# taz.de -- Rentenreform und Lebensarbeitszeit: Ungerechtigkeiten verschärfen sich
       
       > Künftig sollen alle länger arbeiten. Dabei wäre es sinnvoller, das
       > Renteneintrittsalter an die Beitragslänge zu koppeln.
       
 (IMG) Bild: Früher Berufseinstieg, später in Rente: Besonders belastet sind Beschäftigte in körperlich harten Berufen
       
       Das Renteneintrittsalter soll weiter steigen. So hat es die
       Rentenkommission vorgeschlagen. Egal, ob Anwältin, Chefärztin,
       Krankenpflegerin, Handwerkerin – beim Renteneintrittsalter sind in
       Deutschland alle Arbeitnehmer:innen gleich. Ist das gerecht?
       
       Noch im Frühjahr hatte Bundeskanzler Merz (CDU) fast schon
       [1][sozialdemokratische Töne angestimmt]: Jemand, der mit 16 eine
       Ausbildung beginne und 45 Jahre ohne Unterbrechung arbeite, habe „ziemlich
       viel geschafft“. Wer hingegen erst später ins Berufsleben starte, habe „ein
       bisschen zu wenig gearbeitet“. Aber genau das ist die aktuelle
       Gesetzeslage: Alle dürfen mit 67 in Rente gehen, egal wie viele Jahre sie
       zuvor eingezahlt haben – zumindest alle, die nach 1964 geboren wurden.
       Diejenigen, die älter sind, dürfen etwas früher in Rente gehen, aber das
       ist ein anderes Thema.
       
       Es ist eher unwahrscheinlich, dass der Kanzler plötzlich ein Herz für
       Menschen ohne Privatflugzeug entwickelt hat, die direkt nach der Schule ins
       Berufsleben starten. Vielmehr geht es ihm um sein Lieblingsthema Arbeit und
       vor allem darum, wer in seinen Augen zu wenig arbeitet. Merz hat dabei
       einen Punkt: Es ist ungerecht, dass Akademiker:innen, die mit Anfang,
       Mitte, Ende zwanzig ins Berufsleben einsteigen, im gleichen Alter in Rente
       gehen können wie Menschen, die ihr gesamtes Erwachsenenleben Vollzeit
       gearbeitet haben.
       
       Abgeschafft werden soll auch die abschlagsfreie Rente nach 45
       Beitragsjahren. Von der profitieren vor allem jene, die früh angefangen
       haben zu arbeiten. Viele Akademiker:innen kommen gar nicht auf 45
       Beitragsjahre. Dass künftig das Renteneintrittsalter noch weiter ansteigen
       soll, verschärft die Ungleichheit zwischen den Berufsgruppen. Die
       [2][Rentenkommission empfiehlt], das Eintrittsalter an die steigende
       Lebenserwartung anzupassen. Beschäftige können 2041 also erst mit 67,5
       Jahren und 2051 mit 68 in Rente gehen.
       
       Akademiker:innen verdienen in der Regel mehr Geld als Menschen mit
       geringerem Bildungsabschluss. Ein höheres Einkommen hängt wiederum mit
       einer höheren Lebenserwartung zusammen. Sprich: Akademiker:innen haben
       nicht nur eine höhere Rente, sondern auch länger etwas von ihr. Bei
       Menschen, die in körperlich fordernden Berufen arbeiten, ist es fraglich,
       ob sie überhaupt bis zur Rente arbeiten können. Sie sollen sich künftig
       einer „individuellen Gesundheitsprüfung“ unterziehen, um vielleicht doch
       früher in Rente gehen zu können.
       
       Die Rentenkommission lehnt eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die
       Beitragsjahre ab. Doch genau das würde für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die
       Bundesregierung folgt der Kommission blind: Nach der Rentenreform werden
       alle länger arbeiten müssen – die ohne Hochschulabschluss eben besonders
       lang.
       
       26 Jun 2026
       
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 (DIR) [1] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/merz-rente-lebensarbeitszeit-reform-100.html
 (DIR) [2] /Vorschlag-der-Rentenkommission/!6189344
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Maier
       
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