# taz.de -- Zentralafrikanische Republik: Abwesender Angeklagter, schwere Vorwürfe
> Das Sonderstrafgericht in Bangui untersucht Menschenrechtsverbrechen aus
> der Zeit von Ex-Herrscher François Bozizé. Doch der lebt weiter im Exil.
(IMG) Bild: Wegen schwerster Verbrechen angeklagt: François Bozizé, damals noch Diktator, 2013 in Bangui
Das sogenannte Sonderstrafgericht (SCC) der [1][Zentralafrikanischen
Republik] liegt in der Hauptstadt Bangui nur einen Steinwurf vom
Präsidentenpalast entfernt. In der Martin-Luther-King-Straße, direkt neben
dem Justizministerium. Ein modern eingerichteter Gerichtssaal mit
Glasfassade, in welchem zentralafrikanische, aber auch internationale
Richter*innen Urteile über die schlimmsten Verbrecher in diesem von
Krieg und Konflikten gebeutelten Land sprechen.
Das Sondergericht war 2015 kurz nach dem Ende des Krieges durch ein Gesetz,
verabschiedet vom zentralafrikanischen Parlament, eingerichtet worden. Er
hat das Mandat, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Völkermord zu behandeln und soll damit der Straflosigkeit im Land ein Ende
setzen. Dabei erhält es Unterstützung von den Vereinten Nationen, dem
Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag sowie Finanzmittel von
der Europäischen Union.
Seit Dienstag tagt nun das Gericht, um die grausamen Verbrechen von
[2][Diktator François Bozizé aufzuklären, der das Land von 2003 an zehn
Jahre lang mit brutaler Hand regierte.] Im Jahr 2013 wurde er quasi aus dem
Amt gefegt, als die Rebellenkoalition Seleka aus dem Norden kommend die
südlich gelegene Hauptstadt Bangui eroberte. Bozizé floh dann ins
Nachbarland, die Demokratische Republik Kongo, und von dort aus weiter nach
Kamerun.
Aus dem Exil orchestrierte er die christlich dominierte Miliz Antibalaka im
Aufstand gegen die muslimischen Seleka-Rebellen, die dann 2014 wieder aus
Bangui vertrieben wurden. Zwei hochrangige Antibalaka-Führer [3][waren im
Juli 2025 vom IStGH in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt worden.]
## Mithilfe der russischen Wagner-Gruppe an der Macht
2019 war Bozizé nach Bangui zurückgekehrt, um sich als Kandidat für das
Präsidentenamt bei den anstehenden Wahlen aufstellen zu lassen. Das
Verfassungsgericht ließ ihn jedoch nicht zu – auch aufgrund mutmaßlicher
Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Daraufhin formierte er 2020 die
Rebellenorganisation CPC (Koalition der Patrioten für Veränderung).
Diese marschierte daraufhin auf Bangui zu, [4][um den amtierenden
Präsidenten Faustin Touadéra] zu stürzen. Diesem gelang es mithilfe
russischer Söldner der Wagner-Gruppe, die Rebellen abzuwehren. Touadéra ist
bis heute an der Macht. Er war Ende 2025 mit 76 Prozent der Stimmen
wiedergewählt worden.
Seit 2023 lebt Bozizé in Guinea-Bissau, welches kein Auslieferungsabkommen
mit Bangui hat. Das Sonderstrafgericht erließ 2024 einen Haftbefehl gegen
Bozizé wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit:
Diese wurden mutmaßlich zwischen 2009 und 2013 von der Präsidentengarde und
anderen Sicherheitskräften im Zivilgefängnis und im militärischen
Ausbildungszentrum [5][in der Stadt Bossembélé begangen]. Zu den Vorwürfen
gehören Folter, Mord und willkürliche Verhaftungen.
## Bozizé fehlt im Gerichtssaal
Das Sonderstrafgericht hat Bozizé letztlich in Abwesenheit angeklagt. Doch
drei seiner ehemaligen hochrangigen Offiziere – Eugene Barret Ngaikosset,
Vianney Semndiro und Firmin Junior Danboy – befinden sich alle in
Untersuchungshaft in Bangui. Sie wurden am Dienstag zum Prozessauftakt den
Richtern präsentiert.
Die Tatsache, dass Bozizé nun wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen
die Menschlichkeit vor Gericht stehe, so Marceau Sivieude,
[6][Regionaldirektor von Amnesty International für West- und
Zentralafrika,] beweise den „starken Willen des Sonderstrafgerichts, gegen
Straflosigkeit vorzugehen und für das Recht der Opfer auf Gerechtigkeit und
Wiedergutmachung einzutreten“. Die Anklage gegen Bozizé in Abwesenheit
beeinträchtigt dieses Verfahren jedoch erheblich, betont Sivieude: „Es ist
unerlässlich, dass er verhaftet, ausgeliefert und persönlich vor Gericht
gestellt wird.“
17 Jun 2026
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(DIR) [6] https://www.amnesty.org/en/latest/news/2026/06/car-bozize/
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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