# taz.de -- Geflüchtete in Deutschland: Warum immer mehr Syrer ihren Schutz in Deutschland verlieren
       
       > Die Behörden entzogen in diesem Jahr bisher rund 2.000 Syrern den
       > Flüchtlingsschutz. Das klingt nach wenigen Fällen, ist aber eine
       > deutliche Verschärfung.
       
 (IMG) Bild: Hasan Sulaiman, Ende 2014 aus Syrien geflüchtet, arbeitet im DHL Paketzentrum Nohra
       
       Die deutschen Behörden entziehen immer mehr Syrer*innen ihren
       Schutzstatus – allerdings bewegt sich die absolute Zahl der Betroffenen
       weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Von rund 8.000 Fällen, die das
       Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im laufenden Jahr überprüft hat,
       endeten etwas über 2.000 mit Rücknahme oder Entzug, wie aus der Antwort der
       Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht.
       
       Um zu verstehen, warum die Zahlen dennoch eine dramatische Veränderung
       bedeuten, ist der Blick auf vergangene Jahre hilfreich. 2025 prüften die
       Behörden ähnlich viele Fälle von syrischen Geflüchteten. Damals wurde nur
       bei etwa vier Prozent der Fälle der Schutzstatus widerrufen oder entzogen,
       während es im laufenden Jahr fast 25 Prozent sind.
       
       Ob es Gründe gibt, einen Schutzstatus zu widerrufen oder zu entziehen,
       prüfen die Behörden routinemäßig nach einigen Jahren Aufenthalt in
       Deutschland. Eine Rücknahme ist vorgesehen, wenn der Schutzstatus
       fälschlich vergeben wurde, etwa wegen falscher Aussagen. Ein Entzug ist
       dagegen möglich, wenn sich die Grundlage für einen zuvor verliehenen
       Schutzstatus geändert hat.
       
       Letzteres ist der Grund, warum Syrer derzeit [1][besonders in den Blick der
       Behörden geraten]. In ihrem Herkunftsland hat sich die Menschenrechts- und
       Sicherheitslage deutlich verbessert, seit ein Milizbündnis den Diktator
       Baschar Al-Assad Ende 2024 gestürzt hat, auch wenn die Gewalt [2][in
       einigen Regionen anhält].
       
       ## Bisher kaum Abschiebungen
       
       Von den rund eine Million Syrer*innen in Deutschland ist rund die Hälfte
       weitgehend sicher vor einem Entzugsverfahren, weil sie entweder bereits die
       deutsche Staatsbürgerschaft oder zumindest einen dauerhaften
       Aufenthaltstitel haben, der nicht mehr auf einem Schutzstatus basiert. Die
       anderen 500.000 haben dagegen noch einen befristeten Aufenthaltstitel, der
       an einen Schutzstatus gekoppelt ist. Sie könnten von einem Entzugsverfahren
       betroffen sein.
       
       Allerdings endet ein solches Verfahren nicht zwangsläufig damit, dass dem
       Betroffenen der Schutztitel weggenommen wird. Jeder Fall muss individuell
       geprüft werden, der Betroffene kann sich äußern und juristisch gegen den
       Entzug vorgehen. Entsprechend hoch ist der bürokratische Aufwand und
       entsprechend niedrig die Zahl der Verfahren, die die Behörden gleichzeitig
       durchführen können.
       
       Dass Syrer*innen häufiger der Schutzstatus entzogen wird, obwohl die
       Zahl der Prüfverfahren insgesamt konstant bleibt, hat wohl mit einer
       veränderten Praxis in den Behörden zu tun. Im ersten Halbjahr fokussierten
       sich die Verfahren auf Syrer mit Vorstrafen, seitdem haben die Behörden
       offenbar auch junge alleinstehende Männer ins Visier genommen. In der
       Antwort der Bundesregierung heißt es, man gehe davon aus, dass solche
       Personen ihren Lebensunterhalt in Syrien selbst bestreiten oder
       Familienangehörige dies übernehmen könnten.
       
       Vor allem Unionspolitiker*innen drängen immer wieder auf eine
       Verschärfung beim Umgang mit Syrer*innen in Deutschland. Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU) hatte Ende 2025 [3][für Empörung gesorgt], als er eine
       Rückkehrquote von 80 Prozent als Ziel genannt hatte. Die Kritik war auch
       deshalb groß, weil Syrer*innen inzwischen eine wichtige Rolle auf dem
       Arbeitsmarkt spielen, etwa in Krankhäusern oder der Pflege. Merz ruderte
       zurück.
       
       Ob die steigende Zahl der zurückgenommenen Schutztitel auch zu mehr
       Abschiebungen führt, bleibt abzuwarten. Trotz großer Ankündigungen der
       Bundesregierung blieb die Zahl solcher Rückführungen bisher sehr niedrig.
       Seit Anfang des Jahres wurden lediglich drei vorbestrafte Syrer
       zurückgezwungen.
       
       Und auch zur sogenannten freiwilligen Rückkehr gegen Geld haben sich bisher
       nur wenige Tausend Syrer*innen entschieden. Das hat wohl auch damit zu
       tun, dass die Bundesregierung sogenannte Erkundungsreisen explizit verboten
       hat, bei denen Rückkehrwillige die Lage in Syrien selbst besichtigen
       könnten.
       
       16 Aug 2026
       
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