# taz.de -- Initiative gegen Vergesellschaftung: Eine Bank für Vermieter
> Vier Berliner Geldinstitute stellen sich gegen die Vergesellschaftung.
> Sie bringen Gutachten in Stellung, die über internationale Konflikte
> raunen.
(IMG) Bild: Vorstandsvertreter von Berliner Sparkasse, Volksbank, DKB und Investitionsbank Berlin beim Argumentieren gegen Vergesellschaftung
Dass die Idee der Vergesellschaftung privater Wohnungskonzerne nicht auf
Gegenliebe bei jenen stoßen würde, [1][die an der Finanzialisierung, also
Spekulation auf dem Berliner Wohnungsmarkt mitverdienen], ist nicht
überraschend. Dass sich jedoch gleich vier Berliner Banken zu einer
„Initiative“ zusammenschließen, um sich in eine politische Debatte
einzumischen, stellt trotzdem eine Besonderheit dar. Deutlich wird daraus
zudem: Drei Mon[2][ate vor der Abgeordnetenhauswahl ist die – für manche:
drohende – Umsetzung des Volksentscheids Deutsche Wohnen & Co Enteignen
wieder ein zentrales Thema in der Stadt].
Und so war dann auch die mediale Aufmerksamkeit groß, als am Dienstag im
Haus der Bundespressekonferenz Vorstandsvertreter von Berliner Sparkasse,
Volksbank, DKB und Investitionsbank Berlin ihre Argumente vortrugen, wieso
eine Vergesellschaftung großen Schaden anrichten würde.
Bemüht war man dabei, der eigenen Rolle besonderes Gewicht zu verleihen.
„Wir äußern uns öffentlich sehr selten zu politischen Themen“, sagte etwa
Olaf Schulz, Vorstandsmitglied der Berliner Sparkasse, nur um damit
deutlich zu machen: Bei dieser Frage gehe es um die Grundfesten, um die
„Spaltung der Gesellschaft“, die Berlin „ruinieren kann“.
Wie wichtig man sich nimmt, in einer Frage, die die Berliner per
Volksentscheid längst entschieden haben, wurde dabei gleich zu Beginn
nonchalant erwähnt: Demnach betrage die aggregierte Bilanzsumme der vier
Institute 225 Milliarden Euro pro Jahr, während Berlins Haushalt gerade
einmal 40 Milliarden umfasst. Ehrlicherweise machten im späteren Verlauf
die Bankenvertreter deutlich, dass sie die Folgen einer Vergesellschaftung
selbst gut überstehen würden. Eine Vergesellschaftung würde „keine
Bankenkrise auslösen“, so Tilo Hacke von der DKB. Stattdessen würde sie
„Neuinvestitionen weiter erschweren.“
Das ist dann auch die zentrale Argumentationslinie der Banken: Enteignung
führt zur Abschreckung des Kapitals, zu ausbleibenden Investitionen und
verhindere den Wohnungsneubau. Fehlende Wohnungen seien demnach das
„Kernproblem hinter den hohen Mieten“, sagte Olaf Schulz, ohne zu erwähnen,
wie privates Kapital den Wohnungsmarkt als Anlagemarkt nutzt, um hohe
Renditen herauszuschlagen. Zur Überschrift ihrer gemeinsamen
Pressemitteilung schaffte es tatsächlich das ausgelutschte Nichtargument:
„Enteignung schafft keine einzige neue Wohnung.“ Fragt man die
Befürworter:innen, bekommt man dafür nur ein augenrollendes „Soll sie auch
nicht.“
## Argumentiert mit einer Gutachtenflut
Zu ihrer argumentativen Unterstützung haben die Banken eine Reihe von
Gutachten in Auftrag gegeben. Zwei davon stammen vom Forschungsinstitut
Empirica. Dieses hat sich die Wirkungen der Vergesellschaftung sowie
mögliche alternative Maßnahmen angesehen; eine Studie zur (un-)möglichen
Mietsenkungspotentialen nach einer Vergesellschaftung soll folgen. Für mehr
Schlagzeilen sorgte schon im Vorfeld eine Kurzstudie des Instituts für
Wirtschaft (IW) über mögliche volkswirtschaftliche Folgen. Bild und B.Z.
