# taz.de -- Hitzewelle in Deutschland: Hotspot der Hotspots
> In Baden-Württemberg ist die Hitze am größten. Das Land arbeitet an einer
> Strategie, um die Bevölkerung zu schützen. Mannheim hat früh angefangen.
(IMG) Bild: Immer noch eine der besten Methoden, um für Abkühlung zu sorgen
Waghäusel-Kirrlach hieß am Donnerstag der heißeste Ort in
Baden-Württemberg. 39 Grad im Juni, das ist ein Spitzenwert seit 1881, also
seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. [1][Das scheint erst der Anfang.] Für
das Wochenende wird in Mannheim und in der Kurpfalz Rekordhitze von 42 Grad
erwartet. Auch in Freiburg sind Spitzentemperaturen angesagt. Deshalb wurde
der dort geplante bundesweite Bevölkerungsschutztag abgesagt. „Wir möchten
bei diesen Temperaturen unsere Bevölkerungsschützer maximal entlasten und
in Bereitschaft halten“, sagte Innenminister Manuel Hagel.
Während die A2 in Sachsen-Anhalt wegen Hitzeschäden komplett gesperrt
werden musste, meldet auch die Stadt Mannheim Schäden an der Infrastruktur.
Wegen Hitzeschäden an Bussen und an den Fugen mehrerer Gleisanlagen gebe es
schon jetzt Ausfälle im Nahverkehr. An einigen Stellen kühlen Mitarbeiter
besonders stark beanspruchte Gleisanlagen auch mit Wasser. Und die
Meteorolog:innen werden für Mannheim, wie das gesamte
Rhein-Neckar-Gebiet, wohl am Wochenende neue Spitzenwerte von bis zu 42
Grad melden.
## Früh ernst genommen
Anders als in anderen Städten hat man in Mannheim den [2][Hitzeschutz schon
früh ernst genommen]. Die zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg gehört
deutschlandweit zu den Hotspots bei der Hitzeentwicklung. Schon 2022 war
sie die Stadt in Deutschland mit den meisten Hitzetagen über 30 Grad.
Bereits 2018 hat die Stadt einen Hitzeplan entwickelt, und eine eigene
Abteilung Klimaschutz kümmert sich bereits seit über 20 Jahren darum, die
Stadt klimafreundlicher zu gestalten, das Grundwasser zu schützen und durch
Städteplanung für ein besseres Stadtklima zu sorgen, inklusive bewusst
offen gehaltener großer Grünflächen im Stadtgebiet. Bisher werden solche
Maßnahmen gesetzlich verlangt, vom Land aber auch mit einem Förderprogramm
mit bis zu 90 Prozent gefördert.
Doch angesichts der Finanzkrise der Kommunen, die diese Woche auch Thema im
Bundesrat und mit dem Kanzler waren, könnte die Finanzierung trotzdem
schwierig werden. So plädiert in der aktuellen Hitzewelle der Deutsche
Städtetag für verpflichtenden Hitzeschutz, der dann [3][nach der neuen
Vereinbarung zwischen Bund und Ländern] auch zu großen Teilen aus dem
Bundeshaushalt finanziert werden müsste.
Städtetag-Vizepräsident Uwe Conradt sagte am Freitag im rbb24 Inforadio,
die klammen Kommunen hätten nicht genug Geld für Hitzeschutz, da die
Anpassung an Hitze aktuell eine freiwillige Aufgabe sei: Klimaschutz,
Klimaanpassung, Hitzevorsorge seien bisher keine kommunalen
Pflichtaufgaben. Die können nur aus den Geldern bezahlt werden, die am Ende
überhaupt noch übrig bleiben.
## Selbst die Klimaleugner-AfD lässt Hitze nicht kalt
Derweil fordert die Opposition im baden-württembergischen Landtag, an den
Hitzetagen alle landeseigenen Einrichtungen zu öffnen und der Bevölkerung
kostenloses Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Der Landtag mit seinen
teils klimatisierten Räumen soll mit gutem Beispiel vorangehen.
Selbst die Klimaleugner-Partei AfD im Südwesten nimmt sich des Themas an
und fordert recht unbestimmt Schutzmaßnahmen gegen die Hitze. Der
umweltpolitische Sprecher der größten Oppositionsfraktion im Landtag sagt:
„Selbst wenn man über die Ursachen unterschiedlicher Meinung ist, besteht
Einigkeit darüber, dass sich Staat und Gesellschaft auf Hitzewellen,
Trockenperioden und andere Extremwetterereignisse bestmöglich vorbereiten
müssen.“
Eine Aufgabe, die das seit 2011 grün regierte Land früher angegangen ist
als andere Bundesländer, etwa das schwarz-grün regierte Schleswig-Holstein,
wo die Opposition dieser Tage einen Hitzeplan anmahnte.
Seit 2022 koordiniert die baden-württembergische Landesregierung den
Bevölkerungsschutz bei Hitze zentral. Und ein Masterplan Wasserversorgung,
den Umweltministerin Thekla Walker dieses Jahr vorstellte, soll die
Wasserversorgung auch in Trockenzeiten sicherstellen. Denn auch im
wasserreichen Baden-Württemberg, das seine Versorgung zu großen Teilen aus
dem Bodensee speist, ist nicht überall die Wasserversorgung sichergestellt.
Die Stadt Mannheim fordert in diesen Tagen die Bevölkerung auf, Stadtbäume
mit gesammeltem Wasser zu versorgen, und die Landeshauptstadt Stuttgart hat
gerade erst die Entnahme von Wasser aus Seen und Bächen bei hohen
Geldstrafen bis Ende August verboten.
Laut Masterplan besteht schon heute bei rund 3 Prozent der
Versorgungsgebiete ein rechnerisches Defizit bei einem mittleren
Wasserverbrauch; bis 2050 steigt dieser Anteil auf 12 Prozent. Noch
gravierender ist die Lage beim Spitzenbedarf in Trockenzeiten: Da wird in
der Zukunft bei der Hälfte der Kommunen und Wasserversorger ein größeres
Defizit erwartet. Walker warnt deshalb vor Verteilungskonflikten. Sie
sagte: „Wassermangel bedroht unsere Freiheit.“
26 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_gemeinden/warnWetter_node.html
(DIR) [2] /Expertin-ueber-Hitzeschutz-in-Deutschland/!5947434
(DIR) [3] /Belastete-Kommunen/!6190922
## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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