# taz.de -- Ebola in der DR Kongo: Unkontrollierter Ausbruch mit Superlativen
> Der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo bricht etliche Rekorde. Hoffnung liegt
> auf der Entwicklung neuer Impfstoffe und Geld aus afrikanischen Staaten.
(IMG) Bild: An Ebola erkrankte Person in einem Behandlungszentrum in Rwampara in der Demokratischen Republik Kongo
„Ich kann nicht behaupten, dass wir diesen Ausbruch heute vollständig unter
Kontrolle haben.“ Mit diesen Worten begann Jean Kaseya, Chef der
afrikanischen Seuchenbekämpfungsbehörde (Africa CDC), seine wöchentliche
Pressekonferenz, um über den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik
Kongo zu informieren. Die Zahlen lassen nur einen Schluss zu: [1][Der
Ausbruch ist außer Kontrolle.]
Mittlerweile bricht er sogar alle Rekorde: Mit fast 3.700 positiven Fällen
und mehr als 1.600 Toten handelt es sich um den schlimmsten Ausbruch im
Kongo sowie den schnellsten Ausbruch in der Geschichte der Menschheit.
Mittlerweile sterben rund 300 Menschen pro Woche an dem tödlichen Virus –
mehr als 60 Prozent davon zu Hause in ihren Betten. Diese Patienten
erreichen die Ebola-Behandlungszentren überhaupt nicht mehr und infizieren
damit in ihren Familien und Gemeinden weitere Menschen.
Mittlerweile sei die Liste an Kontakten, die sich möglicherweise angesteckt
haben könnten und deswegen überwacht werden müssten, auf rund 17.500
Menschen angestiegen. Doch nur rund 14.000 Kontaktpersonen können effektiv
überwacht werden. Die Sterblichkeitsrate liegt derzeit bei 44 Prozent der
Infizierten.
## Ebola-Teams sind oft nicht willkommen
Das größte Problem stelle neben der Unsicherheit inmitten des
Kriegsgebietes die ablehnende Haltung bei der Bevölkerung dar. Immer wieder
fahren Ebola-Teams [2][in abgelegene Orte oder in Vertriebenenlager] und
werden dort nicht willkommen geheißen. Einige Male mussten die Teams sogar
wieder abreisen. „Wir wollen keine militärischen Maßnahmen“, sagt Kaseya.
Der kongolesische Seuchenexperte weiß, welches Risiko es birgt, die marode
kongolesische Armee auf die Bevölkerung loszulassen. Um dieses Problem vor
Ort zu erläutern, wolle er am Dienstag und Mittwoch selbst in die Region
reisen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Ausbruch im Osten des Kongo
entlang der Grenze zu Uganda Mitte Mai als Internationalen
Gesundheitsnotstand deklariert, da er viel zu spät entdeckt wurde.
Mittlerweile lassen Forschungsergebnisse aus der am meisten betroffenen
Provinz Ituri darauf schließen, dass die ersten Verdachtsfälle bereits im
Januar auftauchten. Zwischen Januar und Mai seien bereits 500 Menschen
mutmaßlich infiziert gewesen – bevor der Ausbruch offiziell bekannt wurde.
Dies führt nun dazu, dass die WHO, internationale Hilfswerke und Kongos
Gesundheitsbehörden mit ihren Maßnahmen weit hinterherhinken, so Kaseya.
Die Betten in den Behandlungszentren seien zum Teil voll belegt. Vor allem
in der nördlichen Region der Provinz Nord-Kivu mit den Millionenstädten
Beni und Butembo, in welcher die Regierung die Hoheit hat. In den Gebieten,
die unter Kontrolle der Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) sind,
seien keine weiteren Fälle gemeldet worden. Die Provinz Süd-Kivu, die
teilweise unter M23-Kontrolle ist, ist seit 42 Tagen offiziell Ebola-frei.
Auch Uganda hat die Lage erfolgreich unter Kontrolle bekommen. Seit mehr
als drei Wochen wurden keine neuen Fälle mehr entdeckt.
## Neue Impfstoffe in der Testphase
Aber es gibt auch gute Nachrichten. Seit Anfang Juli würden Freiwilligen
Medikamente verabreicht, die die Viruslast senken – eine erste Teststudie
an lebenden Patienten. Zwei neu entwickelte Wirkstoffe seien 41 Patienten
verabreicht worden. Ein weiterer Test mit einem Wirkstoff sei gestartet,
der das Virus abtöten soll, kurz nachdem die Menschen in Kontakt mit
Infizierten waren. Dieser Wirkstoff sei vor allem für diejenigen wichtig,
[3][die Infizierte in ihren Häusern abholen oder Tote beerdigen.] Am 28.
Juli begann zudem die erste Testphase mit einem weiteren neu entwickelten
Impfstoff, drei weitere Impfstoffe seien bald startklar.
Hoffnung macht auch die finanzielle Unterstützung. Für die Bekämpfung des
Ausbruchs waren ursprünglich rund 520 Millionen US-Dollar kalkuliert
worden. Mittlerweile sei aber doppelt so viel Geld eingegangen. Ein
Großteil davon kommt von afrikanischen Staaten. Zudem seien 882 Millionen
US-Dollar für humanitäre Hilfe gefordert worden, um etwa die
Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Auch hier sei mit 904 Millionen
US-Dollar mehr Geld eingegangen als verlangt.
3 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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