# taz.de -- CDU-Kreisverband geht auf Distanz: Bleibt Jens Spahn im Bundestag?
       
       > Soll Jens Spahn nach seinem Rücktritt vom Fraktionsvorsitz auch sein
       > Abgeordnetenmandat zurückgeben? In seinem Wahlkreis wird darüber
       > diskutiert.
       
 (IMG) Bild: Wird er einfach sitzen bleiben? Jens Spahn auf den blauen Stühlen des Bundestags
       
       Seit 24 Jahren vertritt Jens Spahn den Wahlkreis 123 Steinfurt I – Borken I
       im Deutschen Bundestag. Fast ein Vierteljahrhundert lang wählten ihn die
       Menschen im nordrhein-westfälischen Münsterland direkt. Auch nach seinem
       Rücktritt als Fraktionschef möchte er sein Abgeordnetenmandat behalten,
       jedenfalls ist in seinem Rücktrittschreiben vom 18. Juli keine Rede davon,
       dass er darauf verzichten will.
       
       Doch kann Spahn weiterhin Abgeordneter bleiben? Ein Politiker, der auf
       seiner Webseite schreibt, Politik brauche „Haltung und klaren Kurs“ und
       dennoch so verschwiemelt versuchte, sich über Recht und Gesetz sowie die
       klare Position seiner Partei zum Thema Leihmutterschaft hinwegzusetzen?
       
       In Deutschland ist es verboten, eine andere Frau dafür anzuheuern, das
       eigene Kind auszutragen, die CDU lehnt das sogar ab, falls Frauen sich aus
       altruistischen Motiven dafür anböten. Als Politiker hat Spahn das Verbot
       stets unterstützt, als Privatmensch wichen er und sein Mann in die USA aus
       und [1][wurden dort mithilfe einer Leihmutter kürzlich Eltern.] Diese
       Doppelmoral ging selbst der CDU zu weit und führte schließlich zu Spahns
       Fall.
       
       Und auch sein Kreisverband geht auf Distanz. „Der Rücktritt von Jens Spahn
       als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird auch bei uns im
       Kreisverband intensiv und durchaus kontrovers diskutiert“, teilt die
       Vorsitzende des Kreisverbandes Borken, Heike Wermer auf Anfrage der taz
       mit. „Viele Mitglieder haben mit Unverständnis und zum Teil auch mit
       Verärgerung reagiert.“ Angesichts der berechtigten Fragen zu seiner
       Glaubwürdigkeit und der Belastung für die CDU sei der Rücktritt aus ihrer
       Sicht nachvollziehbar und notwendig gewesen.
       
       Wermer kündigt gegenüber der taz zudem an, nach Spahns Rückkehr aus den
       USA, werde sie das persönliche Gespräch mit ihm suchen. „Die Frage, welche
       Folgen sich über den Rücktritt vom Fraktionsvorsitz hinaus ergeben, sollte
       in Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt besprochen werden.“
       
       ## Petition für Rücktritt aus dem Bundestag
       
       Öffentliche Forderungen an Spahn, das Mandat niederzulegen gibt es bislang
       nicht aus dem Kreisverband. Auch die Vorsitzende der Frauen-Union Borken
       antwortet auf taz-Anfrage lediglich, Spahn weile mit seiner Familie derzeit
       in den USA, „wir wünschen ihm eine ruhige und liebevolle Zeit des
       Kennenlernens“.
       
       So verständnisvoll sind nicht alle im Wahlkreis. [2][Die Münsterland
       Zeitung hält Spahns Rücktritt für unausweichlich] – „Wer politisches
       Vertrauen so beschädigt, kann nicht einfach ein Amt aufgeben und das andere
       behalten.“ [3][Eine Petition im Netz] fordert Spahn ebenfalls zur Rückgabe
       von Amt und Diäten auf, „das wäre ein starkes Symbol dafür, wie wichtig es
       für Politiker ist, transparent, respektvoll und aufrichtig zu handeln“.
       Unterschrieben haben bis zum Redaktionsschluss jedoch lediglich 72
       Menschen.
       
       Sollte Spahn tatsächlich auf sein Mandat verzichten, würde zunächst eine
       direkt gewählte Kandidat:in, die nach dem neuen Wahlrecht keinen Sitz im
       Bundestag bekam, nachrücken oder eine Bewerberin der Landesliste
       Nordrhein-Westfalen. Designierte Nachfolgerin für Spahn wäre nach
       taz-Recherchen die Vorsitzende der Oberhausener Stadtratsfraktion
       Simone-Tatjana Stehr. Auf Nachfrage, ob sie bereitstünde, antwortet Stehr
       bis Redaktionsschluss nicht.
       
       Offen ist allerdings, ob Spahn den Wirbel um ihn nicht einfach als
       Hinterbänkler aussitzt. [4][Seine letzte Rede im Bundestag am 9. Juli]
       stellte Spahn jedenfalls unter das Motto: „The best is yet to come.“
       
       23 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Umstrittene-Leihmutterschaft/!6196582
 (DIR) [2] https://www.muensterlandzeitung.de/ahaus/jens-spahn-ruecktritt-mandat-kreis-borken-vertrauen-politische-verantwortung-w1223696-9002067829/
 (DIR) [3] https://www.change.org/p/fordern-sie-jens-spahn-zur-r%C3%BCckgabe-seines-bundestagsmandats-auf
 (DIR) [4] https://www.jens-spahn.de/blog/the-best-is-yet-to-come-bundestagrede-9-juli-2026/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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