# taz.de -- Folgen der Klimakrise: Wie das Niedrigwasser die Landwirtschaft trifft
       
       > Wegen der geringen Pegelstände lädt der neue Verkehrsminister zum
       > Krisengipfel ein. Aber auch den Äckern setzt der fehlende Regen stark zu.
       
 (IMG) Bild: Wenig Ladung wegen Niedrigwasser: ein Frachtschiff auf dem Rhein bei Düsseldorf am 5. August
       
       Die anhaltende Trockenheit führt nicht nur zu Niedrigwasser in den Flüssen,
       sondern setzt auch der Landwirtschaft zu: Weite Teile West- und
       Süddeutschlands verzeichnen extrem trockene Böden. Nur in Teilen Nord- und
       Mitteldeutschlands regnete es genug, um die Vorräte des sogenannten
       pflanzenverfügbaren Wassers in den oberen Bodenschichten aufzufüllen. Das
       geht aus dem [1][Dürremonitor] des Umweltforschungszentrums Leipzig hervor.
       
       Aufgrund der niedrigen Pegelstände in Flüssen und des Grundwassers
       beschränken derzeit zahlreiche Kommunen die Wasserentnahme für
       Landwirt*innen: In [2][Brandenburg] sind es sieben Landkreise, im
       niedersächsischen [3][Lüchow-Dannenberg] dürfen Landwirt*innen bei hohen
       Temperaturen und Windstärken ihre Flächen gar nicht beregnen.
       
       Allerdings können nur wenige Landwirt*innen ihre Flächen überhaupt
       künstlich bewässern: [4][Laut Statistischem Bundesamt] wurden selbst im
       extrem trockenen Jahr 2022 nur 3,3 Prozent der Äcker beregnet. „Das trifft
       vor allem den Anbau von Sonderkulturen wie Gemüse“, erklärt Philip Brändle,
       Landwirtschaftsexperte vom Naturschutzbund Nabu. „Die Investitionen in die
       Beregnung von Mais und Getreide ist ohnehin meist nicht rentabel.“
       
       Entscheidend für die Landwirtschaft sei, dass tatsächlich Wasser in der
       oberen Bodenschicht verfügbar ist, sagt Brändle. „Das ist abhängig von
       Regen und der Bodenqualität. Leichte Böden wie Sand speichern Wasser
       schlecht, schwere Böden wie Lehm dagegen sehr gut.“ Es sei deswegen
       außergewöhnlich, dass zum Beispiel in Ostbrandenburg, wo es viele leichte
       Böden gibt, die Wassersituation aktuell weniger angespannt ist als im
       Westen und Süden. Die Getreideernte war [5][laut Bauernverband] bislang
       allerdings durchschnittlich.
       
       ## Wetterdienst: regional „historisch“ wenig Regen
       
       Der Juli war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Deutschland extrem
       trocken: Pro Quadratmeter fielen nur 40 Liter Regen, zwischen 1961 und 1990
       waren es durchschnittlich 78 Liter. „Historische Ausmaße“ nahm die
       Niederschlagsarmut laut DWD im Westen und in Teilen des Südwestens an. Dort
       seien mancherorts nur 10 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.
       
       Während der Klimawandel zwar Hitze in Europa deutlich wahrscheinlicher
       macht, lässt sich das generell für Trockenheit nicht sagen: Heißere Luft
       kann mehr Wasser aufnehmen, deswegen [6][verschieben sich
       Niederschlagsmuster eher, als dass die Regenmengen flächendeckend sinken].
       Die Hitze sorgt aber für mehr Verdunstung, außerdem kommt es wegen der
       heißeren und deswegen potenziell feuchteren Luft zu mehr Starkregen.
       Kurzen, heftigen Niederschlag können Böden aber schlechter speichern.
       
       Um die Äcker an die Erderhitzung anzupassen, empfiehlt Nabu-Experte
       Brändle, mehr verschiedene Nutzpflanzen anzubauen: „Unterschiedliche
       Kulturen brauchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten Wasser“, erklärt er.
       Wenn Landwirt*innen also viele unterschiedliche Kulturen anbauten,
       streue sich das Risiko von fehlendem Regen. „Das hat auch ökologische
       Vorteile, weil das mehr Artenvielfalt auf dem Acker nach sich zieht.“
       Pflanzen die Landwirt*innen darüber hinaus Zwischenfrüchte und
       Untersaaten an, bauen sie mehr Humus auf und verbessern so die
       Wasserhaltefähigkeit der Böden „deutlich“.
       
       Zentral sei aber der Klimaschutz, sagt Brändle: „Wenn die Agrarpolitik
       weiterhin auf ein System setzt, das darauf angewiesen ist, viel
       synthetischen, chemischen Dünger zu nutzen, für die viel fossile Energie
       gebraucht wird, heizen sie durch den CO₂-Ausstoß den Klimawandel weiter
       an.“
       
       Besser wäre laut Brändle zum Beispiel der Anbau von Leguminosen, also zum
       Beispiel Erbsen und Bohnen, um Stickstoff zu binden, statt dafür
       synthetische Dünger zu nutzen. Düngemittel wiederum werden in Deutschland
       unter anderem per Binnenschiff transportiert – und das wird ohnehin immer
       schwieriger, weil viele Wasserstraßen wenig Wasser führen.
       
       ## Neuer Verkehrsminister beruft Krisentreffen ein
       
       Bislang läuft der Wassermangel in der Landwirtschaft politisch weitgehend
       unter dem Radar. Bei den niedrigen Pegelständen in den Flüssen ist das
       anders: Wegen des extremen Niedrigwassers hat der neue
       Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für Donnerstag zu einem
       Krisentreffen nach Bonn eingeladen.
       
       Bilger hat bereits rund eine Milliarde Euro für neue oder
       sanierungsbedürftige Schleusen an der Donau in Bayern zugesichert.
       Gleichzeitig will der Bund die Förderung für moderne Binnenschiffe, die
       besser auf Niedrigwasser fahren können, im kommenden Jahr um mehr als die
       Hälfte eindampfen.
       
       6 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ufz.de/index.php?de=37937
 (DIR) [2] https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/wasser-in-brandenburg-wasserverbrauch-begrenzt-waehrend-ministerin-grossen-wurf-plant-79348586.html
 (DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/wasser-sparen-in-niedersachsen-kommunen-stellen-regeln-auf,wassersparen-100.html
 (DIR) [4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_186_41.html
 (DIR) [5] https://www.bauernverband.de/pressemitteilungen/ernteauftakt-2026-angespannte-wirtschaftliche-situation-trotz-durchschnittsernte
 (DIR) [6] /Meteorologe-ueber-den-verregneten-Juli/!6103742
       
       ## AUTOREN
       
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