# taz.de -- Konzert in Berlin nach Absage des ZDF: „Wie gehen wir um mit rechter Gewalt?“
       
       > Nachdem das ZDF ihren Auftritt gestrichen hat, treten Danger Dan und Igor
       > Levit in Berlin auf. Die beiden spielen den umstrittenen Song „Keine
       > Angst“.
       
 (IMG) Bild: Pianist Igor Levit spielt mit Danger Dan (r.) bei einer Probe vor einem Benefizkonzert für die Ukraine (April 2022)
       
       dpa | Die Musiker Danger Dan und Igor Levit haben nach dem abgesagten
       Auftritt im ZDF [1][ein Ersatzkonzert in Berlin] gespielt und sich gegen
       Rechtsextremismus starkgemacht. In der vergangenen Woche habe es eine große
       Debatte gegeben, ob es okay gewesen sei oder nicht, sie aus einer
       ZDF-Sendung auszuladen, sagte Danger Dan im Columbia Theater. Das sei aber
       nicht die entscheidende Frage, ergänzte Pianist Levit.
       
       Die Debatte, die „wir eigentlich hätten führen müssen“, sei vielmehr: Wie
       gehe man mit Faschistinnen und Faschisten um, die gerade in die Parlamente
       gingen und auf der Straße seien, fragte Danger Dan. „Wie gehen wir um mit
       rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird?“
       
       „Und wie helfen wir?“, fragte Pianist Levit bei dem Konzert, das bei
       Youtube übertragen wurde. Wie unterstütze man Menschen, die in Gegenden
       lebten, in denen sie Angst haben müssten, aus dem Haus zu gehen, weil Nazis
       patrouillierten? Wie nehme man ihnen die Angst und zeige ihnen, dass sie
       nicht alleine seien? „Das ist die entscheidende Frage.“
       
       ## Als Aufruf zu Gewalt zu verstehen?
       
       Eigentlich wollte Danger Dan [2][sein neues Lied „Keine Angst“] gemeinsam
       mit Levit bei der 100. Ausgabe der Kabarettsendung „Die Anstalt“ spielen,
       die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie
       beschäftigt. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF jedoch, den
       Auftritt zu streichen, da der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden
       werden könne.
       
       Intendant Norbert Himmler sagte der Süddeutschen Zeitung, die
       Kurzfristigkeit der Ausladung müssten sie sich vorwerfen lassen. „Wir
       hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der
       eigentlichen Einladung.“ Inhaltlich verteidigte er die Entscheidung aber.
       Seiner Ansicht nach habe man es „unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung
       zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun“, der in freundliche Grüße an
       linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter münde, sagte
       Himmler.
       
       Danger Dan und Levit sprachen dagegen von einem Eingriff in die Meinungs-
       und Kunstfreiheit. Dem Spiegel sagte Danger Dan, er rufe niemanden dazu
       auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame
       Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. Er verabscheue Gewalt.
       „Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität.“
       
       Die Macher der Sendung „Die Anstalt“ hatten die Ausladung selbst als mutlos
       kritisiert. Einige von ihnen saßen nun in Berlin im Publikum, als der Song
       „Keine Angst“ gespielt wurde. Am Abend des Konzerts wurde auch ihre
       Jubiläumsfolge im Fernsehen gezeigt; sie ist [3][in der ZDF-Mediathek
       abrufbar]. Danger Dan sagte, die Causa ZDF würden sie gerne mit einem Satz
       abhaken: „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.“ So heißt einer
       seiner Songs, der vor fünf Jahren Schlagzeilen gemacht hatte.
       
       Die Entscheidung, das neue Lied „Keine Angst“ nicht im Fernsehen zu
       spielen, stieß auch bei acht Mitgliedern des ZDF-Fernsehrats auf Kritik.
       Das ZDF habe eine Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus
       in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung
       anzustoßen, hieß es in einem offenen Brief, der auf netzpolitik.org
       veröffentlicht wurde.
       
       Das Ersatzkonzert in Berlin trug den Titel „Die Keine Angstalt“. Der Gewinn
       sollte an den [4][Brandenburger Verein Opferperspektive] gehen, der sich
       für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt
       einsetzt. In Redebeiträgen wurde etwa an die Opfer des
       rechtsterroristischen Anschlags am Münchner Olympia-Einkaufszentrum vor
       zehn Jahren erinnert.
       
       22 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ersatzkonzert-nach-ZDF-Absage/!6197797
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64&list=RDGg-SCpXba64&start_radio=1
 (DIR) [3] https://www.zdf.de/play/shows/die-anstalt-104/die-anstalt-vom-21-juli-2026-100
 (DIR) [4] https://www.opferperspektive.de/verein/
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Danger Dan
 (DIR) Kunstfreiheit
 (DIR) ZDF
 (DIR) Antifaschismus
 (DIR) Danger Dan
 (DIR) Danger Dan
 (DIR) Kunstfreiheit
 (DIR) Kunstfreiheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Auftritt von Danger Dan und Igor Levit: Verschweigen funktioniert nicht mehr
       
       Das ZDF wollte einen Song streichen, daraufhin wurde der zum medialen
       Mittelpunkt. Die Rundfunkanstalt muss ihr Verhältnis zum Antifaschismus
       dringend überdenken.
       
 (DIR) Ersatzkonzert nach ZDF-Absage: Danger Dan holt sich seine Bühne zurück
       
       Nach der Absage seines ZDF-Auftritts organisiert Danger Dan ein
       Ersatzkonzert in Berlin. Der Erlös geht an den Verein Opferperspektive.
       
 (DIR) Danger Dan, Antifaschismus und das ZDF: Mit Legalismus gegen Rechtsextremismus?
       
       Im ZDF geht die Angst um. Die Musiker Danger Dan und Igor Levit dürfen
       nicht in der Satiresendung „Die Anstalt“ auftreten.
       
 (DIR) Debatte über Liedtext: Fragwürdige Antifa-Romantik
       
       Der Song „Keine Angst“ von Danger Dan und Igor Levit ist ein Aufruf zur
       Selbstjustiz. Es ist verständlich, dass das ZDF dem keine Bühne bieten
       wollte.