# taz.de -- Kommunalwahl in Niedersachsen: Links und links trennen sich
       
       > In Göttingen bricht Die Linke mit der linken Wählergemeinschaft und zieht
       > alleine in den Kommunalwahlkampf. Ein Grund ist das Bündnis Sahra
       > Wagenknecht.
       
 (IMG) Bild: Linken-Chef Jan van Aken und Kandidat Thomas Goes (links) beim Sommerfest der Partei in Göttingen: machen es ohne die anderen Linken
       
       Ausgerechnet in ihrer [1][Hochburg Göttingen] haben sie sich gespalten: Zur
       niedersächsischen Kommunalwahl im September treten die
       WählerInnengemeinschaft Göttinger Linke und die Partei Die Linke getrennt
       an.
       
       Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 erzielte die Linkspartei hier mit
       17,6 Prozent der Zweitstimmen das landesweit beste Ergebnis. Bei den
       Erststimmen holte Direktkandidat Thomas Goes im Stadtgebiet 13,3 Prozent.
       Für das Stadtparlament kandidiert die Partei nun erstmals allein.
       
       Bis 2024 war Die Linke Mitglied in der WählerInnengemeinschaft Göttinger
       Linke (GöLi). Diesem 1991 ins Leben gerufenen und zunächst als Linke Liste
       Göttingen firmierenden Bündnis gehörten ursprünglich die DKP, der – längst
       aufgelöste – Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), einige PDS-Mitglieder
       sowie mehrere nicht in Parteien organisierte Aktive an. Später stießen die
       Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die im Jahr 2007
       mit der PDS zur neuen gesamtdeutschen Partei Die Linke fusionierte, und
       eine Göttinger Stadtteilinitiative dazu.
       
       Bei der Kommunalwahl in jenem Gründungsjahr 1991 kandidierte die GöLi
       erstmals für den Stadtrat und errang gleich einen Sitz. Auch bei den
       folgenden Wahlen schaffte die Gruppierung immer wieder den Sprung ins
       Kommunalparlament, meistens sogar mit mehreren Mandaten. Im aktuellen, 2021
       gewählten Stadtrat mit insgesamt 47 Mitgliedern hat die
       WählerInnengemeinschaft 3 Sitze. Weil eine Ratsfrau der Satirepartei Die
       Partei im vergangenen Mai in die Partei Die Linke eintrat, ist auch diese
       seitdem eigenständig im Rat vertreten.
       
       ## Inhaltliche Differenzen zwischen links und links
       
       Über die Jahre entwickelten sich zwischen WählerInnengemeinschaft und
       Partei jedoch deutliche inhaltliche Differenzen, vor allem das Verhältnis
       zwischen der Partei Die Linke und der DKP gestaltete sich zunehmend
       konfliktreich.
       
       2024 trat die Partei Die Linke aus der GöLi aus. Anlass für die
       parteiintern schon länger diskutierte Trennung war die unterschiedliche
       Positionierung zum [2][Bündnis Sahra Wagenknecht] (BSW). Einige Mitglieder
       der WählerInnengemeinschaft waren damals in diese neue Formation
       eingetreten.
       
       Ein Teil der WählerInnengemeinschaft „fühlte sich dem BSW politisch
       zugehörig oder unterstützte dessen Aufbau aktiv“, heißt es in einer
       Erklärung des Göttinger Linke-Kreisverbandes zur anstehenden Kommunalwahl.
       Für die Partei Die Linke hingegen sei das BSW „keine linke Partei“. Das
       zeige sich unter anderem in einem „Wirtschaftsprogramm, das soziale
       Umverteilung und strukturelle Kapitalismuskritik zurückdrängt, sowie in
       fremdenfeindlichen Positionen bzw. einer sie fördernden Politik“.
       
       Hinzu kämen „sehr konservative bis hin zu [3][diskriminierenden
       gesellschaftspolitischen Haltungen, etwa gegenüber queeren Lebensentwürfen]
       und pluralen Formen des Zusammenlebens“. Daher habe man sich bewusst für
       die Trennung entschieden, auch, um „die eigene politische Glaubwürdigkeit
       zu wahren“.
       
       ## Parteiegoistische Motive unterstellt
       
       Die WählerInnengemeinschaft hält das BSW-Argument für vorgeschoben und
       unterstellt der Linken parteiegoistische Motive für den Bruch. Das BSW, so
       die GöLi, trete bei der Kommunalwahl in Göttingen schließlich mit einer
       eigenen Liste an. In dem monatlich erscheinenden Infoblatt der
       WählerInnengemeinschaft verantwortet die BSW-Kreistagsfraktion allerdings
       bis heute eine von acht Seiten.
       
       Die Partei Die Linke zieht in Göttingen unter dem Leitmotiv einer
       „sorgenden Stadt“ und dem Slogan „Radikal sozial. Klar ökologisch.
       Konsequent antifaschistisch“ in den Kommunalwahlkampf. Ihr Programm rückt
       die Stärkung der sozialen Infrastruktur und der Daseinsvorsorge in den
       Mittelpunkt.
       
       Die WählerInnengemeinschaft fokussiert ebenfalls auf soziale Themen. Als
       Schwerpunkte werden die Wohnungspolitik, existenzsichernde
       Lebensbedingungen und gute Bildung benannt.
       
       Die Stimmen von linken Wählerinnen und Wählern werden sich am 13. September
       auf beide Listen verteilen. Konsequenzen hat der Bruch auch für die
       Oberbürgermeisterwahl: Die Partei Die Linke hat mit Thomas Goes einen
       eigenen Kandidaten aufgestellt, der jedoch von der WählerInnengemeinschaft
       Göttinger Linke nicht offiziell unterstützt wird. Die – ohnehin nicht sehr
       großen – Chancen für Goes, die zwei Wochen später anberaumte Stichwahl zu
       erreichen, sind damit wohl dahin.
       
       13 Aug 2026
       
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