# taz.de -- Nach der Debatte um Jens Spahn: Legalize Leihmutterschaft!
       
       > Das Verbot ist verlogen, paternalistisch und oft wirkungslos. Frauen
       > sollten selbst entscheiden, ob sie für andere ein Kind austragen wollen.
       
 (IMG) Bild: Das Verbot schützt Frauen nicht vor ökonomischen Zwängen, es nimmt ihnen lediglich die Freiheit zu entscheiden, auf welche Weise sie sich im Kapitalismus ausbeuten lassen
       
       Jens Spahn ist als Unionsfraktionschef weg, aber die Debatte über
       Leihmutterschaft kocht weiter. Erstaunlich, wie einig sich viele über das
       hierzulande [1][geltende Verbot] sind: Von Rechtsextremen über Konservative
       bis hin zu Teilen der Linken wird das Austragen von Kindern für andere
       geframt als „Ausbeutung“ des weiblichen Körpers, vor der Frauen geschützt
       werden müssten.
       
       Doch das Verbot schützt Frauen nicht vor ökonomischen Zwängen, es nimmt
       ihnen lediglich die Freiheit zu entscheiden, auf welche Weise sie sich im
       Kapitalismus ausbeuten lassen. Wenn eine Frau lieber ein Kind austragen
       möchte, als Klos zu putzen, wieso sollte sie das nicht dürfen? Weil ein
       Kind zu gebären etwas anderes ist, argumentieren Paternalisten.
       
       Stimmt. Vielen Frauen wäre es zu krass, ein Kind auszutragen und direkt
       nach der Entbindung abzugeben. Wer das nicht will, muss es nicht tun.
       Genauso wie bei Sexarbeit und Abtreibung sollte das jede Frau selbst
       entscheiden können. Frauen sind mündige Wesen, sie wissen selbst, was gut
       für sie ist und was nicht. Und es gibt Leihmütter, die gerne schwanger sind
       und diese Tätigkeit mögen.
       
       Würde es der Regierung tatsächlich um den Schutz von Frauen vor Ausbeutung
       gehen, müsste sie Lohnabhängige und den Sozialstaat stärken, etwa ein
       Grundeinkommen einführen oder wenigstens ein ordentliches Bürgergeld. Dann
       müsste keine Frau [2][ihren Körper für Geld zu einem „Brutkasten“ machen],
       wie Gegner:innen gern formulieren. Eine Wortwahl, die Leihmütter zu
       Tieren herabwürdigt.
       
       Wie viele Verbote unterbindet auch dieses nicht das Phänomen, sondern
       verlagert es – in Länder, in den Leihmutterschaft erlaubt ist, oder in die
       Illegalität. Das ist das eigentlich Gefährliche, denn
       Auftraggeber:innen sind in der Tat oft reicher und mächtiger. Gerade
       deshalb braucht es klare Regeln, transparente Verträge und soziale
       Absicherung. Legalize Leihmutterschaft!
       
       23 Jul 2026
       
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