# taz.de -- Kampf gegen überhöhte Mieten: „Die Mieter müssen jetzt nichts mehr machen“
> Die schwarz-rote Koalition will am Donnerstag im Abgeordnetenhaus ein
> Mietenkataster beschließen. Das verpflichtet Vermieter zu konkreten
> Angaben.
(IMG) Bild: Ein Mietenkataster soll zahlreichen überhöhten Mieten in Berlin ein Ende machen
Für SPD-Fraktionschef Raed Saleh war es [1][schon jüngst im taz-Interview]
eine „mietenpolitische Revolution“. Sein parlamentarischer Geschäftsführer
Torsten Schneider legte am Mittwoch noch eins drauf. „Eine Bombe“ sei das
Mietenkataster, das die schwarz-rote Koalition am Donnerstag beschließen
will, wenn das Abgeordnetenhaus zum letzten Mal vor der Sommerpause tagt.
Es ist eine Art Show-down im Plenarsaal: Das Parlament kommt zwar nach den
Ferien vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September noch zweimal zusammen.
Doch wegen des dann in die Hochphase gehenden Wahlkampfs sind dabei keine
großen Beschlüsse mehr zu erwarten.
Das Mietenkataster geht zurück auf einen Antrag, den die SPD-Fraktion zu
Jahresbeginn [2][bei ihrer Klausurtagung in Rostock] beschlossen hat. Damit
könnten zum ersten Mal Daten über jede einzelne Wohnung, die Miethöhe und
den Eigentümer gesammelt und im Falle des Verdachts von Mietwucher direkt
an die Staatsanwaltschaft übergeben werden. Bei einem Pressegespräch über
den Entwurf dazu am Mittwoch gingen Schneider und der SPD-Haushaltsexperte
Sebastian Schlüsselburg von einem großen Anteil überhöhter Mieten unter den
Verträgen von fast 1,8 Millionen Mietwohnungen in Berlin aus.
Der Koalitionspartner CDU habe in den seit Jahresbeginn laufenden
Gesprächen stets dasselbe Ziel wie die SPD verfolgt, nämlich die schwarzen
Schafe unter den Vermietern aufzuspüren. Umstritten waren laut Schneider in
den vergangenen Monaten in der Koalition allein rechtliche Fragen. Kritiker
hatte nach Bekanntwerden der Pläne zahlreiche rechtliche Bedenken geäußert.
## Ein gutes Gefühl bei der Rechtssicherheit
Die sind aber laut Fraktionsgeschäftsführer Schneider ausgeräumt: „Wir
haben ein sehr, sehr gutes Gefühl, was die Rechtssicherheit angeht“, sagt
er. Im Frühjahr 2021 war am Bundesverfassungsgericht der Mietendeckel
gescheitert, den die damalige rot-rot-grüne Landesregierung im Januar 2020
beschlossen hatte. Der Deckel aber galt schon vorab [3][als juristisch
gesehen komplettes Neuland], weil es an eindeutiger voriger Rechtsprechung
fehlte.
Das jetzige Gesetz zum Mietenkataster verpflichtet Vermieter und
Hauptmieter, binnen eines Jahres Angaben über die Miethöhe und die Zahl der
Mieter sowie die Ausstattung der jeweiligen Wohnung machen. Mithilfe
künstlicher Intelligenz sollen diese Angaben abgeglichen werden – nicht nur
[4][mit dem Mietspiegel], sondern auch mit weiteren begrenzenden Vorgaben.
Das Mietenkataster ist damit eine Fortsetzung der Mietprüfstelle, die der
Senat vor 16 Monaten eingerichtet hat.
Die zentrale Neuerung ist für den SPD-Abgeordneten Schlüsselburg, dass bei
der Prüfstelle Mieter noch selbst ihre Anliegen und Vermutungen zu
überhöhter Miete vortragen müssen. Durch das Kataster und die
Auskunftsverpflichtung sei das nicht mehr nötig. „Die Mieter müssen jetzt
nichts mehr machen“, sagte Schlüsselburg am Donnerstag. Er geht davon aus,
dass zahlreiche Vermieter ihre Miete von sich aus absenken werden, bevor
sie ihre Angaben machen. Denn bei Verstößen drohen Bußgelder bis 100.000
Euro.
1 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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