# taz.de -- Waffenverbot am Hauptbahnhof: Sicherheit im Fantasy-Reich
> Am Hauptbahnhof Hannover zieht die Bundespolizei ein
> Herr-der-Ringe-Schwert aus dem Verkehr. Der Fall zeigt, wie absurd solche
> Verbotszonen sind.
(IMG) Bild: In der Hochsaison für Mittelalter-Märkte und LARP-Events sind Repliken und Schaumstoff-Waffen im historischen Look unterwegs
Eine 23-Jährige steigt auf der Rückfahrt von einem Mittelalter-Festival am
Hauptbahnhof Hannover aus dem Zug. Im Gepäck hat sie Repliken aus dem
Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“. Prompt wird sie von der Bundespolizei
empfangen.
Denn bei sich führt die junge Frau einen Dolch und ein Schwert, und nicht
irgendeines: [1][die mächtige „Flamme des Westens“, Andúril], geschmiedet
aus den Scherben des Schwertes Narsil, einst getragen von Aragorn, dem
rechtmäßigen König von Gondor – riesig und ein echter Hingucker, auch für
die Bundespolizei.
Der epische Anspruch trifft also auf die fantasielose
Paragrafenwirklichkeit: Statt königlicher Ehren erwartet die Reisende ein
Ordnungswidrigkeitenverfahren; das Schwert und der reich verzierte Dolch:
beschlagnahmt. Denn das Waffengesetz zieht hier eine harte Grenze. Zudem
gilt am Hauptbahnhof Hannover ein Waffenverbot. Am Mittwoch erst wurde
[2][die Allgemeinverfügung bis Ende August verlängert].
Die kuriose Geschichte wirkt auf den ersten Blick wie eine skurrile
Randnotiz. Aber sie zeigt auch, wie absurd eine symbolische
Sicherheitspolitik ist, die ins Reich der Fantasy abdriftet.
Das juristische Fundament dafür liefert Paragraf 42a des Waffengesetzes: Er
verbietet das Führen von Anscheinswaffen und bestimmten Messern im
öffentlichen Raum – völlig unabhängig davon, ob an einem Bahnhof gerade
eine spezielle Waffenverbotszone gilt. Die Polizist:innen müssen diese
Vorschrift exekutieren.
Aber Cosplayer:innen und Heimkehrer:innen von Mittelalterfesten als
vermeintliche Gefährder:innen aus dem Verkehr zu ziehen, ist eben auch
deutlich erkennbar keine wirksame Kriminalprävention. Wer mit der „Flamme
des Westens“ aus dem Zug steigt, mag gegen Paragrafen verstoßen – die wahre
Fantasterei ist aber der Glaube, man könne Sicherheit durchs Dekretieren
von Verbotsschildern schaffen.
Die statistischen Bilanzen der Bundespolizei an Bahnhöfen wie Hannover,
Hamburg oder Bremen lesen sich zwar oft beeindruckend, wenn dutzende
„Waffen und gefährliche Werkzeuge“ aufgelistet werden. Aber ein großer Teil
dieser Funde sind eben doch [3][Handwerkszeug des Alltags: Taschenmesser,
Kochmesser] im Umzugskarton, Werkzeugschlüssel oder stumpfe
Dekorationsgegenstände.
Man kann nun einwenden: Wenn man sie aus dem Verkehr zieht, können sie in
einer Kneipenschlägerei oder im Affekt eben nicht mehr eingesetzt werden.
Und je mehr man kontrolliert, desto mehr findet man auch. Aber diese Logik
verwechselt statistische Funde mit echter Kriminalprävention. Dass man das
Alltags-Taschenmesser einsammelt, senkt schwere Gewaltkriminalität um genau
null Prozent.
## Politische Fantasy
Denn wer gezielt [4][zustechen will oder das affektgeleitet in einer
Situation tut], die aus einem Konflikt heraus entsteht, [5][lässt sich von
Verbotsschildern nun mal nicht abhalten], sosehr wir uns das auch wünschen.
Kriminolog:innen weisen seit Jahren darauf hin, [6][dass Waffen- und
Messerverbotszonen vor allem ein Instrument der Beruhigung sind]. Die Idee,
man könne Gewaltakte eindämmen, indem man massenhaft polizeilich Taschen
kontrolliert, [7][entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage].
Nun könnte man sagen: Aber zumindest wirken solche Zonen doch abschreckend
und helfen, das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken. Und der Reflex,
nach schrecklichen Taten wenigstens irgendetwas zu tun, ist ja auch
menschlich und politisch verständlich, weil Regierungen Handlungsfähigkeit
demonstrieren müssen. Aber eine Maßnahme, die nachweislich keine Wirkung
zeigt – gerade angesichts der realen Bedrohungen an Bahnhöfen –, ist nun
mal keine Lösung, sondern Aktionismus.
So produzieren solche Zonen vor allem fragwürdige Effekte: Ressourcen
werden in großem Stil für die Kontrolle unbescholtener Bürger:innen
gebunden, die [8][reale Kriminalität aber verlagert sich einfach in
angrenzende Areale]. Der Glaube, mit Allgemeinverfügungen Sicherheit
herbeizuzaubern, ist politische Fantasy – nicht mehr als ein beeindruckend
aussehendes Schwert mit stumpfer Klinge.
30 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.klingenreich.de/herr-der-ringe-anduril-das-schwert-koenig-elessars
(DIR) [2] https://www.presseportal.de/download/document/6a69a87b270000fd2c774bda-260729-allgemeinverf-gung-h-hbf-august-gesiegelt.pdf
(DIR) [3] /Waffenverbot-im-Hamburger-Nahverkehr/!6054283
(DIR) [4] /Psychologe-ueber-Hamburger-Messerangriff/!6090880
(DIR) [5] https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/700/gefaehrliche-symbolpolitik-9698.html
(DIR) [6] /Messerverbotszonen/!6059508
(DIR) [7] https://www.zdfheute.de/politik/messer-attacken-zunahme-kriminologe-praevention-100.html
(DIR) [8] http://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/ForumKI/ForumKI2024/Praesentationen/kiforum2024_Waffenverbot.pdf?__blob=publicationFile&v=4
## AUTOREN
(DIR) Robert Matthies
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