# taz.de -- Tödliche Folgen von Verkehrspolitik: Im Zweifel für das Auto
       
       > Die Zahl der verletzten und getöteten Kinder im Straßenverkehr steigt.
       > Kein Wunder bei der vorherrschenden menschenverachtenden Auto-Ideologie.
       
 (IMG) Bild: Mahnmal für getötete Fußgänger:innen in Berlin
       
       Die Prioritäten der CDU sind klar gesetzt: im Zweifel für das Auto. Zur Not
       werden dafür nicht nur Menschenleben, sondern gleich die ganze Zukunft von
       Mensch und Natur aufs Spiel gesetzt. Das zeigt sich sowohl bei der Frage
       Menschenleben versus Wirtschaftsverkehr als auch bei jener nach Klimaschutz
       versus Wirtschaftsverkehr.
       
       So ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Kinder unter 15 Jahren,
       die im Straßenverkehr getötet oder verletzt wurden, [1][im vergangenen Jahr
       um 7 Prozent auf 29.270 gestiegen]. Ein Großteil der Kinder war mit dem
       Fahrrad, zu Fuß oder mit dem E-Scooter unterwegs, meist auf dem Schulweg.
       
       Im Schnitt dreimal pro Stunde wird also auf Deutschlands Straßen ein Kind
       getötet oder verletzt, mehrheitlich durch Autos. Obwohl nachgewiesen ist,
       dass die Einführung von Tempo 30 innerorts die Zahl der Verkehrstoten und
       Unfallverletzten um bis zu 30 bis 40 Prozent verringern kann, weigert sich
       die CDU strikt, diese einfache lebensrettende Maßnahme umzusetzen.
       
       Warum? Weil fließender Wirtschaftsverkehr wichtig, Auto gleich Freiheit und
       lebensrettendes Tempolimit gleich „Ideologie“ ist. Was für eine
       menschenverachtende Ideologie dahintersteckt, dass man ungehindert
       dahinbretternde (Verbrenner-)Autos wichtiger findet als Menschenleben, sei
       mal dahingestellt.
       
       Dabei zeigen Studien, [2][dass Tempo 30 neben dem Lärmschutz, der
       Luftreinhaltung und der Verkehrssicherheit noch einen weiteren Vorteil
       bietet]: einen flüssigeren Verkehrsfluss als beim abrupten Wechselspiel aus
       Tempo 50 und Abgebremse. Doch derlei Argumente interessieren die CDU wenig,
       es geht ihr um Kapitalinteressen und nicht um Solidarität. Und Autos
       verkaufen sich nun einmal besser mit einem Freiheits- als mit einem
       Ökologieversprechen.
       
       ## Kapital statt Klima
       
       Dass kurzfristige Kapitalinteressen wichtiger sind als Klimaschutz, zeigt
       sich auch im Zuge des Niedrigwassers und der damit einhergehenden
       eingeschränkten Binnenschifffahrt. Statt die Güter auf die Schiene zu
       bringen und die Schieneninfrastruktur zu stärken, um Engpässe künftig
       besser aufzufangen, sprach sich der neue CDU-Verkehrsminister Steffen
       Bilger dafür aus, die Lkw-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen auszusetzen.
       Was die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz,
       Baden-Württemberg und das Saarland auch prompt taten.
       
       Dass man damit „Feuer mit Benzin“ bekämpft, wie Linke-Chef Luigi Pantisano
       zu Recht kritisiert – geschenkt. Dass die CDU mit ihrer – nicht vorhandenen
       – Klimapolitik und ihrem Verbrenner-Fetisch selbst dazu beigetragen hat,
       dass die Flüsse infolge der Klimakrise überhaupt so niedrig sind – egal.
       Statt die Prioritäten zu verschieben und die Verkehrswende voranzutreiben,
       werden künftig einfach noch ein paar Flussbetten ausgebaggert, was soll
       schon passieren. Spoiler: nichts Gutes.
       
       10 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_N055_46241.html
 (DIR) [2] /Reform-des-Strassengesetzes/!6017138
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marie Frank
       
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