# taz.de -- Jahresbilanz rechte Gewalt 2025: Der Einfluss der AfD in Zahlen
       
       > Über 4.000 Menschen wurden 2025 Opfer rechter Gewalt, davon sind 600
       > Kinder und Jugendliche. Beratungsstellen sind überlastet und befürchten
       > Kürzungen.
       
 (IMG) Bild: Vor allem im Alltag gibt es vermehrt rechte Gewalt: „am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Nachbarschaft“…
       
       Rechts motivierte Gewalt liegt auf einem anhaltend hohen Niveau. Seit 2021
       haben sich die Meldungen rechter Angriffe verdoppelt. Im Jahr 2025 ging die
       erfassten Zahlen der Opferberatungsstellen zwar erstmals seit Jahren leicht
       zurück. Grund dafür sei aber nicht eine sinkende rechte Gewalt, sondern die
       zunehmend prekäre Situation in Beratungsstellen aufgrund von Kürzungen. Die
       Verbände gehen von einer steigenden Dunkelziffer aus.
       
       Im Jahr 2025 wurden in Beratungsstellen insgesamt 3.167 Angriffe gemeldet,
       die rechts, rassistisch oder antisemitisch motiviert waren. Das berichtete
       der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und
       antisemitischer Gewalt (VBRG) am Dienstag bei einer Pressekonferenz.
       
       Von den Angriffen waren mindestens 4.298 Menschen unmittelbar betroffen.
       Bei 604 davon handelt es sich um Kinder und Jugendliche. Der VBRG meldet,
       dass 2025 zwei Menschen durch rechte Tötungsdelikte ihr Leben verloren.
       
       Das häufigste rechte Motiv bleibt Rassismus mit 1.729 registrierten Taten.
       Auch Fälle antisemitischer Gewalt blieben laut der Recherche- und
       Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) [1][2025 auf dem hohen Niveau des
       Vorjahres].
       
       325 der gemeldeten Gewaltdelikte richteten sich wiederum gegen queere
       Menschen. Kerstin Thost vom Verband Queere Vielfalt (LSVD) erklärte, von
       den gemeldeten queerfeindlichen Angriffen, seien insbesondere trans, inter
       und nicht binäre Menschen betroffen. „Seit Jahren sind die Zahlen bekannt.
       Seit Jahren liegen der Regierung konkrete Handlungsempfehlungen vor.“ Diese
       seien bis heute nicht umgesetzt.
       
       ## Rekordwert bei Angriffen auf politische Gegner
       
       Viele der Taten hätten auch einen AfD-Bezug, beobachtete Judith Porath vom
       VBRG. Vermehrt berichteten Betroffene etwa von Aussagen von Täter*innen,
       darunter etwa Drohungen, „was die AfD mit ihnen machen wird“.
       
       Bei Angriffen gegen politische Gegner*innen meldet der VBRG einen
       Rekordwert: 2025 wurden 656 Übergriffe erfasst, was eine Steigerung von 22
       Prozent gegenüber dem Vorjahr (542) bedeutet. Im Vergleich zu 2023 hat sich
       die Zahl mehr als verdoppelt (315 Fälle). Ziele waren hier Parteibüros,
       Wahlkampfstände, Demokratiefeste sowie alternative Wohnprojekte und
       Jugendklubs.
       
       Während die Meldungen bei den Beratungsstellen 2025 zurückgingen,
       verzeichnet das [2][Bundesinnenministerium (BMI)] zuletzt eine Steigerung
       um 5,6 Prozent. Wurden dort im Jahr 2024 noch 1.179 rechte Gewalttaten
       gemeldet, waren es im vergangenen Jahr 1.249 Gewalttaten.
       
       Der Rückgang bei den Beratungsstellen lasse sich auf das prekäre
       Beratungsangebot zurückführen, betont Porath. „Die Kolleg*innen sind
       einfach nicht mehr hinterhergekommen.“ Viele Förderungen wurden gekürzt,
       Beratungsstellen seien überlastet. Es könne vielerorts nicht ausreichend
       der Recherche und Beratung von Betroffenen nachgekommen werden. Dadurch
       steige die Dunkelziffer. [3][Durch den geplanten Umbau von „Demokratie
       leben“] könnten viele Beratungsstellen betroffen sein, wenn Förderungen vom
       Bund wegfielen.
       
       ## Einfluss der AfD führt zu rechter Gewalt
       
       Darüber hinaus berichten Betroffene und Beratungsstellen immer wieder
       davon, dass rechte und rassistische Tatmotive von staatlichen Stellen nicht
       ausreichend erkannt werden. Das schildert Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat
       Sachsen-Anhalt. Dort seien die Beratungsstellen zudem nicht ausreichend
       personell besetzt – durch eine mögliche AfD-Regierung ab September dürfte
       es noch schwieriger werden: „Dann besteht die Möglichkeit, dass es ab
       nächstem Jahr keine Beratung mehr gibt.“
       
       Die VBRG betrachtet die Statistik außerdem nicht als kurzfristige
       Entwicklung. Vielmehr zeige sich eine „zunehmende Normalisierung“ rechter
       Gewalt. Es vermehren sich die Angriffe im Alltag: „am Arbeitsplatz, in der
       Schule oder in der Nachbarschaft“, sagt Judith Porath vom VBRG.
       
       Extremismus-Forscher Cihan Sinanoğlu vom deutschen Zentrum für
       Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) betont die starke
       Verschränkung von rechts motivierten Gewalttaten und dem Einfluss der AfD.
       Rechte Gewalt entstehe nicht im luftleeren Raum. Sinanoğlu sieht die
       Grenzen verschoben, „was denkbar, sagbar und am Ende auch machbar ist“.
       
       Gesellschaftliche Ungleichheiten würden legitimiert, beobachtet auch Saaeid
       Saaeid vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. Ohne immer als solche erkannt zu
       werden. Das geschehe „nicht sprunghaft, sondern schleichend“. Das sei nicht
       nur ein Problem der inneren Sicherheit, sondern auch „Gradmesser für
       Demokratie“.
       
       „Viele Betroffene haben ihr Vertrauen in den Rechtsstaat verloren“, so
       Saaeid. Es reiche nicht, Betroffene aufzufordern, Gewalttaten anzuzeigen.
       Es brauche wirksame Maßnahmen, die deutlich machen: „Diese Angriffe bleiben
       nicht folgenlos.“
       
       22 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Adam Schwedhelm
       
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