# taz.de -- Anschlag auf den Berliner CSD: Chronik des Schreckens
       
       > Ein Transporter rast Samstagnacht in eine feiernde Menschenmenge. Eine
       > Person stirbt, Dutzende weitere sind verletzt. Rekonstruktion der
       > Ereignisse.
       
 (IMG) Bild: Tatwaffe: der zerstörte Transporter im Tiergarten
       
       Samstagabend, kurz vor 22 Uhr. Der Berliner CSD steht kurz vor seinem
       fulminanten Abschluss. [1][Es ist die bislang größte Berliner Pride
       Parade], nach Polizeiangaben feierten mehrere hunderttausend Menschen
       tagsüber ausgelassen. Auf der Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor
       hat gerade Sarah Connor unter großem Jubel ihr Set beendet. Immer mehr
       Besucher:innen machen sich auf den Heimweg, viele auf Pfaden durch den
       umliegenden weitläufigen Berliner Tiergarten.
       
       Noch ermittelt die Polizei zum genauen Ablauf des Terroranschlags. Doch
       nach bisherigem Kenntnisstand raste ein weißer Kleintransporter auf dem
       zeitweise parallel zu Lenné- und Tiergartenstraße verlaufenden Ahornsteig
       gezielt in feiernde Menschengruppen und prallte schließlich gegen einen
       Baum. Mindestens ein Tatverdächtiger stieg danach aus dem Fahrzeug und floh
       zu Fuß.
       
       Die Polizei hält es bei Redaktionsschluss für möglich, dass auch mehrere
       Täter beteiligt gewesen sein könnten. Darauf weist auch ein zweiter Airbag
       hin, der beim Tatfahrzeug ausgelöst wurde. Unklar ist weiterhin, ob der
       oder die Täter nach dem Aufprall weitere Menschen mit einer Hieb- oder
       Stichwaffe angriffen.
       
       Laut einer Rettungsassistentin, mit der die taz sprach, berichteten zwei
       Zeugen, wie ihre Freundesgruppe von einem „Mann mit einer Machete“ aus
       einem Gebüsch heraus attackiert worden sei. Drei Personen der Fünfergruppe
       wurden schwer verletzt. Auch die Polizei bestätigt, dass „mehrere Personen
       Stichverletzungen“ erlitten haben. „Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob
       es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab. Ob jemand dann das Fahrzeug
       verlassen hat und mit möglichen Stichwaffen auf Personen eingewirkt hat und
       die verletzt hat“, sagte der Berliner Polizeisprecher Florian Nath.
       
       ## Evakuierung verläuft reibungslos
       
       Die erste Bilanz ist desaströs: Laut Angaben der Berliner Feuerwehr erliegt
       eine Person nach einem erfolglosen Reanimationsversuch noch am Tatort ihren
       Verletzungen, mindestens 29 weitere werden verletzt. Davon drei
       lebensbedrohlich, es gibt mindestens fünf Schwerverletzte. Rund 30 Personen
       stehen unter Schock und werden vor Ort psychologisch betreut.
       
       Nur wenige Minuten nach dem Angriff bricht die Veranstaltungsleitung den
       CSD vorzeitig ab. Es läuft eine queere Michael-Jackson-Performance, als ein
       Mitglied der Leitung die Show unterbricht: „Wenn ich auf die Bühne komme,
       gibt es leider nicht ganz so gute Nachrichten. Leider müssen wir die
       Veranstaltung aufgrund einer schwierigen Situation vorzeitig beenden“. Die
       Besucher:innen werden gebeten, den Veranstaltungsbereich auf der Straße
       des 17. Juni in Richtung Brandenburger Tor zu verlassen. Die Evakuierung
       geschieht ruhig und reibungslos, eine Massenpanik kann vermieden werden.
       
       Wenig später ruft die Einsatzleitstelle der Feuerwehr einen „Massenanfall
       an Verletzten“ aus. Sanitäter:innen und Notärzt:innen werden aus
       dem Feierabend in die Rettungsstellen und an den Tatort geschickt.
       Schwerverletzte werden mit einem Hubschrauber in die Charité gebracht.
       