titelten: „Linken-Plan für Berlin provoziert Trumps nächste Rache.“
In der Studie heißt es in Bezug auf ausländische Eigentümer der betroffenen
Unternehmen, etwa den US-Vermögensverwalter BlackRock oder den
niederländischen Pensionsfonds, die Anteile an Vonovia halten: „Man kann an
dieser Stelle nur spekulieren, wie die internationalen Eigentümer und die
Regierungen der jeweiligen Länder auf eine Vergesellschaftung mit einer
Entschädigung weit unterhalb des Marktwerts reagieren würden.“ Es brauche
aber kaum Fantasie, „wie entschieden etwa die Reaktion der US-Regierung
ausfallen würde, wenn US-Lehrer und Feuerwehrleute Teile ihrer
Altersvorsorge verlieren“.
Die Initiative Deutsche Wohnen & Co Enteignen (DWE) hält dagegen: „Wenn die
Immobilienlobby jetzt Donald Trump bemühen muss, um die Berliner
Vergesellschaftung schlechtzureden, zeigt das vor allem eins: Der Lobby
gehen die sachlichen Argumente aus. Die Vorstellung, dass die
Wohnungspolitik in Berlin einen internationalen Handelskonflikt auslösen
könnte, ist keine seriöse Analyse, sondern reine Panikmache“, so Sprecher
Armin Rothemann.
## Zehn Enteignungskandidaten
Das eigentliche Problem sei, „dass Wohnungen als Kapitalanlage genutzt
werden“ und ein großer Teil der Berliner Mieten „an internationale
Finanzmarktakteure und in ausländische Rentensysteme fließen“. Laut dem
[3][Gesetzesvorschlag der Initiative] sollen etwa 220.000 Wohnungen der
Konzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin in eine neue Anstalt
öffentlichen Rechts überführt werden – entschädigt, aber nicht zu
Marktpreisen.
Laut Empirica wären zum jetzigen Zeitpunkt 10 Unternehmen davon betroffen.
Das Institut argumentiert in seiner Studie im Sinne dieser Konzerne: Diese
hätten vor allem in innerstädtischen Lagen mit hohen Mieten „keine
Marktmacht“, seien also „nicht für die Preisanstiege“ verantwortlich. Eine
Vergesellschaftung – mit möglichen Mietsenkungen – würde dazu führen, dass
weniger Mieter:innen umziehen und damit statistisch mehr Wohnraum pro
Person verbrauchen. Das verfügbare Wohnungsangebot würde sinken.
Das IW sieht vor allem finanzielle Risiken für die Stadt. Berlins
Kreditwürdigkeit würde sinken, „Banken müssten Risikoaufschläge verlangen“,
auch wegen der Gefahr, dass das Bundesverfassungsgericht die
Entschädigungssumme im Nachhinein heraufsetzt. Schon geringfügig teurere
Kredite würden Berlins Haushalt stark belasten, so die Argumentation. Dass
mit einem Berlin-Aufschlag kaum zu rechnen sei, weil die Bundesländer und
der Bund gegenseitig für sich haften, wird ebenso erwähnt, aber wieder vom
Tisch gewischt: Schließlich „kann die Umsetzung des Artikels 15 des
Grundgesetzes eben auch Deutschland insgesamt treffen“.
Diese Sichtweise erklärt dann womöglich auch die Umtriebe von Bayerns
Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der per Bundesratsinitiative
„Enteignungen verbieten“ möchte. Auf Antrag Bayern und Nordrhein-Westfalens
hatte sich zudem eine [4][Sonderkonferenz der Bauminister Mitte Juni gegen
die Vergesellschaftung gestellt]. Sollte Berlin dennoch den Weg gehen,
kündigte Söder eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht an.
Die Banker mahnten dagegen vor den Folgen, die allein schon die Debatte
auslösen würde. Laut Carsten Jung von der Volksbank hielten sich schon
jetzt Investoren wie „Versicherungen und Pensionskosten“ dabei zurück, in
neue Projekte in Berlin zu investieren. Als Käufer würden derzeit vor allem
„kommunale“ Wohnungsunternehmen auftreten. Bei DWE dürfte man das gerne
hören.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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