# taz.de -- „Widersetzen“ in Erfurt: Ziviler Ungehorsam gegen die AfD gehört zur Demokratie
       
       > Exakt 100 Jahre nach der NSDAP hält die AfD am Wochenende in Thüringen
       > ihren Parteitag ab. Wo die Politik versagt, muss Zivilgesellschaft
       > einspringen.
       
 (IMG) Bild: Gegendemonstration des Bündnisses Widersetzen gegen eine Remigrations-Kundgebung in Erfurt am 12. Juni 2026
       
       Bestimmte Dinge sollte es nicht geben, zumal in diesem Land. Den Hitlergruß
       etwa – der ist verboten. Den Antisemitismus – den gibt es leider noch. Vor
       allem aber sollte es keine große rechtsextreme Partei geben, die in
       Thüringen am 4. und 5. Juli einen Parteitag abhält – auf den Tag genau 100
       Jahre nachdem die NSDAP im thüringischen Weimar ihren ersten
       Reichsparteitag nach der Aufhebung ihres Verbots abhielt und die
       Hitlerjugend gründete.
       
       Eine funktionierende Gesellschaft würde eine solche Partei gar nicht erst
       groß werden lassen. Und eine funktionierende Politik hätte längst ein
       Verbotsverfahren in die Wege geleitet. Gutachten nach Gutachten,
       [1][zuletzt der Gesellschaft für Freiheitsrechte], zeigt, dass die AfD
       rechtsextrem und verfassungsfeindlich ist.
       
       In die Lücke tritt nun die Zivilgesellschaft. Wissenschaftler*innen
       halten am Tag vor dem Parteitag in Erfurt eine Konferenz zu den Gefahren
       des Faschismus ab. Ein Bündnis aus Nachbar*innen, Gewerkschafter*innen,
       Eltern, Schüler*innen und Ladenbesitzer*innen sowie Menschen aus
       über 80 Ortsgruppen in ganz Deutschland will unter dem Namen
       [2][„Widersetzen“ den Parteitag blockieren].
       
       Das schreckt einige mehr auf als der Parteitag selbst. [3][Befürchtet wird
       Gewalt] – nicht von den Parteimitgliedern, die nach härterem Vorgehen gegen
       Minderheiten rufen oder von der Polizei, die bei solchen Ereignissen nicht
       immer deeskalierend wirkt. Der Verdacht trifft vielmehr die
       Demonstrierenden selbst. Hierzulande fürchtet man Antifaschist:innen
       immer noch weit mehr als Faschist:innen.
       
       Die Frage, ob man einen Parteitag, der eigentlich gar nicht stattfinden
       können sollte, blockieren darf, greift zu kurz. In zivilem Ungehorsam kann
       sich Verfassungsloyalität ausdrücken. Die Blockade ist Illegalität im Namen
       der Legitimität. Die Frage ist nicht, ob man den AfD-Parteitag verhindern
       darf, sondern ob man es nicht muss. Wer unserer Verfassung und historischen
       Verantwortung gerecht werden will, kann kaum anders antworten als mit Ja.
       
       1 Jul 2026
       
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 (DIR) [1] /Gutachten-zu-moeglichem-AfD-Verbotsantrag/!6190640
 (DIR) [2] https://widersetzen.com/
 (DIR) [3] /Protest-gegen-AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6189326
       
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 (DIR) Ralf Michaels
 (DIR) Anne Gräfe
       
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