       Die Polizei leitet kurz nach der Tat eine umfassende Großfahndung ein.
       Unterstützt werden die Einsatzkräfte von Kolleg:innen aus Sachsen und
       Sachsen-Anhalt sowie von der Bundespolizei. Drohnen sind im Einsatz, das
       Dröhnen der Polizeihubschrauber ist die gesamte Nacht zu hören.
       
       ## Verdächtiger auf der Flucht
       
       Um 2.30 Uhr teilt Polizeisprecher Florian Nath in einem Lage- Update auf
       dem Kurznachrichtendienst X mit, dass ein Tatverdächtiger ermittelt sei.
       „Es handelt sich um einen Mann, der in Berlin bereits polizeibekannt ist
       und dem islamistischen Milieu zuzurechnen ist.“ Kurz zuvor hatte ein
       Sondereinsatzkommando die Wohnung des Verdächtigen in Berlin gestürmt, aber
       ohne Erfolg.
       
       Am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr, veröffentlicht die Polizei dann [2][den
       offiziellen Fahndungsaufruf] zu dem 21-jährigen Abdul B. mit dessen Foto.
       Wer die Person treffe, solle sie „in keinem Fall“ ansprechen, Abdul B. sei
       „möglicherweise bewaffnet und gefährlich“.
       
       Im Laufe des Sonntagvormittags setzt die Polizei die Ermittlungen mit
       Hochdruck fort: Mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte durchsuchen
       Bahnhöfe und Züge, ICEs werden angehalten. Den Terrortatort rund um den
       zerstörten Transporter im Tiergarten suchen Beamte mit Spürhunden ab.
       
       Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) teilt unterdessen während einer
       Pressekonferenz am Sonntagnachmittag mit, dass mehrere Handys beschlagnahmt
       wurden, und kündigt weitere Untersuchungen von Objekten an.
       
       Während [3][der mutmaßliche Täter auf der Flucht erschossen] wurde, gibt es
       auch gute Nachrichten: Gegen 12 Uhr am Sonntag berichtet die Charité, dass
       vier der acht stationär behandelten Personen mittlerweile entlassen werden
       konnten. „Es besteht zum jetzigen Zeitpunkt keine Lebensgefahr.“
       
       26 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /CSD-in-Berlin/!6199213
 (DIR) [2] https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2026/pressemitteilung.1697457.php
 (DIR) [3] /CSD-in-Berlin/!6199349
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Christopher Street Day
 (DIR) Schwerpunkt Islamistischer Terror
 (DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Christopher Street Day
 (DIR) Christopher Street Day
 (DIR) Christopher Street Day
 (DIR) Christopher Street Day
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Anschlag auf den CSD: Wenn es um Hass geht, sind sich Rechtsextreme und Islamisten einig
       
       Diesmal kam der Angriff auf unsere offene Gesellschaft von einem
       Islamisten. Wir dürfen uns von diesem Hass nicht blenden lassen, egal woher
       er kommt.
       
 (DIR) Nach Anschlag auf CSD in Berlin: Eine Stadt unter Schock
       
       Berlins Spitzenpolitiker und der Queerbeauftragte reagieren nach dem
       Anschlag auf den CSD mit Trauer und Entsetzen. Die AfD nutzt den Angriff
       für ihre Agenda.
       
 (DIR) CSD in Berlin: Wir müssen zusammenrücken
       
       Endlich mal vom eigenen Truck herunterwinken: Für unsere Autorin ist der
       Berliner CSD wie Weihnachten. Dann nahm das Fest ein schreckliches Ende.
       
 (DIR) Terror bei CSD in Berlin: FBI warnte schon 2024 vor Anschlägen auf Prides
       
       Vor zwei Jahren veröffentlichte das FBI eine Warnung zu Angriffen auf die
       LGBTQI+-Community. Auch CSDs in Deutschland werden zunehmend attackiert.
       
 (DIR) Anschlag auf den CSD: Dobrindt stuft Tat als „islamistischen Terroranschlag“ ein
       
       Ein Mann fährt in während des CSD am Samstagabend in die Menschenmenge.
       Laut Innenminister Dobrindt soll er als Waffe nicht nur das Auto, sondern
       auch eine Machete verwendet haben.