQIA*-Feindlichkeit und Friedrich Merz.
       
 (IMG) Bild: Vor ausverkauftem Haus spielen 16 Künstler*innen im Konzert „Fresse auf für queere Freiheit“
       
       Zwischen sechs Polizeiwagen und einigen Sicherheitspollern versammeln sich
       schon Stunden vor Konzertbeginn Hunderte vor der Columbiahalle. Teenager in
       Antifa-Shirts suchen mit Pappschildern nach Tickets – sie werden keines
       mehr finden. Bereits wenige Stunden nach Verkaufsstart waren die Tickets
       für das Solikonzert in der Columbiahalle vergriffen.
       
       16 Künstler*innen treten an diesem von Baran Kok organisierten Abend als
       Reaktion auf den islamistischen Anschlag beim diesjährigen Berliner CSD
       auf. Musikalisch findet sich an dem Abend von OG Lus Frankfurter Assi-Rap,
       Mariybus Technorap-Stil bis zu Indie-Pop von Blond und Grönemeyers Balladen
       alles.
       
       Kurz nach Öffnen 90 Minuten vor dem Konzert ist die Eventhalle fast
       vollständig gefüllt. Mädchengruppen neben Müttern mit ihren Söhnen und
       schwarz gekleideten Antifas. Progressive Prideflaggen werden gehisst,
       selbstgebastelte Schilder rausgeholt, „Papa Herbie und Mama ikki machen die
       Fresse auf für queere Rechte“ steht auf einem.
       
       Als Dragqueen Barbie Breakout das Konzert eröffnet, jubelt die Menge. Der
       Raum wird sehr schnell still, als Barbie Breakout anfängt, über den
       [1][Anschlag vom 25. Juli] zu sprechen, bei welchem 31 Menschen verletzt
       wurden und eine 65-jährige Frau starb. „Ich bin scheiße wütend“, ruft die
       Dragqueen, „wütend auf die Regierung die unsere Gelder kürzt, Draglesungen
       verbietet und uns nicht respektiert“.
       
       ## Wut auf die Regierung und explizit auf Merz
       
       Als die ersten Acts zu spielen anfangen, ist das Publikum wieder da. Zu
       Ceren gehen die Hände hoch, zu OG Lu rappt der Saal den Text mit. Alle
       Künstler*innen spielen zwei Songs, zwischendurch halten die
       Schwulenberatung Berlin und [2][CSD-Organisator*innen] aus dem ländlichen
       ostdeutschen Raum Reden. An sie gehen auch die Spenden, die durch die
       Konzerttickets gesammelt wurden.
       
       Je länger der Abend wird, desto mehr „Alerta“- und „Merz leck
       Eier“-Sprechchöre ertönen aus dem Publikum. Soho Bani und Baran Kok ändern
       extra ihre Songtexte, um dem Kanzler einen mitzugeben. Auch Gloria Viagra,
       die zweite Drag an diesem Abend, ruft „Januar, Februar, Arschloch, April“
       in die Menge. Viagra ist wütend und fordert eine radikalere queere Szene:
       „Sprüht die Straßen voll und besetzt Parteizentralen!“
       
       Gloria Viagra spricht aber wie viele andere an diesem Abend nicht nur von
       LGBTQIA+-Themen – „Solidarität ist nicht teilbar!“ Der Schöneberger Apsilon
       rappt über die NSU-Morde, OG Lu über Molotowcocktails gegen die Polizei und
       Baran Kok solidarisiert sich mit Kurdistan und Palästina.
       
       ## Solidarität über LGBTQIA+ hinaus
       
       Die Columbiahalle erlebt ihren bis dahin lautesten Moment an diesem Abend,
       als der 70-jährige Herbert Grönemeyer die Bühne betritt. Seine Rede gegen
       Queerfeindlichkeit bejubelt das Publikum so sehr, dass die Hälfte der Worte
       untergeht. Anschließend liefert Grönemeyer dann ab, er singt, tanzt und
       twerkt, was das Zeug hält.
       
       Die Einzigen, die an diesem Abend mehr twerken als Herbert Grönemeyer, sind
       Ikkimel und Baran Kok. Der Saal schreit zu Moshpits den Text von „Keta und
       Krawall“ auswendig mit. Der Abend endet mit einer Rede des Veranstalters
       Baran Kok, als er spricht, wird der ganze Raum noch einmal ruhig.
       
       Der Freiburger redet an diesem Abend das erste Mal über sein Outing. Bisher
       habe er öffentlich nicht darüber sprechen wollen, weil er nicht von der
       Presse wegen seiner kurdischen Herkunft in eine Schublade gesteckt werden
       wollte. Baran Kok richtet sich auch ans Publikum, fordert von ihnen und der
       deutschen Musikszene mehr Haltung, mehr Fresse auf für queere Freiheit:
       „Wenn deine Lieblingskünstler dich nicht akzeptieren, sollten es nicht
       deine Lieblingskünstler sein.“
       
       19 Aug 2026
       
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