# taz.de -- Dürre in Deutschland: Niedrigwasser, was ist das überhaupt?
> Rhein, Donau und Elbe führen so wenig Wasser wie selten zuvor. Das trifft
> die Schifffahrt und die Natur. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
(IMG) Bild: Strand in Duisburg: Ein Frachtschiff fährt am vergangenen Donnerstag auf dem Rhein
Niedrigwasser? Was heißt das?
Die großen deutschen Flüsse Rhein, Donau und Elbe führen so wenig Wasser
wie selten zuvor. In Düsseldorf erreichte der Rheinpegel den bisherigen
Tiefststand von 2018. Und die Lage könnte sich weiter verschärfen, da kaum
Regen erwartet wird. Laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des
Bundes soll der Pegel an der Engstelle Kaub – zwischen Mainz und Koblenz –
am Freitag auf 18 Zentimeter sinken. Das wäre weniger als im
[1][Dürresommer 2018].
Ist es nicht normal, dass Flüsse mal mehr, mal weniger Wasser führen?
Leichte Schwankungen sind normal. Allerdings sind die Pegelstände aktuell
außergewöhnlich niedrig, und Niedrigwassersituationen ergeben sich
normalerweise erst später im Jahr. Ein Grund für die momentan dramatische
Lage sind die extreme Hitze der vergangenen Wochen und damit einhergehende
Trockenheit – unmittelbare Folgen der Klimakrise.
Welche Folgen hat das Niedrigwasser?
Wegen der niedrigen Pegelstände können viele Schiffe nicht mehr voll
beladen werden oder gar nicht mehr ablegen. Das habe einmal lokale
Auswirkungen, erklärt Jan-Christopher Scherer, Konjunkturforscher am
Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung – zum Beispiel, wenn
Flusskreuzfahrten nicht starten können und dadurch Tourismuseinnahmen
wegfallen. Gesamtwirtschaftlich spürbar sind vor allem die Einschränkungen
im Gütertransport. Wenn Fracht auf mehr Schiffe verteilt werden muss,
steigen die Transportkosten, sagt Scherer. Manche Güter könnten knapp
werden, in der Produktion fehlen oder teurer werden.
Wie viele Güter transportieren Binnenschiffe?
Der Anteil der Binnenschifffahrt am Güterverkehr schrumpft seit Jahren.
[2][2024 lag er bei 6,5 Prozent], 2013 waren es noch 9,3 Prozent. Ein Grund
dafür ist, dass die Nachfrage nach Frachten sank, die klassischerweise mit
Binnenschiffen bewegt werden, etwa Mineralölprodukte und Kohle. Ein anderer
Grund war schon in den vergangenen Jahren das Niedrigwasser.
Moment, 6,5 Prozent, das hört sich nach nicht so viel an …
„Binnenschiffe transportieren häufig sehr spezifische Industriegüter“, sagt
Scherer. Deshalb bleibt die Binnenschifffahrt ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor, besonders für Unternehmen entlang der Wasserstraßen, vor
allem am Rhein. „Das ist ein fein abgestimmtes System“, erklärt der
DIW-Forscher. Viele Transporte lassen sich nicht so einfach auf die Straße
oder die Schiene verlagern, weil auch dort die Infrastruktur stark
ausgelastet ist. Wie stark genau das Niedrigwasser die deutsche
Wirtschaftsleistung dämpft, lasse sich jedoch kaum vorhersagen. Das hänge
unteranderem von der Dauer der Einschränkungen, dem jeweiligen Unternehmen,
seinen Lagerbeständen und Produktionsplänen ab.
Was bedeutet das für die Verbraucher:innenpreise?
Das Bundeskartellamt meldete am Dienstag, dass der niedrige Pegelstand im
Rhein zu deutlichen regionalen Unterschieden bei den Spritpreisen führt.
