# taz.de -- Haze’evot in Berlins lautester Platte: Alles okay, Mama?
       
       > Die israelische Band Haze’evot machte im Berliner Orwo-Haus halt. Die
       > fünf Frauen, die an radikale Veränderung von unten glauben, rockten das
       > Haus.
       
 (IMG) Bild: Nicht jeder Song ist Punk, die Attitüde jedoch allemal: Haze’evot in Berlin-Marzahn
       
       Haze’evot haben viel Spaß auf der Bühne. Obwohl die klein ist, tanzen und
       springen die drei Frontfrauen der Band wild auf und ab, was ihrer präzisen,
       energischen und gutgelaunten Musik entspricht. Irgendwann klettert die
       Bassistin auf das Drumkit ihrer Kollegin und spielt dort weiter. Nicht alle
       ihre Songs sind Punk, ihre Attitüde allemal.
       
       Hinten links steht cool die Rhythmusgitarristin mit Sonnenbrille, die sich
       aber das Lächeln auch nicht verkneifen kann, während die Keyboarderin und
       die zweite Gitarristin, die manchmal ihre Rollen tauschen, viel gemeinsam
       lachen. Es macht Spaß, dieser Band zuzuschauen, die dermaßen viel positive
       Energie ausstößt.
       
       Wir befinden uns im [1][Orwo-Haus], an einem Mittwochabend, in
       Berlin-Marzahn. Das Orwo-Haus könnte sich auch in einer Plattenbausiedlung
       am Rand von Warschau oder Sofia befinden und ist laut Selbstauskunft „die
       lauteste Platte Berlins“. Wer vor dem Konzert ankommt, hört mehrere Bands
       proben. Die einstige Betriebsstätte des Film-, Tonband- und
       Kassettenherstellers aus der DDR beherbergt knapp 100 Proberäume, mehrere
       Tonstudios und Veranstaltungsräume. Und es finden Konzerte von Bands wie
       Haze’evot statt, die derzeit auf einer Tour durch Deutschland und die
       Schweiz unterwegs sind.
       
       ## Wo Hoffnung ist, sei alles möglich
       
       Manchmal gehen ihre Stücke direkt ineinander über. Zwischendurch machen sie
       launige Ansagen, wie vor ihrem Song über die Yogalehrerin. Sie erzählen
       auch, dass sie eben in Chemnitz beim Musikmeile-Festival gespielt haben, wo
       sie eine Woche lang an ihren Stücken feilen konnten. Auf dem Festival haben
       sie Workshops gemacht und eine [2][FLINTA*]-Jamsession organisiert.
       
       Weil sie eine Band aus Israel sind, werden sie in Europa manchmal
       aufgefordert, [3][Statements abzugeben], die ihnen selbst zu unterkomplex
       sind. Daher erklären sie sich auf der Orwo-Bühne auch zu dem Konflikt, der
       ihr Leben bestimmt: Wo Hoffnung ist, sei alles möglich, auch eine große
       Veränderung, sagt eine der fünf. Die komme nicht von oben, sondern von
       unten, von Leuten wie denen, die hier zusammengekommen seien und sich für
       Freiheit, Humanität und Frieden einsetzten. Die Revolution fange im
       Bewusstsein an – darin, wie man denkt, spricht und handelt.
       
       Später wird die Mutter einer der Frauen begrüßt, die heute Abend an der Bar
       sitzt: „Alles okay, Mama? Willst du auf die Bühne kommen?“ Die antwortet:
       „Sicher nicht.“ Am Schluss drehen Haze’evot noch mal richtig auf, es wird
       psychedelisch. Die Bassistin trommelt nun auch mit, trägt die Standtrommel
       dann ins Publikum und macht weiter. Das furiose Finale geht direkt in das
       DJ-Set über: „I don’t care, I love it.“ Haze’evot tanzen mit ihren 90s
       bitches, wir holen uns noch ein Bier.
       
       6 Aug 2026
       
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