# taz.de -- Umgang mit der rechtsextremen Partei: Die letzte Konferenz der Innenminister ohne AfD?
       
       > Heikles Thema auf der Innenministerkonferenz: Wie umgehen mit der AfD,
       > sollte sie in Sachsen-Anhalt regieren? Das würde zu mehreren Problemen
       > führen.
       
 (IMG) Bild: Schafft Ulrich Siegmund es, eine AfD-Regierung zu bilden? Das Szenario besorgt die Innenminister*innen
       
       Die Warnungen waren drastisch. [1][Vor einem „Staatsstreich“ warnte
       Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD)], sollte die AfD nach der
       [2][Landtagswahl in Sachsen-Anhalt] regieren. Hessens Innenminister Roman
       Poseck (CDU) appellierte, man müsse sich auf den Eintritt „des
       [3][Worst-Case-Szenarios]“ vorbereiten. Brandenburgs Innenminister Jan
       Redmann (auch CDU) erklärte, wenn eine rechtsextreme Partei Zugang zu
       sicherheitsrelevanten Informationen habe, sei das „eine konkrete Gefahr“.
       
       Ab Mittwoch werden die Innenminister*innen nun konkret über diese
       Gefahr reden: auf der Innenministerkonferenz (IMK), die halbjährlich tagt,
       diesmal in Hamburg. Und sie die letzte IMK ohne AfD-Beteiligung werden
       könnte.
       
       Denn in Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht die AfD in der
       Nähe einer absoluten Mehrheit, auch in Mecklenburg-Vorpommern ist sie
       stark. Noch ist der Wahlausgang offen, aber die Lage ist ernst: Erstmals
       seit 1945 könnte eine rechtsextreme Partei wieder in einem Bundesland
       reagieren – und damit auch einen Innenminister stellen. [4][Was beim Thema
       Sicherheit einschneidende Folgen hätte].
       
       Nun, direkt vor der IMK, geben sich die Innenminister und
       Innenministerinnen zu dieser Frage bedeckt. Zu groß ist die Sorge, mit der
       Debatte der AfD voreilig Erfolge zuzusprechen. Einige der Minister
       kritisieren, dieser Schaden sei mit der Debatte zuletzt bereits entstanden.
       
       ## Stärkung des Bundesamts für Verfassungsschutz?
       
       Auch der IMK-Gastgeber, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), äußert sich
       zur AfD-Frage nicht. Man wolle möglichen Beratungen nicht vorgreifen,
       erklärt sein Sprecher. Tamara Zieschang (CDU), Innenministerin in
       Sachsen-Anhalt, und Christian Pegel (SPD), Innenminister von
       Mecklenburg-Vorpommern, für die sich die Frage am drängendsten stellt,
       schweigen ebenso. An „Spekulationen“ beteilige man sich nicht, heißt es aus
       ihren Häusern.
       
       Tatsächlich ist das Thema AfD auch kein eigener Punkt auf der Tagesordnung
       der IMK. Am Kamin, den vertraulichen Gesprächen der Minister ohne
       Entourage, ist das Thema aber unumgänglich. Denn eine AfD-Regierung und ein
       AfD-Innenminister hätten gleich mehrere einschneidende Folgen für die
       Sicherheitsarchitektur.
       
       So kündigt die AfD bereits seit Langem an, in diesem Fall das Landesamt für
       Verfassungsschutz umzukrempeln und die Spitze auszutauschen. Die Partei
       schmäht den Dienst als neue Stasi und „Regierungsschutz“ – weil er die
       Partei unter Beobachtung nahm und in Sachsen-Anhalt schon [5][Ende 2023 als
       gesichert rechtsextrem einstufte].
       
       In der Innenministerkonferenz gibt es nach taz-Informationen nun eine
       Beschlussvorlage, wonach die „Zentralstellenfunktion“ des Bundesamts für
       Verfassungsschutz gestärkt werden soll – vorgelegt aus
       Mecklenburg-Vorpommern. Das soll vor allem der gebündelten Auswertung von
       Daten dienen. Es böte aber auch die Option, dass das Bundesamt bei einem
       AfD-Ernstfall in Sachsen-Anhalt eingreifen könnte. Wie genau, auch dazu
       äußert sich niemand der Beteiligten. Denkbar wäre, dass das Bundesamt dann
       etwa Personal oder Daten, die sich mit der AfD oder Rechtsextremismus
       beschäftigen, an sich zieht.
       
       Nächstes Problem: Ein AfD-Innenminister hätte auch Zugriff auf
       sicherheitsrelevante Daten – auch über Erkenntnisse des Verfassungsschutzes
       über die AfD selbst. Diese Daten lassen sich nicht einfach aus den
       verzahnten Informationssystemen des Verfassungsschutzverbunds und der
       Polizei auskoppeln. Eine Überlegung hier: künftig mehr Sperrvermerke für
       heikle Informationen, die dann nicht mehr für alle einsehbar wären.
       