Bei anderen Gütern lasse sich auch der Preiseffekt wiederum nur schwer
abschätzen, erklärt Konjunkturforscher Scherer. Veränderungen bei
Nahrungsmittel- und Strompreisen schlügen sich typischerweise erst mit
einiger Verzögerung nieder.
Und für die Natur?
Dass das Niedrigwasser akut Lieferketten gefährde, sei schlimm, sagt
Sabrina Schulz, stellvertretende Bereichsleiterin Naturschutz und
Biologische Vielfalt bei der Deutschen Umwelthilfe. „Das viel größere Drama
spielt sich aber ökologisch ab.“ An der Donau in Niederbayern retteten
Helfer:innen in den letzten Tagen [3][Tausende Fische vor dem Tod]. Auch
Kaulquappen, Frösche und Molche mussten in andere Gewässer umgesiedelt
werden. Weniger Mückenlarven bedeuten weniger Nahrung für Vögel. Und: Die
Schadstoffkonzentration in vielen Flüssen nimmt durch fehlende Verdünnung
zu, das könne dann Folgen für die lokale Trinkwasseraufbereitung haben.
Was hat die Politik bisher gemacht?
Zum Beispiel eine Nationale Wasserstrategie aufgelegt, sagt Sabrina Schulz.
Die enthalte zwar gute Maßnahmen, bisher aber wurde kaum etwas umgesetzt,
und es fehlten Geld und Fristen für die geplanten Aktionen.
Und jetzt?
Der Bundesverband der Binnenschifffahrt fordert zum Beispiel, am
Mittelrhein die sogenannte Fahrrinne zu vertiefen, also den Fluss weiter
auszubaggern. Doch laut Schulz würde das nur den Grundwasserstand in
angrenzenden Gebieten senken. „Das Niedrigwasserproblem ist akut nicht
lösbar“, sagt Schulz. Nötig seien langfristige Maßnahmen: strengere Regeln
für die Wasserentnahme, Auenrenaturierung und mehr ökologische
Landwirtschaft, damit Böden Wasser besser speichern. Tarek Al-Wazir, grüner
Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, setzt sich für mehr
moderne Schiffe ein, die besser mit Niedrigwasser klarkommen – die
Förderung dafür will die Bundesregierung im kommenden Jahr allerdings mehr
als halbieren.
4 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Klimawandel-2018/!5555632
(DIR) [2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12204/umfrage/anteil-der-binnenschifffahrt-am-gueterverkehr-in-deutschland/
(DIR) [3] https://www.br.de/nachrichten/bayern/niedrigwasser-tausende-fische-muessen-aus-donau-gerettet-werden,VRIkw4a
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
## TAGS
(DIR) Wassermangel
(DIR) Schifffahrt
(DIR) Flüsse
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Lieferketten
(DIR) Niedrigwasser
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Hitze
(DIR) Hitze
(DIR) klimataz
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Elbe
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Folgen der Klimakrise: Wie das Niedrigwasser die Landwirtschaft trifft
Wegen der geringen Pegelstände lädt der neue Verkehrsminister zum
Krisengipfel ein. Aber auch den Äckern setzt der fehlende Regen stark zu.
(DIR) Experte über Klima und Niedrigwasser: „Die Elbe als Bundeswasserstraße – diese Zeiten sind vorbei“
Der Fluss führt so wenig Wasser, dass kaum Schiffe fahren. Dennoch steckt
der Bund Millionen in die Schifffahrt, beklagt Naturschützer Dörfler.
(DIR) Niedrigwasser an der Weser: Wenn der Fluss die Rinder pökelt
Die Trockenheit und der geringe Oberwasserzufluss der Weser machen der
Landwirtschaft zu schaffen. Sie versalzen das Wasser, das die Rinder
saufen.
(DIR) Folgen der Klimakrise: Wenn Wassermangel normal wird
Flüsse und das Grundwasser haben immer häufiger niedrige Pegelstände. Das
ist nicht nur für die Schifffahrt ein Problem.