# taz.de -- G7-Gipfel in Évian: Ärger um G7-Austragungsort
       
       > Die Genfer sind wenig erfreut über den diesjährigen Austragungsort im
       > französischen Évian. Die Anti-G7-Proteste dürften in der Schweiz
       > stattfinden.
       
 (IMG) Bild: Vor dem G7-Gipfel werden die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt Evian-les-Bains immer sichtbarer
       
       Der französische Staatspräsident [1][Emmanuel Macron] hat erneut den etwas
       nostalgisch angehauchten Thermalkurort Évian für den Gipfel der sieben
       Wirtschaftsmächte ausgewählt. Dass er sich vorher womöglich mit den
       Nachbarn in der [2][Schweiz] hätte absprechen können oder müssen, scheint
       ihm nicht mal in den Sinn gekommen zu sein. Vor allem in Genf, aber auch
       rund um Lausanne und bis ins Wallis ist am schweizerischen Ufer des
       Genfersees vor dem Treffen der Ärger groß.
       
       Hinter den Kulissen der offiziellen Diplomatie wurde deswegen gestritten.
       In einem vertraulichen Schreiben an seinen „Amtskollegen“ Macron äußerte
       der derzeitige Bundespräsident Guy Parmelin sein „Unbehagen“ über das
       unilaterale und wenig freundschaftliche Gebaren, und er wünschte
       namentlich, Frankreich möge doch bitte nicht die ganzen absehbaren Proteste
       auf die Schweiz abschieben.
       
       Laut der französischen Wochenzeitung Canard enchaîné reagierte Macron
       seinerseits verärgert über den Brief. Da Genf sich immer darum gerissen
       hat, als Standort mehrerer Uno-Organisationen eine Plattform der
       multilateralen Diplomatie zu sein, habe dies halt auch seinen Preis.
       
       Bei einem bilateralen Treffen versuchten die beiden Außenminister,
       Jean-Noël Barrot und Ignazio Cassis, die Stimmung aufzuheitern. Doch am
       Problem änderte sich nichts: „Frankreich lädt ein, die Schweiz bekommt die
       Rechnung“, konstatiert die nordfranzösische Zeitung La Voix du Nord. Die
       „kleine“ Eidgenossenschaft sitzt selbst nicht am Tisch der Großen in Évian,
       muss sich aber um einen beträchtlichen Teil der Vorbereitungen kümmern,
       namentlich um die Sicherheit der ankommenden Delegationen, und einen
       möglichst geordneten Verlauf der Protestkundgebungen der Koalition „No-G7“.
       Das kommt vor allem die Behörden in Genf sehr teuer zu stehen.
       
       ## Auch die G7-Gäste fliegen über Genf ein
       
       [3][Die von Macron eingeladenen Gäste, unter ihnen vermutlich auch
       US-Präsident Donald Trump,] treffen auf dem internationalen Flughafen
       Genf-Cointrin ein. Die Überwachung muss entsprechend massiv verstärkt
       werden.
       
       Ab Donnerstag wurden mehrere Zufahrtsstraßen auf beiden Seiten der Grenze
       für den Verkehr gesperrt. Laut einer Mitteilung des Kantons Genf wurden
       auch mehrere öffentliche Einrichtungen, Parkanlagen sowie Fan-Zonen für die
       Fußball-WM und andere vorsorglich und vorübergehend geschlossen. Auf dem
       G7-Nebenschauplatz sind die Behinderungen für die Bevölkerung und die
       lokale Wirtschaft beträchtlich.
       
       Der größte Anlass zur Sorge ist für die Genfer Behörden aber die große
       Kundgebung der G7-Gegner am Sonntag und andere Aktionen der
       Antikapitalisten. In Évian fand bereits 2003 ein solcher Gipfel statt,
       damals noch mit Russland als G8-Mitglied. Rund 100.000 Menschen
       demonstrierten in Genf. Bei Ausschreitungen, auf die auf schweizerischer
       Seite die Ordnungskräfte nur unzulänglich vorbereitet waren, entstand
       enormer Sachschaden.
       
       Allein das Sicherheitsaufgebot, das mit 1.000 deutschen Polizeibeamten und
       15 Wasserwerfern verstärkt werden musste, kostete damals 40 Millionen
       Franken (nach heutigem Kurs rund 42 Millionen Euro), davon beglich
       Frankreich schließlich weniger als die Hälfte. Und auch dieses Mal scheint
       die französische Staatsführung überhaupt nicht die Absicht zu haben, für
       diese Auslagen geradezustehen. Dieses Mal möchten sich die Ordnungskräfte
       nicht überborden lassen. Es werden zusätzlich 5.000 Armeeangehörige zur
       Verstärkung der Polizei mobilisiert.
       
       ## Ladeninhaber fürchten, auf Kosten sitzen zu bleiben
       
       Die Organisatoren der Anti-G7-Kundgebung reagierten auf die
       Repressionsdrohung mit einer Handreichung, die unter anderem den
       Demonstranten rät, sich zu vermummen, was offiziell verboten wäre. Laut der
       Schweizer Tageszeitung Blick befürchten deswegen die Genfer Ladeninhaber,
       dass für die Demo Gewalt und Zerstörung geplant ist – für die sie der
       G7-Organisator bestimmt nicht entschädigen werde.
       
       12 Jun 2026
       
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