       Auch BKA-Chef Holger Münch erklärte bereits, im Ernstfall müsse man
       „[6][darüber nachdenken, wie offen wir dann mit Informationen im Verbund
       umgehen können]“. Das birgt aber auch Probleme: Blieben beispielsweise
       Hinweise auf konkrete Bedrohungslagen in Sachsen-Anhalt hängen und es käme
       etwa zu einem Anschlag, wäre das fatal.
       
       ## Was ist mit dem Einstimmigkeitsprinzip?
       
       Ein AfD-Innenminister könnte auch die Innenministerkonferenz selbst
       blockieren – gilt dort doch bisher das Prinzip, alle Beschlüsse einstimmig
       zu fassen. Eine Überlegung hier: Das Einstimmigkeitsprinzip würde – im
       Falle eines AfD-Innenministers – aufgehoben. Formal festgeschrieben ist das
       Prinzip tatsächlich nicht. Auch deuteten mehrere Innenminister*innen
       bereits an, mit einem AfD-Minister nur auf der nötigsten Ebene
       zusammenarbeiten zu wollen.
       
       Die wiederholte Forderung nach einem AfD-Verbot dürfte dagegen keine große
       Rolle auf der IMK spielen – zu tief ist die Verunsicherung nach der
       Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln im Februar, [7][die bundesweite
       Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem vorerst nicht umzusetzen].
       Zumindest ob und wie aber mit AfD-Mitgliedern in Verwaltung oder
       [8][Polizei] umgegangen wird, dürfte wie zuletzt informell Thema auf der
       IMK sein.
       
       Auffällig ist: Auf der regulären Tagesordnung fehlt nicht nur das Thema AfD
       – sondern auch der gesamte Komplex Rechtsextremismus. Von 75 vorläufigen
       Tagesordnungspunkten beschäftigt sich nach taz-Informationen kein einziger
       explizit mit diesem Thema. Vielmehr geht es um Migration, Zivilschutz,
       digitale Ermittlungsfähigkeiten, die Abwehr hybrider Bedrohungen oder den
       Vorstoß, bei den Sicherheitsbehörden eine „Linksextremismusdatei“ statt nur
       einer Rechtsextremismusdatei aufzubauen.
       
       Die Grünen üben an dieser Themensetzung scharfe Kritik. [9][Angriffe auf
       CSDs, auf Geflüchtetenunterkünfte oder demokratisch Engagierte], die
       [10][Radikalisierung von Jugendlichen] in sozialen Medien – die [11][rechte
       Gefahr] sei „eine der größten innenpolitischen Bedrohungen für
       Deutschland“, heißt es in einem Brief von mehreren
       Grünen-Innenpolitiker*innen an die IMK, der der taz vorliegt. „Umso
       unverständlicher ist es, dass Rechtsextremismus auf der
       Innenministerkonferenz erneut kein Thema ist.“
       
       Angesichts der Entwicklung brauche es vielmehr „eine klare Priorisierung
       dieses Themas“ und eine „gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern“,
       fordern die Grünen. Neben konsequenter Strafverfolgung seien wirksame
       Präventions- und Deradikalisierungsprogramme, eine verlässliche Förderung
       demokratischer Bildungsarbeit sowie ein besserer Schutz für Betroffene
       rechter Gewalt nötig. [12][Dass Familienministerin Karin Prien (CDU)
       dagegen zuletzt ankündigte], Demokratieprojekte zu beenden, sei genau der
       falsche Weg.
       
       16 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Drohende-AfD-Regierung-in-Ostdeutschland/!6177987&s=litschko/
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!t5749746
 (DIR) [3] /Drohende-AfD-Regierung-in-Ostdeutschland/!6177987
 (DIR) [4] /Drohende-AfD-Regierung-in-Ostdeutschland/!6177987/
 (DIR) [5] /AfD-Sachsen-Anhalt-eingestuft/!5971844
 (DIR) [6] https://www.bka.de/DE/Presse/Interviews/2025/251229_Interview_Tagesspiegel.html
 (DIR) [7] /Gerichtsurteil-zur-AfD/!6158587
 (DIR) [8] /Polizist-will-fuer-die-AfD-Landrat-in-Sachsen-Anhalt-werden---wie-demokratisch-ist-die-Polizei-dort/!6184368
 (DIR) [9] /Bilanz-rechtsextremer-Straftaten/!6174993
 (DIR) [10] /Terrorprozess-gegen-Jungnazis/!6158717
 (DIR) [11] /Politisch-motivierte-Kriminalitaet/!6185948
 (DIR) [12] /Familienministerin-Karin-Prien-Vielfalt-sehe-ich-nicht-als-staatliches-Foerderziel/!6165687
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
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