# taz.de -- Portal gegen Mietwucher geplant: Kiel will von Hamburg lernen
       
       > Der Mietspiegel bringt es an den Tag: Viele Wohnungen in Kiel werden
       > überteuert angeboten. Der Mieterverein fordert Neubau und Regulierung.
       
 (IMG) Bild: Schön, aber womöglich zu teuer: Wohnungen an der Kieler Förde
       
       Kleine Wohnung, hohe Kosten: Der Mietspiegel in Kiel zeigt eine „dynamische
       Entwicklung“, so heißt es in einer [1][Mitteilung des für Wohnraum und
       Soziales zuständigen Bürgermeister Gerwin Stöcken (SPD)]. Das ist noch
       vorsichtig ausgedrückt: Die Stadtverwaltung hat den Mietspiegel ausgewertet
       und fand Verdachtsfälle von unangemessen hohen Forderungen bis hin zum
       Mietwucher. Wie die Politik damit umgeht, ist noch unklar.
       
       Ann Sophie Mainitz, die Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins, warnte
       bereits im Jahr 2025 davor, dass „die Mieten ein Niveau erreicht haben,
       welches [2][für einige Mieter:innen nicht mehr leistbar] ist“. Diesem
       Problem müsse „dringend mit Neubau im bezahlbaren Segment und
       Regulierungsinstrumenten entgegengewirkt“ werden, forderte sie. Doch der
       Stadt fehlten belastbare Zahlen. Die liegen nun, zumindest in begrenztem
       Umfang, vor. Grundlage ist der qualifizierte Mietspiegel, der seit April
       2025 gilt.
       
       In knapp acht Prozent der untersuchten Verträge fand das mit der
       Untersuchung beauftragte ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung
       Summen, die 20 Prozent über dem ortsüblichen Schnitt lagen, das ist
       rechtlich gesehen eine Ordnungswidrigkeit. Auch einige Fälle [3][mit einer
       um 50 Prozent zu hohen Miete fielen auf – das wäre strafbarer Wucher].
       
       Die Auswertung basiert auf rund 2.500 Datensätzen, ist damit also nicht
       allzu breit. Dennoch hat das Institut Tendenzen ausgemacht. So waren
       überwiegend Neuvermietungen von kleineren Wohnungen mit bis zu 50
       Quadratmetern betroffen. Unter der städtischen Mail-Adresse
       [4][mietpreisrecht@kiel.de] meldeten sich zudem Betroffene, die möblierte
       Wohnungen zu überhöhten Preisen gemietet haben.
       
       ## Oft keine Hilfe gewollt
       
       Die Stadt habe alle Mails beantwortet und Hilfe angeboten, aber oft hätten
       die Betroffen nicht gewollt, dass jemand Kontakt zu den Vermietenden
       aufnehme, heißt es in Stöckens Mitteilung, über die als Erstes die Kieler
       Nachrichten berichteten. Kiel stehe im engen Austausch mit Frankfurt am
       Main und Hamburg, um „von deren Best Practice zu lernen“.
       
       Ratsmitglied Björn Thoroe, Vorsitzender der gemeinsamen Ratsfraktion der
       Linken und der PARTEI, fühlt sich bestätigt. Bereits im Frühjahr hatte die
       Fraktion beantragt, „Mietwucher konsequent zu verfolgen und zu ahnden“. Das
       war im Mai im Sozialausschuss niedergestimmt worden. Nun aber freue man
       sich sehr, „dass unser Antrag, ein Meldeportal für Mietwucher in Kiel
       einzurichten, nun doch umgesetzt werden wird“, sagt Thoroe.
       
       Darüber hinaus solle die Stadt aktiv gegen Mietwucher vorgehen: „Bloßes
       Abwarten, dass sich betroffene Mieter:innen von selbst melden, reicht
       nicht aus.“ Tatsächlich zeigen Erfahrungen aus Hamburg, dass der
       [5][„Mietenmelder“ dort wenig bewirkt hat]. Immerhin hat die Hansestadt in
       diesem Jahr die [6][Regeln für tageweise Vermietung, das Geschäftsmodell
       von Plattformen wie Airbnb, verschärft].
       
