# taz.de -- Hitze schlägt auf Ernährung durch: Dürre weicht Bio-Standards auf
       
       > Hitze und Trockenheit bedrohen die Existenz von Biobetrieben in
       > Süddeutschland. Deshalb dürfen sie nun auch konventionelles Grünfutter
       > für Tiere kaufen.
       
 (IMG) Bild: Kühe auf einer trockenen Weide in Baden-Württemberg
       
       Es ist eine Notfallverordnung: Baden-Württemberg und Bayern haben der
       Biolandwirtschaft erlaubt, auch Grünfutter einzukaufen, das konventionell
       angebaut ist. Grund ist ein erheblicher Mangel an Futtermitteln aufgrund
       der [1][extremen Dürre].
       
       Manche Landwirte hätten vor einigen Wochen schon begonnen, ihre Reserven zu
       verfüttern, die eigentlich für den Winter gedacht waren, sagt die
       baden-württembergische Landwirtschaftsministerin Marion Gentges (CDU). Da
       nach Biostandards angebautes Futter nochmals schwerer zu bekommen ist als
       konventionelle Kost, wolle das Land den betroffenen Betrieben nun neuen
       Freiraum verschaffen, um sie zu entlasten.
       
       In Süddeutschland hat sich die Lage in den vergangenen Wochen nämlich
       dramatisch zugespitzt. Es gibt Höfe, die angesichts des Mangels an
       heimischem Futter bereits Luzerne aus der norditalienischen Poebene
       einkaufen. Andere haben begonnen, ihre Tierbestände „abzustocken“, also
       planmäßig zu verringern. Entsprechend ist die Zahl der Schlachtung von
       Kühen in den vergangenen Wochen angestiegen.
       
       Die Entscheidung der südlichen Bundesländer zur Lockerung der
       Biorichtlinien basiert auf dem [2][europäischen Ökorecht], das bei
       außergewöhnlichen Situationen Ausnahmen von den Produktionsvorschriften
       ermöglicht. Die Länder sind allerdings nur für das [3][EU-Ökosiegel]
       zuständig. Wer strengere Siegel nutzen will, muss zusätzlich die
       privatrechtlichen Vorgaben der entsprechenden Verbände wie Bioland, Demeter
       oder Naturland erfüllen.
       
       ## Private schließen sich an
       
       In dieser Notsituation gehen die Verbände aber bei den Entscheidungen der
       Länder mit. Der Demeter-Verband bestätigte auf Anfrage, er schließe sich
       dem Vorgehen Bayerns und Baden-Württembergs an und habe für seine
       Biobetriebe die Vorgaben entsprechend gelockert. Ebenso äußerte sich
       Naturland. Auch die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau
       Baden-Württemberg unterstützt angesichts der „existenzbedrohenden Lage“ die
       „formal-rechtlichen Freiräume“.
       
       Demeter betont, dass man trotzdem bemüht sei, durch verstärkte Vernetzung
       unter den Landwirten sicherzustellen, dass das vorhandene Demeter- und
       Biofutter bevorzugt verwendet wird. Generell ausgeschlossen für
       Demeter-Betriebe sei weiterhin der Zukauf von konventionellem Mais. Bei
       Naturland gilt diese Regel gleichermaßen.
       
       Eine gute Kennerin der Materie ist auch Martina Braun, Biolandwirtin im
       Schwarzwald und zugleich Abgeordnete der Grünen im Stuttgarter Landtag. Sie
       trägt die vorübergehende Freigabe von konventionellem Futter für
       Biobetriebe ebenfalls voll und ganz mit: „Für unseren Betrieb hat Biofutter
       natürlich weiterhin höchste Priorität, aber in dieser Notstandssituation
       musste das Land eine praktikable Lösung finden.“ In ihrem eigenen
       Familienbetrieb würde man, wenn es wirklich nicht mehr anders gehen sollte,
       das konventionelle Futter zuerst an jene Tiere verfüttern, die nicht
       unmittelbar der Lebensmittelproduktion dienen, wie etwa Jungtiere.
       
       ## Nachweis notwendig
       
       Ähnlich wie in Baden-Württemberg ist die Lage in Bayern. „Wo über Wochen
       der Regen fehlt, wächst irgendwann auch das beste Futter nicht mehr“, sagt
       die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Gerade für
       die Biobetriebe werde das zum Problem, wenn die eigenen Vorräte knapp
       werden und auch am Markt nicht genügend Biogrundfutter wie Gras, Heu, Klee
       oder Silage verfügbar ist. „Deshalb ermöglichen wir betroffenen Betrieben,
       unter klaren Voraussetzungen auf konventionelles Grundfutter
       zurückzugreifen und so die Versorgung ihrer Tiere sicherzustellen“, sagt
       Kaniber. Jeder Betrieb muss dafür individuell nachweisen, dass
       gleichwertiges Futter nicht am Markt verfügbar ist. Die Ausnahmeregelung
       gilt ohne regionale Einschränkung, da die Versorgung der Betriebe mit
       Biogrundfutter flächendeckend gefährdet ist.
       
       Das bayerische Ministerium betont zugleich, dass die Ausnahmen nur für den
       Zukauf von Grundfutter gelten, nicht aber für Kraftfutter, das auch
       weiterhin aus ökologischer Produktion stammen muss. Die Ausnahmeregelungen
       gelten, bis sich die Versorgung wieder verbessert hat, maximal aber 12
       Monate.
       
       11 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Copernicus-Messungen/!6203115
 (DIR) [2] https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2018/848/oj/deu
 (DIR) [3] https://agriculture.ec.europa.eu/farming/organic-farming/organic-logo_de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernward Janzing
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Bio-Landwirtschaft
 (DIR) Tierzucht
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Tiere
 (DIR) Nutztiere
 (DIR) Wassermangel
 (DIR) Kolumne Hitzschlag
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wenn es Nutztieren zu warm wird: Die Hitze und das liebe Vieh
       
       Mindestens zehntausend Nutztiere starben während der Hitzewelle im Juni,
       zeigt eine taz-Recherche. Offiziell erfasst werden die Fälle kaum.
       
 (DIR) Dürre in Deutschland: Niedrigwasser, was ist das überhaupt?
       
       Rhein, Donau und Elbe führen so wenig Wasser wie selten zuvor. Das trifft
       die Schifffahrt und die Natur. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
       
 (DIR) Afrikanischer Blick auf Klimawandel: Warum bei Hitze in Uganda die Sauna voll ist
       
       In Afrika sind Überschwemmungen und Dürre schon lange das „neue Normal“.
       Auch Viren übertragen sich schneller. Die neueste Lösung: Dampfbadbesuche.
       
 (DIR) Versorgung mit Lebensmitteln: Die deutsche Ernte 2025 fällt gut aus
       
       Die Landwirtschaft klagt trotz guten Ergebnisses über die widrigen
       Klimabedingungen. Agrarminister Rainer will sie durch weniger Ökoregeln
       entlasten.