# taz.de -- G7-Gipfel in Évian: Eine Einigung, eine Forderung nach Einigung
       
       > US-Präsident Trump nutzte den G7-Gipfel, um sich selbst für den Iran-Deal
       > zu feiern. Zudem forderte er Gespräche zwischen Russland und der Ukraine.
       
 (IMG) Bild: Gemeinsam posieren geht gerade so: US-Präsident Donald Trump, der französische Präsident Emmanuel Macron und Ehefrau Brigitte
       
       Donald Trump ist nach [1][Évian zum G7-Treffen] gekommen, um sich zu seinem
       Verhandlungserfolg mit Iran beglückwünschen zu lassen. Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU) nutzte die Gelegenheit außerdem dazu, ihm nachträglich
       zum Geburtstag zu gratulieren: Der 47. US-Präsident wurde am Sonntag 80
       Jahre alt. Als Geschenk hatte Merz ein Trikot der [2][deutschen
       Fußball-Nationalelf] mit der Nummer 47 dabei. Die Schmeichelei half wenig:
       Die Tagesordnung des Gastgebers, des französischen Staatspräsidenten
       Emmanuel Macron, zur gemeinsamen Lösung anstehender Probleme und Spannungen
       der Weltwirtschaft interessierte Trump sichtlich wenig.
       
       In Évian bestätigte sich, dass Donald Trump es nicht sonderlich schätzt,
       wenn nicht er allein im Scheinwerferlicht steht. Und es hat ihm allem
       Anschein nach nicht gefallen, dass Macron den ukrainischen
       Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj bei seiner Ankunft am Genfer See
       herzlicher begrüßt hat als zuvor ihn. Schlimmer noch: Macron empfing
       Selenskyj am Dienstagvormittag direkt an seinem Auto. Als Trump am Abend
       zuvor eintraf, war Macron noch im Gespräch mit dem brasilianischen
       Präsidenten Lula da Silva, der Gast beim G7-Treffen ist. Deshalb wurde
       Trump nicht von Macron, sondern dem Protokollchef des französischen
       Präsidialamts begrüßt.
       
       Offiziell dementierte Trump jeglichen Verdruss. „Emmanuel ist ein
       spezieller Freund von mir, wir haben eine fantastische Beziehung, wir haben
       zusammen viele Einigungen erzielt“, sagte Trump bei einer improvisierten
       Medienkonferenz. Dabei kündigte er auch die „vollständige“ Öffnung der
       Meerenge von Hormus an. Es war deutlich, dass für ihn der Konflikt am
       Persischen Golf von weit größerer Bedeutung ist als der Kampf um den
       Donbass und die gegenseitigen russisch-ukrainischen Drohnen- und
       Raketenangriffe.
       
       Bei der Diskussion der sieben westlichen Wirtschaftsmächte saß Macron, der
       die Ukraine auf die Tagesordnung gesetzt hatte, zwischen Selenskyj und
       Trump. Der französische Staatspräsident tat alles, um den [3][Krieg gegen
       die Ukraine] und Verhandlungen mit Russland über einen Waffenstillstand ins
       Zentrum der Debatte zu bringen. Trump verließ den Saal später mit
       verschlossener Miene. Er gab indes deutlich zu verstehen, dass er für seine
       Friedensdiplomatie keine europäischen Vermittler brauche. Er wolle das
       Treffen in Évian nutzen, um direkt mit Selenskyj zu sprechen. Die „beiden
       Konfliktparteien“ – mit dieser Wortwahl stellte er Russland und die Ukraine
       auf dieselbe Stufe – sollten sich auf eine Einstellung der Feindseligkeiten
       einigen, forderte Trump.
       
       Der ukrainische Staatschef hatte am Montag mitgeteilt, er habe dem
       russischen Staatschef Wladimir Putin vorgeschlagen, auch nach Évian zu
       kommen, was dieser aber abgelehnt habe: „Wir haben (ihn) informiert, dass
       wir bereit wären, Putin während des G7-Gipfels zu treffen, weil auch Trump
       und Macron, also die Europäer und Amerikaner, da sind. Es wäre eine gute
       Gelegenheit, uns zu treffen. Europa und Amerika waren dafür, Russland hat
       erneut gezeigt, dass es keine Gespräche will.“
       
       Selenskyj möchte zweifellos die Gunst der Stunde nutzen, da das ukrainische
       Militär an der Front besser dasteht als noch vor ein paar Monaten. Nach
       einem Roundtable zur Ukraine sprach Selenskyj gegenüber Reuters von einem
       „sehr positiven“ Verlauf. Alle G7-Staaten hätten anerkannt, dass Russland
       derzeit nicht auf der Gewinnerspur sei, schwere menschliche Verluste
       erleide und darum Interesse an einer raschen Einigung haben müsse.
       
       ## Handelspolitik bisher kein Thema
       
       Noch kaum in Angriff genommen waren am zweiten G7-Tag die Diskussionen über
       die [4][protektionistische Handelspolitik der USA] sowie die Spannungen
       zwischen den westlichen Industriestaaten und der Exportgroßmacht China.
       Macron hatte im Vorfeld des G7 erklärt, das bestehende Ungleichgewicht
       müsse vermindert werden. Er hatte das als Wunsch auf eine Kurzformel
       gebracht: China müsse mehr (importierte westliche Güter) konsumieren und
       weniger exportieren, Europa mehr investieren und mehr produzieren, die USA
       mehr sparen und weniger konsumieren.
       
       Dazu wäre eine Reform der derzeit blockierten Welthandelsorganisation
       erforderlich, die Frankreich in Évian zur Sprache bringen wollte. Kurz vor
       dem Beginn des Treffens hatte Trump mit 100 Prozent Strafzöllen auf die
       französische Ausfuhr von Wein und Spirituosen nach Amerika gedroht, falls
       Europa nicht auf die Besteuerung der US-Hightech-Firmen verzichte. Für
       Trump kam beim G7 die Botschaft, dass das EU-Parlament die Einigung mit den
       USA auf maximal 15 Prozent Importzölle akzeptiert hat, zum richtigen
       Zeitpunkt.
       
       Damit ist die Debatte über einseitige Handelshindernisse nicht beendet.
       Europa wolle nicht der „Dorftrottel“ sein, wenn andere den Protektionismus
       praktizieren, und gegebenenfalls Handelsschranken gegen Billigimporte
       aufrechterhalten, um europäische Industriezweige wie beispielsweise die
       Automobilproduktion zu schützen, hatte das Pariser Präsidialamt zur
       Organisation des Gipfels den Medien vorausgeschickt.
       
       16 Jun 2026
       
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