# taz.de -- Ebola in der DR Kongo: Der Kampf gegen die Epidemie im Vertriebenenlager
       
       > Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat die
       > Vertriebenenlager inmitten des Kriegsgebiets im Osten erreicht. Dort
       > mangelt es an allem.
       
 (IMG) Bild: Nahe Bunia bereiten sich Mitarbeiter des Roten Kreuzes darauf vor, ein verstorbenes Waisenmädchen beizusetzen
       
       Jenseits der weißen Zelte mit dem Logo des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR
       heben kräftige junge Männer Gräber aus. Fast täglich müssen sie neue
       graben. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in der Demokratischen Republik
       Kongo in weißen Ganzkörper-Schutzanzügen tragen Särge zu den Löchern.
       
       In den vergangenen Wochen ist ein gewaltiger Friedhof neben dem
       Vertriebenenlager Kigonze entstanden. Rund 30 Menschen sind dort, am
       Stadtrand von Bunia, der Hauptstadt der ostkongolesischen Provinz Ituri, in
       den vergangenen Wochen mutmaßlich [1][an Ebola] verstorben, darunter auch
       Kinder.
       
       Über 15.000 vertriebene Kongolesen hausen in der selbst errichteten
       Zeltstadt, dicht an dicht gedrängt. Einige leben schon seit Jahren hier,
       sie wurden von Milizen aus ihren Dörfern vertrieben und suchen nahe der
       Provinzhauptstadt Schutz, wo Soldaten und UN-Blauhelme stationiert sind.
       Das Vertriebenenlager liegt inmitten des Ebola-Gebiets – und offenbar
       breitet sich das Virus nun rasant dort aus.
       
       „Früher sind die Leute nicht einfach so gestorben“, sagt Lagersprecher
       Desire Grodya Bapi gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Allein
       vergangene Woche seien zehn Menschen gestorben. Ob sie an einer
       Ebola-Infektion gestorben sind, sei nicht bekannt – Tests an den Leichen
       durchzuführen, hätten die Familien nicht erlaubt. „Unser Team versuchte,
       die Bevölkerung davon zu überzeugen, Ärzte die Leichen untersuchen zu
       lassen“, so Justin Zanamuzi vom katholischen Hilfswerk Caritas in Kigonze
       gegenüber Reuters. „Sie weigerten sich kategorisch.“
       
       ## Es fehlt an Wasser und Seife
       
       Ein weiteres Problem sei, dass es in den Vertriebenenlagern kaum fließendes
       Wasser, Seife oder Desinfektionsmittel gebe, so Bapi: „Die Latrinen füllen
       sich sehr schnell, und die Menschen müssen sie selbst mit bloßen Händen
       leeren.“
       
       Kongos Gesundheitsministerium bestätigte am Wochenende, dass die Zahl der
       positiv getesteten Patienten landesweit auf über 1.000 gestiegen ist, 254
       seien geheilt, 200 seien gestorben. [2][UNHCR] warnt nun, dass sich das
       tödliche Virus schnell in den Vertriebenenlagern ausbreiten könnte. Ein
       weiteres Lager sei bereits betroffen. Mehr als zwei Millionen
       Binnenvertriebene leben laut UNHCR in Risikogebieten im Osten Kongos, wo
       neben der Ausbreitung von Ebola täglich weiter zwischen Regierungstruppen,
       Rebellen und anderen Milizen [3][gekämpft wird.]
       
       Kongos Gesundheitsbehörden und Hilfswerke melden, dass in den vergangenen
       Tagen immer wieder Ebola-Patienten aus den Behandlungszentren ausgebrochen
       seien, weil es in den Kliniken nicht genug Nahrungsmittel gibt. Selbst
       Wasser und Seife seien Mangelware.
       
       ## 14 Millionen Dollar Hilfe benötigt
       
       Umgekehrt trauen sich Kongolesen in den betroffenen Gebieten nun nicht mehr
       in die Gesundheitsstationen, wenn sie krank sind. Viele sterben zu Hause an
       Malaria oder anderen Krankheiten – aus Furcht, eine Klinik aufzusuchen.
       Kongos Gesundheitsminister war in den vergangenen Tagen in der betroffenen
       Region. Gemeinsam mit dem UNHCR und anderen Hilfswerken wurden jetzt 100
       Gemeindevertreter trainiert, die Bevölkerung über den Ausbruch aufzuklären.
       
       Kongos [4][Gesundheitsminister Roger Kamba] verkündete am Wochenende:
       „Unsere Regierung hat beschlossen, die Gesundheitsversorgung in den von den
       Gesundheitszonen der Provinz Ituri aufgeführten Gesundheitseinrichtungen
       für die gesamte Dauer der Ebola-Epidemie kostenlos anzubieten.“
       
       Der UNHCR warnt nun vor einer weiteren, regionalen Ausbreitung – auch durch
       Fluchtbewegungen aufgrund des andauernden Krieges. Insgesamt 14 Millionen
       Dollar würden zusätzlich benötigt, um in sämtlichen Lagern die nötigste
       Hygiene sicherzustellen, von Wasser, Seife bis hin zu Desinfektionsmittel
       für die wenigen Toiletten.
       
       Bis zum Jahr 2024 hatte die US-Entwicklungsagentur USAID rund 60 Millionen
       Dollar für Hygiene-Programme in Kongos Vertriebenenlagern bereitgestellt.
       [5][Im vergangenen Jahr hat die Trump-Regierung USAID geschlossen.] Die UN
       gibt an, dass sich die Finanzierung von Toiletten und Handwaschstationen im
       Kongo zwischen 2024 und 2025 mehr als halbiert habe und nur noch etwa 38
       Millionen Dollar beträgt. Der diesjährige Spendenaufruf in Höhe von 80
       Millionen Dollar ist erst zu 21 Prozent finanziert.
       
       22 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kongos-Praesident-Tshisekedi-verhilft-sich-selbst-zur-dritten-Amtszeit/!6188358
 (DIR) [2] /UNHCR-Bericht-2025/!6186388
 (DIR) [3] /Angriffe-der-ADF-Miliz-in-der-DR-Kongo/!6184984
 (DIR) [4] https://x.com/MinSanteRDC/status/2068327961057530315
 (DIR) [5] /Studie-zu-Entwicklungszusammenarbeit/!6178434
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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