# taz.de -- Danger Dan, Antifaschismus und das ZDF: Mit Legalismus gegen Rechtsextremismus?
       
       > Im ZDF geht die Angst um. Die Musiker Danger Dan und Igor Levit dürfen
       > nicht in der Satiresendung „Die Anstalt“ auftreten.
       
 (IMG) Bild: Danger Dan durfte mit seinem Song „Keine Angst“ im ZDF nicht auftreten
       
       Die Frage, wie weit man beim antifaschistischen Selbstschutz gehen darf und
       sollte, ist eine alte. Sie beschäftigte die Szenen bereits in der alten
       Bundesrepublik, als viele von gewalttätigen Rechtsextremisten allein wegen
       Herkunft, Aussehens, Lebenswandels oder sexueller Orientierung angegriffen
       wurden.
       
       Aus einer Erfahrung, dass Verfassungsschutz und Polizei nicht unbedingt
       immer hilfreich zur Stelle waren, resultierte die Selbstorganisierung in
       zumeist losen Antifagruppen. Mit dem Zusammenbruch der DDR und der darauf
       folgenden Offensive der völkischen Rechten wurde der praktische
       Antifaschismus in den 1990ern noch drängender. Was tun, wenn ganze
       Bevölkerungsgruppen unmittelbar angegriffen werden, kein Staat Willens oder
       in der Lage ist, sie zu schützen?
       
       Darüber singen seit jeher verschiedene Undergroundbands wie auch Danger Dan
       und die Antilopen Gang. Für die antiautoritäre Linke sind kulturelle
       Ausdrucksformen Teil der Lebens- und der Aushandlungsprozesse. Und diese
       finden zumeist eher keinen Eingang in den Mainstream des deutschen
       Fernsehens.
       
       Danger Dan und Igor Levit traten dennoch bereits 2021 gemeinsam mit dem
       Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ in der TV-Sendung „ZDF
       Magazin Royale“ von Jan Böhmermann auf. Die Klavierballade bespöttelt die
       AfD und einzelne führende Rechtsextremisten. Danger Dan appelliert in
       Wilhelm Tell’scher Weise an eine republikanisch-antifaschistische
       Grundhaltung. Und lotete ironisch dabei „juristisch die Grauzonen aus“,
       worüber man gerade noch so singen darf.
       
       ## Song gegen Faschisierung
       
       Mit dem am Freitag veröffentlichten Song „Keine Angst“ gehen Danger Dan und
       die Antilopen Gang noch etwas weiter. Hintergrund ist die bevorstehende
       Übernahme ganzer Bundesländer durch die AfD. Danger Dan sollte den Song
       zusammen mit Igor Levit in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ am Dienstag
       präsentieren. [1][Die Leitung des TV-Senders untersagte kurzfristig den
       Auftritt], der Song sei gewaltverherrlichend.
       
       „Keine Angst“ ist also nun, anders als „Das ist alles von der Kunstfreiheit
       gedeckt“, nicht mehr Teil des öffentlich-rechtlich Präsentierbaren. Doch
       warum?
       
       Tatsächlich hört sich die Ballade als eine Zuspitzung bisheriger
       Danger-Dan- und Antilopen-Gang-Lyrics an. Allerdings weiterhin im
       künstlerischen Kontext eines Lieds, was manche Politkommentatoren eilfertig
       übersehen.
       
       In einem performativ-künstlerischen Akt spricht Danger Dan (auch
       humoristisch interpretierbar) zu Jüngeren. Über das, was sie tun könnten
       und über das, was sie tunlichst vermeiden sollten, um die kulturelle
       Hegemonie über soziale Räume erfolgreich zu verteidigen. Der Song bleibt
       dabei als Kunstprodukt selbst Teil dieser Strategie, ist keine blanke
       Handlungsanweisung wie fälschlich behauptet.
       
       ## Erweitertes Demokratieverständnis
       
       „Helft euren Lokalzeitung’n mit Information’n / Wenn sie nicht schon von
       selbst dahinterkomm’n / Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt /
       Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach / Mit etwas Glück
       kriegen sie Post oder geh’n in den Knast / Doch ihr wärt blöd, wenn ihr
       euch auf den deutschen Staat verlasst / Die Erfahrung zeigt genau das
       Gegenteil / Es gibt so viele Faschos bei der Polizei“.
       
       Danger Dan setzt prinzipiell auf den Konspiration-als-Fun-Faktor. Und
       darauf, die Eintrittshürden dafür niedrig zu halten, keine Aufnahmerituale
       oder Hierarchien wie bei der autoritären Linken. Er ist Demokrat, aber
       skeptisch gegenüber der real existierenden Demokratie, wie die zitierten
       Zeilen oben zeigen. Prinzipiell geht es um die demokratische Vertiefung und
       ein hedonistisches linkes Politikverständnis.
       
       Den in dem Song zum Ende hin formulierten Gruß an inhaftierte Antifas kann
       man als einen etwas koketten künstlerischen Appell an eine allgemeine
       Solidarität verstehen. Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen
       Gewaltanwendung ist es nicht. Zumal er sich an Akteure richtet, die in den
       Augen vieler subkulturell und antifaschistisch orientierter Menschen
       eindeutig zu weit gingen.
       
       Menschenrechtlich orientiertes Handeln mag manchmal die Brechung von Regeln
       erfordern. Außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral steht man
       deswegen jedoch nicht. In diesem Sinne: „Keine Angst / Keine Angst / keine
       Angst / keine Angst“.
       
       19 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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