# taz.de -- Hitzeschutz in den Kommunen: Kritik an Hitze-Aussage von Umweltminister Schneider
> Der Umweltminister findet, Kommunen hätten genug Geld für den nötigen
> Hitzeschutz. Das sehen Klima- und
> Kommunalverwaltungsexpert*innen anders.
(IMG) Bild: Für den Hitzeschutz sind die Kommunen zuständig. In Essen wurden viele Bäume auch als Hitzeschutz neu gepflanzt
Gekühlte Krankenhäuser, Schulen und Pflegeeinrichtungen – für all das sei
laut Umweltminister Carsten Schneider (SPD) ausreichend Geld da. Am Montag
zog er im Deutschlandfunk die Kommunen und Länder in die Verantwortung,
vermehrt in Hitzeschutz zu investieren. Das zur Verfügung gestellte Geld
aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität würde ausreichen,
um die notwendigen Maßnahmen umzusetzen.
In Deutschland sind vor allem Länder und Kommunen zuständig für Hitzeschutz
und Hitzeaktionspläne – [1][doch besonders die kommunalen Kassen sind
klamm]. 100 Milliarden Euro sollen durch das Sondervermögen bis 2040
fließen – 8,3 Milliarden Euro pro Jahr. Dieses Geld geht an die
Bundesländer, von dort wird es teilweise an die Kommunen weitergegeben. Wie
viel, das entscheiden die Länder individuell – im Schnitt sind es 60 bis 70
Prozent.
Die Kommunen sowie Expert*innen für [2][Klima] und Kommunalverwaltung
widersprechen der Darstellung des Ministers, das Geld würde für den nötigen
Hitzeschutz ausreichen.
Franziska Ortgies, Referentin für kommunalen Klimaschutz und Bau beim
Bündnis Klima-Allianz, schätzt die Aussagen des Umweltministers als
„frustrierend“ für die Verantwortlichen in den Kommunen ein. Die seien
ohnehin „am Verzweifeln“.
## Schulklo oder Hitzeschutz
So sehr die Klimakrise drängt: Klima- und Hitzeschutz – also etwa
Straßengrün, Dämmung und Fassadenbegrünung – sind in den Kommunen formal
freiwillige Aufgaben. Sie fielen daher oft hinten runter, erklärt sie.
Weil das Geld begrenzt sei, müssten Prioritäten gesetzt werden, so Ortgies.
„Wenn etwas kaputt ist, fließt das Geld dann erst mal dorthin.“ Wenn zum
Beispiel Toiletten an Schulen nicht funktionieren, würden das
Schüler*innen jeden Tag spüren. Daher werde das dann sofort angegangen.
„Der Großteil geht dann in Verkehr, Infrastruktur und soziale Einrichtungen
wie Schulen und Krankenhäuser“, sagt Ortgies. Also in die Pflichtaufgaben
der Kommunen, zu denen der Bau und die Instandhaltung von Gemeindestraßen
zählen, aber etwa auch der Betrieb von Kitas oder einer Feuerwehr.
Das bekräftigt auch Catharina Schmalstieg, die bei der Gewerkschaft Verdi
Expertin für Kommunalverwaltung ist. Hitzeschutz sei „nur ein Baustein in
einer Vielzahl von Bereichen, für die die Kommunen auch zuständig sind“,
sagt sie. Gärten und Grünanlagen würden viel Geld kosten.
Viele vor allem größere Städte haben bereits einen Hitzeaktionsplan, der
zum Beispiel kühle Karten und Entsiegelung vorsieht. Allerdings hapert es
oft an der Umsetzung, berichtet Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer
des Deutschen Städtetages. „Ein kommunaler Hitzeaktionsplan bleibt ein
Papiertiger, wenn wir die darin enthaltenen Maßnahmen nicht umsetzen
können, weil den Städten das Geld fehlt“, meint er. Der Städtetag beklagt
einen kommunalen Investitionsstau von 30 Milliarden Euro pro Jahr.
Den Hitzeschutz würden die Kommunen „auch nicht mit Mitteln aus dem
Sondervermögen“ allein stemmen können, so Schuchardt. Diese würden zwar
helfen, seien aber nicht ausreichend. Allein für den Bau und die
Renovierung von Schulen bräuchten Gemeinden insgesamt 70 Milliarden Euro
mehr. Dabei bezieht sich der Verein auf Berechnungen des Kommunalpanels der
Kreditanstalt für Wiederaufbau von 2026.
Was soll passieren? Bund und Länder müssten vermehrt mitfinanzieren, sagt
Ortgies. Man solle sich außerdem in den Kommunen an einen Tisch mit
Gesundheitsämtern und Pflegeeinrichtungen setzen, um einen sozial gerechten
Klimaschutz zu ermöglichen. „Die vulnerabelsten Gruppen brauchen dort ihre
Fürsprecher*innen“, betont Ortgies.
29 Jun 2026
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(DIR) Charlotte Gabel
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