# taz.de -- G7-Gipfel in Frankreich: Im Fokus steht nur einer
       
       > Bis Mittwoch treffen sich die G7-Staaten in Evian, um über Nahost, die
       > Ukraine und China zu beraten. Wie geschlossen können die
       > Industrienationen trotz Trump auftreten?
       
 (IMG) Bild: Am Montag startet der G7-Gipfelin Evian
       
       Am Montag kommen die G7-Staats- und Regierungschefs erstmals seit dem
       Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar persönlich
       zusammen. Bis Mittwoch wollen sie im Französischen Evian über die aktuelle
       Weltlage beraten. Hauptthemen sind neben der instabilen Lage in Nahost,
       [1][der Krieg in der Ukraine] und die Unwuchten in den weltweiten
       Wirtschaftsbeziehungen zum Vorteil Chinas.
       
       Auch wenn US-Präsident Trump am Donnerstag erklärt hatte, dass [2][ein
       Abkommen mit dem Iran „unmittelbar“ bevorstehe] und es „in Europa“
       unterzeichnet werden könne, sieht es derweil so aus, als würde ein Deal bis
       zum G7-Treffen ausstehen.
       
       Dann dürften die Europäer darauf drängen, die Wiederöffnung der Straße von
       Hormus von den Verhandlungen abzukoppeln. Frankreich und Großbritannien
       könnten ihre Pläne für einen internationalen Einsatz zur Absicherung der
       Schifffahrt bekräftigen, um die Folgen der Sperrung für die Weltwirtschaft
       einzudämmen. Die USA haben allerdings wenig Interesse, ihre Gegenblockade
       iranischer Häfen aufzugeben, weil dies ein wichtiges Druckmittel in den
       Verhandlungen ist.
       
       Auch über die Ukraine soll in der Stadt am Genfer See ausführlich
       gesprochen werden. Bei einer Arbeitssitzung der G7 am Dienstag werden sich
       Trump und Wolodymyr Selenskyj persönlich treffen. Anders sah es im
       vergangenen Jahr aus. In Kanada 2025 war ein Treffen wegen Trumps
       vorzeitiger Abreise gescheitert. Wie auch im vergangenen Jahr wird es auch
       in Evian keine gemeinsame Abschlusserklärung geben.
       
       ## Umgang mit China
       
       Der ukrainische Präsident dürfte versuchen, zusätzliche Luftabwehr und
       Unterstützung bei der Reparatur der Energie-Infrastruktur zu organisieren.
       Die Europäer werden Trump voraussichtlich nahelegen, die Verhandlungen mit
       Russland voranzutreiben und dabei keine allzu großen territorialen
       Zugeständnisse von der Ukraine zu fordern.
       
       Macron hat den „Abbau globaler Ungleichgewichte“ als vorrangiges
       Gipfelthema vorgegeben. Im Visier ist dabei in erster Linie China, das
       einerseits den Export wichtiger Materialien wie seltener Erden beschränkt
       und andererseits mit billigen E-Autos, Solarpaneelen und anderen Gütern die
       westlichen Märkte überschwemmt.
       
       Die G7-Gruppe steht seit langem in der Kritik, ein elitärer Club zu sein,
       der über die Köpfe von anderen hinweg entscheidet. Um ihr Image
       aufzubessern, sind daher auch die Staats- und Regierungschefs von
       Brasilien, Indien, Ägypten, Kenia und Südkorea am Konferenzort am Genfer
       See vor Ort.
       
       Die sechs Regierungschefs scheinen aus der vorzeitigen Abreise Trumps im
       vergangenen Jahr gelernt zu haben und versuchen, den Aufenthalt so gut es
       geht nach seinen Vorstellungen zu gestalten. So wurde der Gipfel
       verschoben, damit der US-Präsident am Sonntag [3][seinen 80. Geburtstag mit
       einer Käfigkampf-Show] vor dem Weißen Haus feiern kann.
       
