# taz.de -- Debatte über Vergesellschaftung: Radikale Hoffnung statt Erbsenzählerei
       
       > Wer die Demokratie gegen rechts verteidigen will, sollte nicht auf der
       > Mehrheitsfrage herumreiten. Besser wäre es, die Vergesellschaftung
       > voranzubringen.
       
 (IMG) Bild: Nicht nur nach Mehrheiten fragen, Luigi Pantisano beim ZDF-Sommerinterview
       
       Es ist demokratiezersetzend, wenn Linksliberale und andere
       Pseudopragmatiker jede sinnvolle politische Idee sofort mit ihrem verbalen
       Mehrheitstotschläger abwatschen. Beobachtet werden kann dieser Mechanismus
       beim aktuellen Krach in der Hauptstadt.
       
       Die Bundesvorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, hatte [1][in einem
       Podcast] an den Beschluss des Berliner Landesverbandes erinnert, wonach
       Wohnraum vergesellschaftet werden soll – wofür die Mehrheit der Berliner
       2021 in einem Volksentscheid gestimmt hatte. Nun hat der Berliner
       SPD-Kandidat Steffen Krach deshalb eine Koalition mit der Linken
       ausgeschlossen. Fein. Dass Sozialdemokraten die Bevölkerung (und sogar
       [2][ihre eigenen Beschlüsse dazu]) verraten, ist nichts Neues.
       
       Aber die Koalitionskeule schwingen auch Grüne, Linksliberale und
       [3][Medien]. So etwa die Moderatorin [4][beim ZDF-Sommerinterview mit Luigi
       Pantisano] am Sonntag, die unablässig nachgebohrt hat, mit welchem
       Koalitionspartner die Linke die Vergesellschaftung denn nun umsetzen wolle.
       Natürlich braucht es nach Wahlen Bündnisse. Doch wem die Demokratie am
       Herzen liegt, der sollte nicht nur nach Mehrheiten fragen, sondern auch das
       Grundgesetz ernstnehmen. Und das sieht sowohl Volksentscheide als auch
       Vergesellschaftung vor.
       
       ## Hoffnung wirkt
       
       Hinzukommt: Würden Parteien immer nur Dinge fordern, die sofort zu 100
       Prozent umsetzbar sind, entstünde tatsächlich der „Einheitsbrei“, den die
       AfD kritisiert. Seit deren Erstarken wird andauernd erklärt, was alles
       nicht gehe – bessere Grundsicherung, weniger Abschiebungen, mehr
       Klimaschutz – schließlich müsse man eine „demokratische Mehrheit“ erhalten,
       um die AfD zu verhindern. Nach dem Motto: Als Antifaschistin musst du
       schlechte Politik akzeptieren, sonst kommen die Rechten dran. Dabei
       profitieren die genau davon.
       
       Ganz im Gegensatz dazu hat [5][der Volksentscheid zur Enteigngung von
       Deutsche Wohnen & Co 2021] sicher auch deshalb eine Mehrheit erhalten: weil
       er den völlig verzweifelten Menschen eine radikal andere Perspektive
       angeboten hat, anders genug, um ihnen erstmals seit Langem wieder Hoffnung
       zu machen. Und es gibt fast nichts, was im Kampf gegen rechts effektiver
       ist als Hoffnung.
       
       11 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.radio.de/podcast/5-minuten-talk-wir-haben-ja-nicht-ewig-zeit
 (DIR) [2] https://parteitag.spd.berlin/cvtx_antrag/trotz-groko-ja-zum-volksentscheid-deutsche-wohnen-und-co-enteignen-keine-arbeit-fuer-die-immolobby-durch-die-expertinnenkommission-und-die-koalition/
 (DIR) [3] /Wahlkampf-in-Berlin/!6202901
 (DIR) [4] https://www.zdfheute.de/video/berlin-direkt/berlin-direkt---sommerinterview-vom-9-august-2026-100.html
 (DIR) [5] https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Argumente/lux_argu_20_Enteignung_07-22.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotte Laloire
       
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