# taz.de -- Proteste gegen Grüne: Özdemirs Regierung schrumpft Artenschutz
> Weil der Nationalpark mehr als geplant gekostet hat, kürzt die grüne
> Umweltministerin bei der Landschaftspflege. Betroffene berichten von
> Kündigungen.
(IMG) Bild: Nachwuchs unterwegs in der Landschaft Baden-Württembergs
Der Schock ist groß unter Landschaftspflegern in Baden-Württemberg: Seit
Mai sind alle Aufträge für einjährige Maßnahmen von den Regierungspräsidien
storniert. Kann es wirklich sein, dass ausgerechnet eine [1][grüne
Umweltministerin] so rücksichtslos bis zu 12 Millionen Euro beim
Artenschutz spart? Viele sind verwundert, dass die gerade gewählte
grün-geführte Landesregierung unter Cem Özdemir ausgerechnet bei der
Bewahrung der Natur kürzen will.
„Es sind meist die besonders sensiblen Arten, die diesen Einsparungen zum
Opfer fallen“, sagt Wolfram Homburger, Forstwirt aus Engen. Die
Einsparungen bringen ihn auch selbst in Schwierigkeiten. Wenn sie nicht
rückgängig gemacht würden, müsse er kurzfristig Leute aus seinem Büro für
Landschaftspflege-Management entlassen, sagt Homburger.
Auch anderen geht es wegen der Ad-hoc-Kürzungen an die Existenz: Ein
Landwirt, der komplett auf Landschaftspflege umgestiegen ist, schreibt im
Internet auf der Site der neu gegründeten [2][Allianz für Artenvielfalt]:
„Ab März 2026 sind etwa 80 Prozent der projektierten Aufträge von den
zuständigen Behörden nicht vergeben worden. Die verbliebenen decken bei
weitem nicht die Fixkosten des Betriebs.“
Teile seiner Spezialausrüstung habe er verkaufen müssen, „um Steuern und
Sozialabgaben bezahlen zu können. Das Finanzamt kennt keine Gnade und
blutet uns komplett aus.“ In den vergangenen Tagen haben sich über 2.000
Biologen und Landwirte mit ähnlichen Problemen unter dem Dach der Allianz
zusammengeschlossen.
## „Über Jahre aufgebaute Strukturen werden zerstört“
Auf einer Webseite der Allianz können betroffene Landwirte ihre Verluste
melden und beschreiben. Sie berichten von Kündigungen, die sie aussprechen,
weil die Aufträge, die jetzt im Sommer abgearbeitet werden müssen, nicht
mehr da sind.
Hoch spezialisierte Bauern, die sich etwa auf die Zucht von Wasserbüffeln
in Naturschutzgebieten verlegt haben, stehen nach eigener Darstellung ohne
die versprochenen Zuschüsse vor dem Nichts. „Da werden gerade über viele
Jahre aufgebaute Strukturen zerstört“, sagt Ulrike Eberius, Mitinitiatorin
der Allianz für Artenvielfalt.
Die Naturschutzbehörden seien auf Landwirte und Unternehmen angewiesen, die
sich auf anspruchsvolle Landschaftspflegearbeiten spezialisiert haben.
Umweltministerin Thekla Walker bedauert die Einsparungen. „Wir arbeiten mit
Hochdruck an einer Lösung“, sagte sie zur taz. Sie hoffe, bis Jahresende
die Fehlbeträge ausgeglichen zu haben. Die überraschenden Kürzungen lägen
an nicht vorhergesehenen Mehrausgaben im Naturschutz. Dabei fällt offenbar
ausgerechnet die [3][Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald], ebenfalls
ein Naturschutzprojekt, ins Gewicht.
Das Herzensprojekt von Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschmann wurde in
diesem Jahr durch einen Lückenschluss vollendet. Der künftig naturbelassene
Wald soll ebenfalls dem Artenschutz dienen und war seit 2011 gegen
Widerstände der Waldwirtschaft durchgesetzt worden.
Doch der langfristige Gewinn an Artenschutz auf der einen Seite kompensiert
nach Einschätzung der Allianz für Artenvielfalt nicht die nun fehlende
dezentrale Basisarbeit. Es gehe auch um Vertrauen, das von den Behörden zu
Landwirten aufgebaut wurde, argumentiert die Allianz.
Rechtlich ist gegen die kurzfristigen Kürzungen im Biotopschutz nichts
einzuwenden. Während die fünfjährigen Verträge erhalten bleiben, können
kurzfristige Landschaftspflegearbeiten auch kurzfristig gekürzt oder
storniert werden. Der niedrige zweistellige Millionenbetrag ist im
Vergleich zum Umwelt-Etat von 716 Millionen Euro im Jahr 2026 gering.
Offenbar handelt es sich um eine Fehlplanung im Ministerium. Die
Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Sylvia
Pilarsky-Grosch, kritisiert vor allem die Kommunikation des Ministeriums
und des zuständigen Staatssekretärs Andre Baumann. Aber der BUND vertraut
auch auf die Zusagen der Ministerin, dass die Kürzungen noch im Laufe des
Jahres ausgeglichen werden können. „Das muss bis zur Sommerpause geklärt
sein, sonst gehen wir stärker auf Konfrontation“, erklärt die BUND-Chefin.
Die Schäden für den Artenschutz durch die Einsparungen seien dann
wahrscheinlich überschaubar. Pilarsky-Grosch warnt aber auch davor, dass
die Gesellschaft angesichts schrumpfender Staatseinnahmen auch noch einmal
neu aushandeln müsse, „welche Naturschutzmaßnahmen wir uns leisten müssen
und welche nicht“.
14 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Regierung-in-Baden-Wuerttemberg/!6178870
(DIR) [2] https://www.allianz-fuer-artenvielfalt.de/
(DIR) [3] https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/erweiterung-des-nationalparks-schwarzwald
## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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