       Dennoch setzen auch die Grünen, die in Kiel den Oberbürger stellen, auf
       eine Meldestelle: „Wir müssen überhöhten Mieten und Mietwucher konsequent
       entgegentreten“, sagt Finn Pridat, Ratsmitglied und Sprecher des
       Kreisvorstandes der Kieler Grünen. Die in der Studie identifizierten
       Verdachtsfälle müssten sorgfältig geprüft werden, und es sei richtig, dass
       die Stadt eine Meldestelle einrichten wird. Zudem brauche es mehr
       bezahlbaren Wohnraum.
       
       Der Immobilien-Verband „Haus und Grund“ hält dagegen die Datenbasis der
       aktuellen Studie für zu klein und damit zu ungenau, wie dessen Kieler
       Geschäftsführer Sönke Bergmann dem NDR sagte. Überhaupt sei Mietwucher ein
       Fall für den Staatsanwalt, aber nicht für die Verwaltung.
       
       Der Verband kritisiert seit Längerem, dass die Stadt „[7][immer mehr
       Techniken organisierter sozialer Kontrolle“ einsetze], so heißt es in einer
       älteren Pressemitteilung. Ohne Frage gebe es schwarze Schafe unter den
       Vermietern – sowohl bei den Privaten als auch bei den Wohnungsunternehmen.
       „Allerdings müssen wir vorsichtig sein, alle in einen Topf zu werfen“,
       warnt Haus und Grund.
       
       Die Stadtverwaltung will sich zu weiteren Plänen nicht äußern. Das Thema
       werde im Herbst im Sozialausschuss beraten werden, sagte Rathaussprecherin
       Kerstin Graupner der taz.
       
       5 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.kiel.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=1006392&refresh=false
 (DIR) [2] https://www.kieler-mieterverein.de/presse/kiel-neuer-qualifizierter-mietspiegel-ab-april-2025/
 (DIR) [3] /Mietenmelder-in-Bremen/!6159482
 (DIR) [4] /mietpreisrecht@kiel.de
 (DIR) [5] /Ein-Jahr-Hamburger-Mietenmelder/!6148877
 (DIR) [6] /Schaerfere-Regel-fuer-Airbnb-und-Co/!6177012
 (DIR) [7] https://www.hausundgrund.de/verein/kiel/negative-campaigning-loest-keine-probleme-am-wohnungsmarkt
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Wohnen
 (DIR) Mietspiegel
 (DIR) Mietpreisbremse
 (DIR) Mieterverein
 (DIR) Mieten
 (DIR) Kiel
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Tourismus
 (DIR) Schwerpunkt Gentrifizierung in Berlin
 (DIR) Abgeordnetenhaus
 (DIR) Airbnb
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Surfwelle in Hamburg: Die Bullshit-Welle darf nicht über Hamburg hineinbrechen
       
       Mit einer stehenden Welle will eine private Firma künftig Elbwasser für 49
       Euro pro Stunde pro Person vermieten. So einen Bullshit brauchen wir nicht.
       
 (DIR) „Mietenscan“ des Berliner Senats: Vermietern eine Ansage machen
       
       Die Auswertung von Wohnungsinseraten zeigt: Gesetzesverstöße sind
       systematisch. Wann aber geht der Staat auch verbal in die Offensive?
       
 (DIR) Kampf gegen überhöhte Mieten: „Die Mieter müssen jetzt nichts mehr machen“
       
       Die schwarz-rote Koalition will am Donnerstag im Abgeordnetenhaus ein
       Mietenkataster beschließen. Das verpflichtet Vermieter zu konkreten
       Angaben.
       
 (DIR) Schärfere Regeln für Airbnb und Co.: Hamburg erschwert Zimmervermietung an Touristen
       
       In Hamburg darf Wohnraum nur noch für acht Wochen im Jahr tageweise, etwa
       als „Airbnb“ vermietet werden. Die SPD will so den regulären Mietmarkt
       stärken.