# taz.de -- Mietenkataster in Berlin: Wundermittel gegen Wuchermieten
> Es ist ein Erfolg für die SPD: Das Mietenkataster soll noch vor der
> Sommerpause kommen. Doch der Entwurf sei unambitioniert, kritisieren die
> Grünen.
(IMG) Bild: Blick auf Wohnhäuser im Berliner Bezirk Wedding
[1][Das von SPD und CDU angekündigte Mietenkataster] kommt noch in dieser
Legislaturperiode. Am Mittwoch stimmte der Hauptausschuss einem
Änderungsantrag zu, mit dem das Mietenkataster in den Entwurf des geplanten
Wohnraumsicherungsgesetzes mitaufgenommen wird. Einer Verabschiedung stünde
nun nichts mehr im Weg, sagt der SPD-Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg
der taz. „Der Beschluss erfolgt in der letzten Plenarsitzung vor der
Sommerpause.“
Der Änderungsantrag, welcher der taz vorliegt, gibt Auskunft über die
Ausgestaltung des Katasters. Demnach sollen künftig Vermieter verpflichtet
sein, detaillierte Angaben über Wohnungen und Mietverhältnis auf einer
zentralen Plattform einzutragen. Dazu zählen neben Adresse und
Quadratmeterzahl auch die Höhe der Miete, der Nebenkosten und die Dauer des
Mietvertrages.
Die Daten sollen Aufschluss darüber geben, [2][ob Vermieter:innen
überhöhte Mieten verlangen]. In Berlin gibt es viele Mechanismen, die
theoretisch überhöhte Mieten begrenzen sollen. Die Mietpreisbremse kappt
die Steigerung bei Wiedervermietung auf 10 Prozent über der ortsüblichen
Vergleichsmiete. Nach dem Wirtschaftsstrafgesetz sind Mieten, die über 20
Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, eine Ordnungswidrigkeit.
Ab 50 Prozent stellen „Wuchermieten“ sogar eine Straftat dar.
In der Praxis werden die Regelungen allerdings nur selten umgesetzt, weil
Mieter:innen selbst gegen ihren Vermieter aktiv werden müssen. Viele
Mieter:innen schrecken vor diesem Schritt aus Angst vor dem Verlust
ihrer Wohnung oder langer Rechtsstreitigkeiten zurück.
## Automatische Auswertung
Die Daten des Mietenkatasters sollen nun automatisch ausgewertet und die
zuständigen Behörden über Auffälligkeiten informiert werden. Die Bezirke
können dann gezielt gegen abzockende Vermieter vorgehen. „Das passiert
automatisch, ohne das ein Mieter etwas machen muss“, sagt Schlüsselburg.
Der SPD-Politiker, der maßgeblich an der Formulierung des Gesetzes
mitgewirkt hat, betont, in seiner jetzigen Form sei der Entwurf
rechtssicher. „Die Immobilienlobby wird sicherlich versuchen, das Gesetz
von allen Seiten anzugreifen, damit aber scheitern.“, sagt Schlüsselburg.
Nachgeschärft hat die SPD zum Beispiel eine Formulierung, nach der
Vermieter verpflichtet seien, Angaben zu machen, die zu ihrer eigenen
Strafverfolgung führen könnten. Laut einem Artikel in der Zeit war dieser
Passus sogar „grundrechtswidrig“.
Nun sei der Abschnitt so formuliert, dass Vermieter durchaus Angaben zur
Miethöhe verweigern können – dies aber bei den Verwaltungen sofort vermerkt
wird, so Schlüsselburg. Die Behörden könnten sich die Informationen dann
anderweitig beschaffen, in etwa, indem sie bei den Mieter:innen
nachfragen. Wichtig sei auch, so Schlüsselburg, das Kataster werde nicht
öffentlich, sondern ein „reines Verwaltungstool“. Namen von Mieter:innen
werden nicht erhoben.
## Grüne: „unambitioniertes Gesetz“
Mit dem Kataster versprechen sich die Sozialdemokraten eine kleine
Revolution auf dem Mietmarkt. „Das wird ein Gamechanger“, glaubt
Schlüsselburg. Im besten Falle könnte das Kataster dazu führen, dass
Vermieter:innen von sich aus überhöhte Mieten auf das legal zulässige
Niveau absenken.
Außerhalb der SPD ist die Begeisterung nicht ganz so groß. „Das Gesetz ist
total unambitioniert“, sagt Katrin Schmidberger, mietenpolitische
Sprecherin der Grünen. So sei es eine vertane Chance, dass das Kataster
keine Informationen über die Eigentümer der Immobilien einfordert. Oftmals
versteckten sich diese hinter luxemburgischen Briefkastenfirmen. [3][Auch
Leerstand] werde nicht gesondert erfasst. „Viele Dinge will man scheinbar
gar nicht erfassen“, kritisiert Schmidberger.
Sinnvoll wäre laut der Grünen auch die Vergabe einer festen
Identifikationsnummer für jede Wohnung, damit auch Eigentümerwechsel
dauerhaft nachverfolgt werden könnten. In seiner jetzigen Form bleibe das
Kataster weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. „Es ist der kleinste
gemeinsame Nenner“, kritisiert Schmidberger.
Mit der Umsetzung des Katasters wird sich Berlins kommende Regierung nach
der Wahl beschäftigen. Das Gesetz sieht eine Frist von 12 Monaten vor. Bis
dahin muss die IT-Infrastruktur stehen. Vorarbeit hat der
Schwarz-rote-Senat bislang keine geleistet, ergab die bislang
unveröffentlichte Antwort auf eine parlamentarische Anfrage Schmidbergers.
„Eine Abschätzung des benötigten Aufwands für den Aufbau und Betrieb […]
kann vom Senat erst nach Beschluss des Gesetzes vorgenommen werden“, heißt
es von der Senatsverwaltung.
11 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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