# taz.de -- Hitze in Deutschland: Gute Wirtschaftspolitik geht nur mit guter Klimapolitik
       
       > Der Wirtschaftsflügel der Union will weniger Klimaschutz. Das zeigt, wie
       > wenig Ahnung die Union von der Wirtschaft der Zukunft hat.
       
 (IMG) Bild: Arbeiten auf glühendem Asphalt: Extreme Hitze belastet Beschäftigte und senkt die Produktivität
       
       Wer hätte das gedacht: Der Wirtschaftsflügel der Union will weniger
       Klimaschutz. [1][Die Klimapolitik] habe sich in Zukunft stärker der
       Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie unterzuordnen, erklärten
       Vertreter wie Tilman Kuban oder Gitta Connemann am Mittwochabend beim
       Werkstattgespräch der Union. Ihr Hauptargument: Die aktuellen Klimaziele
       riskierten eine Deindustrialisierung Deutschlands.
       
       Das zeigt, dass ausgerechnet der Wirtschaftsflügel der Union keine Ahnung
       von Wirtschaftspolitik der Zukunft hat. Hitze ist ein Wachstumsproblem, ab
       [2][30 Grad Außentemperatur im Schatten] sinkt die Produktivität drastisch.
       In der Wirtschaftswissenschaft wird von 3 Prozent Einbußen je zusätzlichem
       Grad ausgegangen. Das bedeutet, dass an Tagen mit 40 Grad fast ein Drittel
       weniger erwirtschaftet werden kann.
       
       Längst fordern Gewerkschafter, das Schlechtwettergeld, das ursprünglich für
       frostige Winter ausgedacht wurde, auf den Sommer auszudehnen: Bestimmte
       Jobs, etwa auf dem Bau, können bei 40 Grad nicht mehr ausgeführt werden.
       Besonders dramatisch leiden die Landwirte: Sie können schlecht darauf
       verzichten, jetzt ihre Tiere zu kühlen oder aufs Feld zu fahren, trotz
       Temperaturen von mehr als 40 Grad im Stall oder auf dem Traktor.
       
       ## Hamburg so heiß wie Köln vor über 30 Jahren
       
       Dass eine wärmere Atmosphäre heißere Sommer mit sich bringt, ist eine Binse
       – und mittlerweile wissenschaftlich lückenlos belegt. Es ist heute im
       Schnitt 2 Grad wärmer in Deutschland als vor dem Klimawandel: Nach
       Untersuchungen des Umweltbundesamtes hat Hamburg bereits heute ein Klima,
       wie es früher in Köln herrschte – in den Jahren 1961 bis 1990.
       
       Köln wiederum hat heute ein Klima wie die französische Stadt Tours, die
       circa 250 Kilometer südwestlich von Paris liegt. Ohne wirksamen Klimaschutz
       wird Berlin in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein Klima bekommen, wie
       wir es heute im südfranzösischen Toulouse kennen, Köln dann wie heute in
       San Marino. Anders als dort wird hierzulande aber nicht mit
       Hitzeerfahrungen gebaut.
       
       Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission kam 2018 zu dem Ergebnis, dass bei
       ungebremsten Emissionen die wirtschaftlichen Einbußen für die EU bis Ende
       des Jahrhunderts auf 240 Milliarden Euro jährlich steigen könnten, rund 2
       Prozent der Wirtschaftsleistung. Klimaschutz ist deshalb Wachstumspolitik.
       Und konsequenter Klimaschutz würde dafür sorgen, dass Deutschland auf den
       Zukunftsmärkten wieder mitspielen könnte. Solange die Union mit ihrer
       Wirtschaftspolitik nur das fossile Gestern verlängern will, so lange
       betreibt sie Klientelpolitik für eine untergehende Branche, die das
       Klimaproblem erst verursacht hat.
       
       25 Jun 2026
       
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