       Strittige Themen kamen gar nicht erst auf die Tagesordnung, etwa der Kampf
       gegen den Klimawandel. Auf Druck der USA wurde statt Südafrika Kenia
       eingeladen. Auch Kanzler Friedrich Merz, der am Montag nach Evian fliegt,
       hat sich im Vorfeld bemüht, sein abgekühltes Verhältnis zu Trump wieder
       aufzuwärmen – mit einem handschriftlichen Brief zum 80. Geburtstag. Ob
       Trump sich dadurch beeindrucken lässt?
       
       ## Bundesregierung will sich mit kritischen Rohstoffen befassen
       
       Aus Sicht der Bundesregierung geht es vor allem darum, die Straße von
       Hormus wieder für Handelsschiffe zu öffnen und den Iran daran zu hindern,
       sich weiterhin zu bewaffnen.
       
       Die Weltwirtschaft generell und die sehr hohen Exportüberschüsse einzelner
       Länder werden Thema einer weiteren Arbeitssitzung am Dienstag. Die
       Bundesregierung hofft vor allem beim Zugang zu kritischen Rohstoffen
       voranzukommen.
       
       Am Mittwoch steht ein Mittagessen mit Chef:innen von Tech-Unternehmen auf
       dem Programm, bei der sie über die Umwälzungen durch ‌die künstliche
       Intelligenz beraten werden. Nach Angaben aus ⁠französischen Kreisen sind
       die Bosse von Anthropic, OpenAI, Alphabet, Mistral AI oder Meta eingeladen.
       In einer Videoschalte hatten Macron, Kanzler Friedrich Merz und andere
       G7-Chefs bereits am Donnerstag mit China über Handelsprobleme beraten.
       
       ## Europäer wollen Putin unter Druck setzen
       
       Im Kanzleramt hofft man, dass es gelingt gemeinsam mit dem französischen
       Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer, Trump
       davon zu überzeugen, mehr Druck auf Putin auszuüben, damit dieser in
       Gespräche über ein Ende des Krieges einwilligt. Man sehe die Ukraine in
       einer Position neuer Stärke, Russland sei wirtschaftlich angeschlagen,
       heißt es. Mit aller gebotenen Vorsicht könne sich erstmals ein Fenster für
       Verhandlungen öffnen.
       
       Doch bis es so weit ist, dauert es wohl noch eine Weile. Ohnehin dient der
       G7-Gipfel eher der Vorbereitung des wichtigen Natogipfels im Juli in
       Ankara. Fraglich ist auch, welche Rolle Starmer, dessen
       Verteidigungsminster nun kurz vor dem Nato-Treffen aufgrund eines
       Haushaltsstreites zurückgetreten ist, bei dem Gipfel mit der
       Regierungskrise im eigenen Land spielen wird. Gastgeber Macron fokussiert
       sich auf den Besuch aus den Vereinigten Staaten.
       
       Dass Trump sein Kommen angemeldet hat, wertet Frankreich bereits als
       positives Signal einer minimalen Gesprächsbereitschaft und soll mit einem
       Willkommensgeschenk des Gastgebers belohnt werden. Präsident Macron hat
       Trump zu einem festlichen Tête-à-Tête bei einem Diner im Schloss von
       Versailles nach dem offiziellen Treffen in Evian eingeladen.
       
       Macron, der sich weitgehend von der Innenpolitik abgewandt hat, bleibt auf
       dem internationalen Parkett sehr initiativ, und der G7-Vorsitz liefert ihm
       dafür eine Motivation und eine Legitimation. Trump hat sich in den
       vergangenen Monaten jedoch mehrfach über „Emmanueeel“ und dessen
       telefonische Anrufe lustig gemacht. Dass er dem französischen Gastgeber
       also vor, während oder nach dem Gipfel entgegenkommt, wäre mehr als
       erstaunlich.
       
       Macron erklärte bei der Vorstellung des G7-Gipfels, dass er die Diskussion
       in den zahlreichen Divergenzen zumindest auf die „Agenda“ setzen kann, wenn
       nicht in Evian, dann für das G20-Treffen in Miami im Dezember oder sonst
       den G7-Gipfel 2027 oder 2028.
       
       14 Jun 2026
       
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