# taz.de -- Berlin im Mietenwahlkampf: Diese SPD braucht es nicht
       
       > Unter Steffen Krach will die SPD sowohl Partei der Mieter:innen als
       > auch Schutzpatron der Immobilienkonzerne sein. Das wird wohl kaum
       > aufgehen.
       
 (IMG) Bild: Aber enteignet werden darf bloß nicht! Die SPD sendet widersprüchliche Botschaften
       
       Das Denken von Sozialdemokrat:innen ist manchmal nur schwer
       nachzuvollziehen. Nehmen wir das neue Lieblingsthema des Spitzenkandidaten
       der SPD, Steffen Krach: [1][die Verhinderung der Enteignung jener
       Wohnungskonzerne, die die Mieter:innen dieser Stadt seit Jahrzehnten
       ausplündern.] Seit einigen Tagen erklärt Krach unentwegt das „Nein“ zur
       Enteignung zur roten Linie seiner Partei und grenzt sich damit von der
       Linkspartei ab, die den Volksentscheid, der genau das fordert, umsetzen
       will.
       
       Welches Ziel verfolgt ein Steffen Krach mit dieser Positionierung?
       Sicherlich, es ist ein Alleinstellungsmerkmal, die einzige Partei zu sein,
       die sich sowohl als Partei der Mieter:innen und gleichzeitig auch als
       Schutzpatron der Immobilienkonzerne aufspielt. Aber wen soll diese Position
       überzeugen?
       
       Einerseits will die SPD im Wahlkampf gegen den Mietenwahnsinn mitmischen,
       dessen Bekämpfung für die Berliner:innen weiter das wichtigste Thema
       dieser Wahl ist. Und mit dem [2][kürzlich beschlossenen Mietenkataster]
       hätte die SPD da sogar etwas anzubieten. Aus den Reihen der Partei stammt
       sogar [3][ein eigenes Vergesellschaftungskonzept], das statt auf Enteignung
       auf eine weitreichende Mietmarktregulierung setzt. Man kann das, wie die
       Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen, für eine Nebelkerze halten –
       doch Werbung machen könnte die Partei damit.
       
       ## Argumente der Immobilienlobby
       
       Gleichzeitig will die Partei aber im konservativen Milieu auf Stimmenfang
       gehen. Insbesondere der rechte Parteiflügel ist hier offenbar von dem
       Gedanken getrieben, [4][den Abfluss der eigenen Wähler:innen zur CDU zu
       stoppen.] Also bespielt Krach die Talking Points der Immobilienlobby.
       
       Doch noch nicht einmal in seiner Ablehnung von Enteignungen ist Krach
       konsistent: Im nächsten Moment stellt er sich in den sozialen Medien dann
       vor das Russische Haus in Berlin-Mitte, das vom Putin-Regime betrieben
       wird, und fordert dessen Enteignung – und dann kritisiert er die
       Bundesregierung, weil die dort mitregierende SPD gemeinsam mit der CDU
       Vergesellschaftungen auf Landesebene verbieten will, was Krach auch wieder
       nicht gut findet.
       
       Wie dieser Hickhackkurs die SPD aus der tiefen Vertrauenskrise führen soll,
       in der die SPD auch steckt, weil die Partei seit Jahren die
       Vergesellschaftung blockiert und weil ihr Spitzenpersonal immer wieder
       Investoreninteressen über das Allgemeinwohl stellt, weiß wohl nur Steffen
       Krach. Die Wähler:innen überzeugt das alles jedenfalls offenbar nicht:
       Auf mickrige 12 Prozent ist die Partei in Umfragen zuletzt
       zusammengeschrumpft.
       
       Vielleicht wissen die Berliner:innen inzwischen auch: Wem die
       Interessen der Immobilienkonzerne am Herzen liegen, kann CDU wählen. Wer
       für Mieter:innen eintreten will, kann sich zwischen Grünen und Linken
       entscheiden. Eine Partei, die sowohl Kapital als auch Arbeit vertreten
       will, braucht es dagegen nicht. Insofern ist es wahrscheinlich auch nicht
       schade um diese SPD.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wahlkampf-in-Berlin/!6202901
 (DIR) [2] /Mietenkataster-in-Berlin/!6186564
 (DIR) [3] /Deutsche-Wohnen--Co-enteignen/!6096094
 (DIR) [4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/425781/umfrage/waehlerwanderung-von-und-zu-der-cdu-bei-der-abgeordnetenhauswahl-in-berlin/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
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